Die Geliebte des „Doktor Schiwago“

Fesselndes Porträt Boris Pasternaks und Olga Iwinskajas

Anna Pasternak: Lara. Die wahre Geschichte hinter Doktor Schiwago. btb, 432 S., €12,40
Anna Pasternak: Lara. Die wahre Geschichte hinter Doktor Schiwago. btb, 432 S., €12,40 © btb

„Doktor Schiwago“, Boris Pasternaks berühmter Roman, durfte in der Sowjetunion erst 1988 erscheinen. Die Veröffentlichung im westlichen Ausland 1958 hatte eine Treibjagd auf den Schriftsteller und designierten Nobelpreisträger ausgelöst.

Pasternak verzichtete notgedrungen auf die Auszeichnung, aber sein Gedicht „Nobelpreis“ gelangte an die Öffentlichkeit. Die erste Zeile: „Bin umstellt, verloren, Beute.“ Pasternak schlug seiner Geliebten Olga Iwinskaja gemeinsamen Selbstmord vor, sie redete ihm die Verzweiflungstat erfolgreich aus.

Wie Anna Pasternak, Großnichte des Schriftstellers, überzeugend im Doppelporträt „Lara“ darlegt, war Olga die entscheidende Inspiration zur Figur der Lara im „Doktor Schiwago“. Literatur und Leben ineinander auf betörende Weise gespiegelt, Olga/Lara und Pasternaks Selbstspiegelung in der Figur des Juri Schiwago. Eine Liebesgeschichte, die real in Moskau 1946 begann und die Anna Pasternak fesselnd und detailreich nachzeichnet.

Stalin hielt rätselhafterweise seine schützende Hand über Pasternak. Aber Stalin zeigte dem Dichter den Herrn, indem er auf seine Geliebte abzielte. Olga wurde 1949 verhaftet, ließ sich trotz monatelangem Schlafentzug kein belastendes Wort über Pasternak entlocken. Sie überlebte danach drei Jahre im Gulag, dem sowjetischen Zwangslager. Pasternak dankte ihr die Loyalität nur halbherzig, wollte sich nicht von seiner zweiten Ehefrau Sinaida scheiden lassen.

Nach dem Tod Pasternaks 1960 zeigte das Regime einmal mehr seine perfide und mickrige Fratze. Um den von vielen Russen verehrten Pasternak einzugemeinden, wurde Olga ein zweites Mal Ziel der Angriffe. Die blonde Hexe, die Pasternak gegen das russische Volk aufgebracht habe. Ja, sie habe selbst den „Schiwago“ geschrieben!

Eine schöne, kritische Huldigung

Olga überlebte wieder den Gulag und starb 83-jährig 1995, Pasternaks Roman „sein langer und mit Herzblut geschriebener Liebesbrief an sie“, schreibt Anna Pasternak. Das Buch eine schöne, kritische Huldigung des Paares, passagenweise spannend wie ein Krimi.

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