Die Freude des Dirigenten über das Festthema

Markus Poschner über das Eröffnungskonzert der Salzkammergut Festwochen Gmunden am 4. Juli

Debütierte im Vorjahr in Gmunden und erhielt daraufhin gleich einen Dreijahresvertrag: Markus Poschner.
Debütierte im Vorjahr in Gmunden und erhielt daraufhin gleich einen Dreijahresvertrag: Markus Poschner. © FotoKerschi

Einmal Poschner, wieder Poschner, heißt es heuer bei der Eröffnung der Salzkammergut Festwochen Gmunden.

Bruckner Orchester- und Opernchef Markus Poschner debütierte im Vorjahr mit Bruckners 7. Symphonie in Gmunden mit großem Erfolg, der ihm gleich einen Dreijahresvertrag für kommende Festivalzeiten einbrachte.

Der Idee dieser begrüßenswerten Kooperation schloss sich auch der ORF an und wird das Open-Air-Eröffnungskonzert des Festivals im 35. Bestandsjahr aus dem Toscana Park in Gmunden im Rahmen von „Erlebnis Bühne LIVE“ am 4. Juli um 20.15 Uhr auf die Bildschirme übertragen.

Musiziert wird vorsichtshalber auf einer wettergeschützten Bühne, wie man das auch von den Konzerten vor Schönbrunn kennt.

Komponisten mit Bezug zum Salzkammergut

„Ich bin glücklich über das heurige Festthema gerade über Gmunden“, sagt Poschner im VOLKSBLATT-Gespräch, denn das Programm stamme von Komponisten, die aus dem allgemein bei Künstlern beliebten Salzkammergut kommen oder dort gewirkt haben.

Die Magie der Landschaft und das Musizieren unter freiem Himmel werde eine besondere Wirkung auf die Besucher ausüben können. Von Schubert, Brahms, Lehár, Karl Goldmark über Erich Wolfgang Korngold bis Bruckner, der natürlich nicht fehlen darf, werden vertraute Klänge aus dem Linzer Orchester an der Donau an den Traunsee gespült. Begeisterung ist vorprogrammiert, zumal zwei prominente Solisten mit Poschner gemeinsam auftreten werden: Von der Wiener Staatsoper die Sopranistin Regula Mühlemann und der viel beschäftigte Tenor und Intendant der Salzburger Mozartwoche Rolando Villazón, gerade zurück von seiner Arbeit als Regisseur in Paris.

„Ich freue mich sehr, dass ich bei meinem Engagement im fünften Jahr in Oberösterreich für diese Zusammenarbeit mit dem ranghohen Gmundner Festival auserwählt wurde“, sagt Poschner. „Aber ein Vertrag birgt auch immer ein Risiko in sich. Wie hat doch einmal Nikolaus Harnoncourt so treffend gemeint: Die Wahrheit schlummere immer am Rande zur Katastrophe“.

Allein dieser einzige Gedanke lüftet ein längst nicht mehr existentes Geheimnis von Poschners Bescheidenheit und Beliebtheit bei seinen Musikern und dem Publikum. Als ein ehrlicher Gestalter aus Demut vor dem Werk will er am Pult mehr modellieren als eine regierende Einstellung einnehmen oder dem Orchester etwas aufzwingen. „Ich versuche primär, von meiner Sichtweise zu überzeugen und werbe für meine Ideen gleich einem Verkäufer, der den Wünschen und Vorschlägen mit Respekt und Ernst begegnet. Meine Tür ist immer offen“.

So klingen Reaktionen wohl nicht immer von Dirigenten, die ihren Beruf als Berufung ausüben. Das schätzen außer dem Bruckner Orchester, das unter Poschners Leitung internationale Ausstrahlung erlangt hat, auch die Mitglieder seines italienischen Orchesters (Orchestre della Svizzera Italiana), ein 50-köpfiges Ensemble, das aus Tradition vorrangig die klassische Literatur pflegt und erst vor ein paar Jahren für seinen Brahms-Zyklus ausgezeichnet wurde.

„Wir sind kein Museum, aber in erster Linie muss mich eine Inszenierung berühren können und sinngemäß sein“, sagt Poschner auf seine persönliche Meinung zum modernen Regietheater angesprochen. Konventionen seien ohnehin schwer festzumachen bei den vielen so unterschiedlich denkenden und handelnden Persönlichkeiten bei Bühnenwerken — ob in der Musik oder im Schauspielbereich. Was Markus Poschner da erwartet, wird sich bei den drei Premieren in der Saison des Musiktheaters 2021/22 zeigen: in Wagners „Parsifal“, Puccinis „La Bohème“ und Mozarts „Figaros Hochzeit“. Man darf gespannt sein, aber vorerst darauf, ihn in Gmunden am Pult seines Orchesters zu erleben.

Von Georgina Szeless

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