Die geheime Macht über die Ampelmännchen

„Leander Haußmanns Stasikomödie“ feiert die Jugend und die Schönheit und lässt es richtig krachen

Die Stasi, wie sie in „Leander Haußmanns Stasikomödie“ leibt und lebt.
Die Stasi, wie sie in „Leander Haußmanns Stasikomödie“ leibt und lebt. © 2022 Constantin Film Verleih GmbH

Wäh! Es ist echt ein Graus, wenn ein Leben unter Aufsicht zu führen ist. Beobachtet, reglementiert, bestraft. Ludger Fuchs hat zwar die Wahl — gehen oder nicht gehen —, dass die Ampelmännchen an einer Kreuzung mitten in Ostberlin aber behördlich und höchst geheim gesteuert werden, weiß er nicht. Diese Entscheidung wird sein Leben massiv beeinflussen, das ahnt der nette Kerl nicht, als er, trotz zu rettender Babykatze, bei Rot geduldig stehen bleibt.

Hinter der Ampelregelung steht das Ministerium für Staatssicherheit — kurz: die Stasi. Die sucht permanent nach gefügigem Nachwuchs und steckt den frisch angeworbenen Ludger gleich in einen ganz problematischen Stadtteil. Die Szene in Prenzlauer Berg soll observiert, unterwandert und durchdrungen werden, denn dort lebt der Widerstand in Gestalt der Jugend. Kunst, Liebe, Schönheit, Drogen, also ein völlig herrlich-verrücktes Leben blüht dort mitten in der DDR.

Auf der anderen Seite der Weltenordnung die völlig dumpfen Stasi-Mitarbeiter. „Leander Haußmanns Stasikomödie“ feiert diese Freiheit, die es in Ostdeutschland sehr wohl gab und der Regisseur, der in der DDR aufgewaschen ist und als Künstler tätig war, lässt es richtig krachen. Er schafft als einer, der weiß, wovon er spricht, eine Möglichkeit, völlig losgelöst über diesen Unrechtsstaat zu lachen. Einen großen Anteil, dass dies in großen Teilen uneingeschränkt funktioniert, hat auch das hervorragende Ensemble.

Den jungen, naiven und sympathischen Ludger spielt in seinen jungen Jahren David Kross, die ältere Version gib Jörg Schüttauf. Und der alte Ludger wird viele Jahre nach dem Ende der DDR mit seiner (schon bereinigten, eh klar) Stasi-Akte und einem dort enthaltenen Liebesbrief konfrontiert, was seine Familie nicht erfreut. So weit die Rahmenhandlung.

In den lange vergangenen Zeiten brilliert Henry Hübchen als Oberstleutnant Siemens und treibt die Groteske herrlich auf die Spitze. Sein Abgang könnte legendär werden. Ebenso wie die Geburtstagsfeier von Minister Mielke (Bernd Stegemann). Ja, es lässt sich gut lachen über die Stasi und die DDR. Da bleibt nicht mal ‘was im Hals stecken. Ein leichtes Bedauern.

Von Mariella Moshammer

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