Haberlander will als erste ÖAAB-Chefin klaren Arbeitsauftrag

LH-Stv. Haberlander wünscht sich bei der ÖAAB-Wahl „klaren Arbeitsauftrag für mich und mein Team“

Christine Haberlander (39) ist seit 6. April 2017 Mitglied der Landesregierung, zuständig für die Bereiche Gesundheit und Bildung. Seit 5. Dezember 2018 ist sie auch Landeshauptmann-Stellvertreterin. Dass sie August Wöginger an der Spitze des ÖAAB Oberösterreich nachfolgen soll, ist seit vergangenem August bekannt. Klubobmann Wöginger war seit dem Jahr 2015 Landesobmann, er bleibt weiterhin Bundesobmann des ÖVP-Arbeitnehmerbundes.
Christine Haberlander (39) ist seit 6. April 2017 Mitglied der Landesregierung, zuständig für die Bereiche Gesundheit und Bildung. Seit 5. Dezember 2018 ist sie auch Landeshauptmann-Stellvertreterin. D © ÖAAB

Sie war bereits im August 2020 zur geschäftsführenden Landesobfrau bestellt worden, seither führte sie gemeinsam mit August Wöginger den ÖAAB Oberösterreich.

VOLKSBLATT: Gestern wurde das Online-Voting beendet, morgen gibt es das Wahlergebnis: Aufgeregt?

HABERLANDER: Ja selbstverständlich. Das wäre doch schlimm, wenn ich bei dieser Wahl ohne Emotionen wäre. Ich freue mich auf den digitalen Landestag morgen und auch, dass bisher alles so gut funktioniert hat. Viele Mitglieder haben mir Fotos gesendet, wie sie vorm Computer sitzen und wählen.

Was ist Ihr Wunschergebnis?

Ein klarer Arbeitsauftrag für mein Team und mich. Auch da bin ich überzeugt, dass das Ergebnis Ausdruck des Vertrauens unserer Mitglieder ist.

Was macht eine LandesobFRAU des ÖAAB anders als ein LandesobMANN?

Gust und mich unterscheidet manchmal die Wortwahl — das macht vielleicht aber auch das Innviertel (lacht). Uns eint: Die Anliegen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind unser Antrieb als ÖAAB. Diesen Menschen wollen und werden wir unsere starke Stimme geben. Der ÖAAB ist eine der wichtigsten Interessenvertretungen in unserem Land. Gemeinsam können wir viel bewegen.

Als Bildungs- und Gesundheitsreferentin sind Sie an vielen Fronten gefordert. Warum haben Sie gerade jetzt als ÖAAB-Landesobfrau kandidiert?

Wie schwierig die Zeit ist, wie groß die Herausforderungen sind — das zeigt unser Motto: Gesundheit schützen. Arbeit sichern. Ein Motto, weil „Gesundheit schützen und Arbeit sichern“ das ist, was heute am meisten zählt. Was auch unser Anspruch in dieser Zeit als ÖAAB ist. Das heißt für uns als ÖAAB Oberösterreich, alles zu tun um den Menschen Sicherheit zu geben —und Zuversicht.

Wird „Online“ zur Selbstverständlichkeit?

Wir haben im letzten Jahr sicherlich einen großen Lernfortschritt gemacht. Online hilft, um miteinander in Kontakt zu bleiben und sich auszutauschen. Home-Office wird immer mehr Teil der Arbeitswelt. Das wird bleiben. Wir sehen aber auch: Online kann in vielen Bereichen nicht das persönliche Zusammentreffen ersetzen, das uns allen schon so sehr fehlt.

Die Arbeitswelt ist — Stichwort Digitalisierung — wieder einmal einem rasanten Wandel ausgesetzt. Was muss man tun, dass die Menschen da mitkommen?

Der Schlüssel liegt ganz klar in der Bildung. Wir wollen den Zugang zu Aus- und Weiterbildung fördern. Damit die Älteren nicht fürchten müssen zurückzufallen. Und damit die Jungen, die besten Chancen haben, sich für die Zukunft zu rüsten. Eines ist mir dabei aber als Grundsatz wichtig: Die Digitalisierung muss dem Menschen dienen, und nicht umgekehrt. Denn die Digitalisierung soll ja unser Leben und die Arbeitswelt unterstützen, eine Hilfestellung, Erleichterung und Verbesserung bieten.

Für viele ist Arbeit nicht mehr alles, Work-Life-Balance ist mindestens so wichtig. Was können Arbeitgeber tun, damit sich ihre Mitarbeiter wohlfühlen?

Einen partnerschaftlichen Weg gehen — so wie es in vielen Betrieben schon gelebt wird. Der gemeinsame Erfolg ist sicher, wenn beide Seiten die Bedürfnisse des anderen kennen und aufeinander zugehen. Mir fallen tolle Betriebe ein, die sich hier schon engagieren: flexible Arbeitszeiten, Arbeiten in Teams, Führung durch Vertrauen, betriebliche Kinderbetreuungsangebote, Angebot zur Gesundheitsförderung im Betrieb und vieles mehr.

Das Schließen der Gehaltsschere scheint eine unendliche Geschichte zu werden. Wie oft werden wir den Equal Pay Day noch haben?

Wir haben schon viel erreicht, aber es gilt noch ein Stück des Weges zu gehen. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit muss im 21. Jahrhundert eine Selbstverständlichkeit sein. Frauen leisten im Beruf dasselbe wie Männer und erwarten dafür auch dieselbe Entlohnung.

Sie sind vor vier Jahren sozusagen von Null auf Hundert in die Landespolitik eingestiegen. Was ist der Reiz an der Arbeit als Regierungsmitglied – und warum ist er immer noch vorhanden?

Wir arbeiten mit voller Kraft daran Oberösterreich wieder stark zu machen. Das heißt: die beste Gesundheitsversorgung für Oberösterreich. Und es heißt auch: Gerade jetzt arbeiten wir für die Zukunft der jungen Menschen. Für die Möglichkeit jedes Einzelnen von ihnen, seine Talente zu entfalten. Gerade in der Krise ist es entscheidend, dass wir auf die Bildung unserer Kinder nicht vergessen.

Der ÖAAB hat eine Landesobfrau und eine AK-Fraktionsvorsitzende, der Wirtschaftsbund wird von einer Frau geführt, auch in Wirtschaftskammer und Landwirtschaftskammer haben Frauen das Sagen: Ist die gläserne Decke in OÖ brüchig geworden?

Oberösterreich als Land der Möglichkeiten heißt auch Land der Chancengleichheit. Ich bin stolz, die erste Obfrau des ÖAAB zu werden. Wir brauchen Frauen in der Politik. Als Gemeinderätinnen, Bürgermeisterinnen, im Landtag, in der Regierung. Ich bin froh, wenn wir Frauen immer mehr werden.

Wie sorgen Sie für Ihre eigene Work-Life-Balance?

Ich sehne den Frühling herbei, wenn es wieder wärmer wird, zum draußen Laufen.

Die Fragen an die designierte ÖAAB-Landesobfrau LH-Stv. CHRISTINE HABERLANDER stellte Markus Ebert

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