„Die ganze Natur schreit förmlich nach Regen“

Lokalaugenschein: Landwirte und die Natur leiden unter der Hitze – Kaum Ertrag beim dritten Schnitt – Nächste Gefahr im Anmarsch

Der Klee ist bereits verholzt, wie Erwin Bindreiter zeigt.
Der Klee ist bereits verholzt, wie Erwin Bindreiter zeigt. © vo

Von Oliver Koch

Es ist ein wunderschöner Sommertag. Die Sonne scheint vom Himmel. Es hat 30 Grad, in der sanften Hügellandschaft des Mühlviertels liegt der beschauliche Ort Tragwein und die Ruhe ist betörend.

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Doch der Schein trügt. Das Gras unmittelbar vor dem dritten Schnitt ist nur halb so hoch wie in normalen Jahren. Dürre Flecken ziehen sich durch die Wiesen. Dazwischen haben sich Pflanzen breit gemacht, die bei weitem nicht so nahrhaft sind wie das „normale“ Gras. Und im angrenzenden Wald sieht man die dürren Stellen, wo der Borkenkäfer sein Unwesen treibt. „Es ist katastrophal. Die ganze Natur schreit förmlich nach Wasser“, beschreibt Erwin Bindreiter, der insgesamt 18 Hektar Grünland bewirtschaftet, die Situation. Der 51-Jährige ist Landwirt, betreibt seit 1995 den Hof gemeinsam mit seiner Frau Maria, und die beiden leiden unter der großen Dürre. Denn auch der dritte Schnitt wird, wie auch der zweite, weit weniger ergiebig sein als sonst. „Selbst wenn jetzt der Regen käme, für den dritten Schnitt ist es zu spät“, so Maria Bindreiter. Und damit der vierte Schnitt was wird müsste es „wochenlang durchregnen“. Die Bindreiters machen sich – wie auch andere Landwirte in der Region – Sorgen, wie es weitergehen soll. Einige Milchkühe haben die beiden schon verkauft. Aktuell stehen noch 23 im Stall. „Wir müssen ja langfristig planen. Da war das die letzte Möglichkeit“, so Erwin Bindreiter. Der Schaden belaufe sich auf mehrere 10.000 Euro. Die langfristigen Folgen seien nicht absehbar. „Denn weniger Kühe bedeuten auch weniger Milchertrag“, rechnet Maria Bindreiter vor.

Der gefräßige Engerling

Und damit nicht genug. Die nächste Plage ist bereits im Anmarsch: Der Engerling, der die Wurzeln der Pflanzen anfällt und ganze Grasnarben abfrisst. „Auch das ist eine Folge der langen Hitze- und Dürreperiode“, sagt Josef Mühlbachler, seines Zeichens Bezirksbauernkammerobmann von Freistadt.

Und durch den Borkenkäferbefall müssten die Landwirte jetzt in den Wäldern arbeiten, obwohl das nicht die „normale“ Jahreszeit für Forstarbeiten sei. Einzelne dürre Jahre seien prinzipiell nicht das große Problem, „aber in den vergangenen Jahren kommt das immer häufiger vor“. Das sei deshalb prekär, weil Landwirte ja „über mehrere Jahre planen“. Die Mühlviertler Bauern seien zudem auch deswegen benachteiligt, weil die sandigen Böden generell weniger Wasser speichern. „Das ist eine negative Spirale“, so Mühlbachler. Denn: Das Grundproblem fing schon viel früher an. „Im Prinzip fehlte heuer auch das Wasser im Winter, da der Schnee viel weniger war und noch dazu früher geschmolzen ist.“

Die Dürre hat mittlerweile ganz Europa im Griff. Die EU hat nun reagiert: Bauern können 70 Prozent der Direktzahlungen bereits Mitte Oktober, statt erst im Dezember beziehen. Auch könne derzeit nicht genutztes Land zur Tierfutterproduktion genutzt werden, hieß es aus dem Büro von Agrarkommissar Phil Hogan.

Die Bindreiters wollen jedenfalls weitermachen. Den Hof soll einmal der Sohn übernehmen. „Unterkriegen lassen wir uns nicht“, so Maria Bindreiter.