Die Grande Dame des Schlagers

Gefeiert & verehrt, belächelt & kritisiert: Arte-Doku über Mireille Mathieu

Mireille Mathieu 1972 in der Sendung „Ein Kessel Buntes“
Mireille Mathieu 1972 in der Sendung „Ein Kessel Buntes“ © Deutsches Rundfunkarchiv/MDR/KLaus Winkler

Die Frisur ist ihr Markenzeichen, Stimme und Fleiß sind ihr Erfolgsrezept — Mireille Mathieu ist Frankreichs Schlagerkönigin.

Arte widmet der 75-Jährigen eine Dokumentation, die ihre einzigartige Karriere beleuchtet, aber auch eines nicht schafft: hinter die Fassade der Sängerin zu blicken. Zu sehen ist die knapp einstündige Sendung „Mireille Mathieu — Singen, nur singen!“ am Freitag um 22.20 Uhr.

Der „Spatz aus Avignon“ wird über Nacht berühmt

Sie galt als neue Edith Piaf. In Frankreich kann es für eine Sängerin wohl kaum ein größeres Kompliment geben. Als Mireille Mathieu 1966 mit knapp 18 Jahren in ihrer Heimatstadt Avignon einen Gesangswettbewerb gewinnt, beginnt eine hollywoodreife Erfolgsgeschichte. Es folgt ein Auftritt in Paris, bei dem Millionen vor den Fernsehapparaten sitzen. Drei Lieder darf die schüchterne Mireille singen. Danach ist sie das Topthema im Land.

Manager Johnny Stark, der auch mit Yves Montand und Johnny Hallyday arbeitet, erkennt das Talent der zierlichen Frau mit der markanten Ponyfrisur. Archivmaterial zeigt ihre ersten Schritte in der Öffentlichkeit. Der Manager organisiert ihr Unterricht im Tanzen und stilsicheren Auftreten, sie büffelt Deutsch und andere Sprachen.

Kritiker werfen ihr vor, eine Marionette zu sein. Andere sagen, es sei im Gegenteil ein Zeichen von Stärke, sich auf die Tipps des Managers eingelassen zu haben. Selbst die Frisur ändert sie auf Anraten Johnny Starks nicht. Der deutsche Schlagerkomponist Ralph Siegel, der auch mit Mathieu gearbeitet hat, bezeichnet die Frisur in der TV-Doku als Managementtrick. „Donald Duck sah auch immer gleich aus.“ Der französische Radiomoderator Stéphane Bern sagt, die Frisur gebe der Sängerin Sicherheit.

In den 1960er- und 1970er-Jahren zählt Mathieu zu den Superstars des französischen Chansons, ist weltweit auf Tour und regelmäßig in TV-Shows zu sehen. Dass sie auch in China und Russland auftritt, sich mit Wladimir Putin zeigt und 2007 bei der Amtseinführung von Nicolas Sarkozy die Nationalhymne singt, wird ihr immer wieder vorgehalten und als politisches Engagement ausgelegt.

Mireille Mathieu sieht das anders. Sie will „einfach singen, für alle Menschen, für die ganze Welt“. So hatte sie es schon zu Beginn ihrer Karriere gesagt. Die Sängerin ist das älteste von 14 Geschwistern. Die Schule bricht sie früh ab, um als Hilfsarbeiterin etwas Geld für ihre Familie zu verdienen. Später macht sie mit französischen Chansons und deutschen Schlagern ein Vermögen.

Die Dokumentation nähert sich der stets streng und korrekt wirkenden Sängerin an. Weggefährten und Musikkenner versuchen das Phänomen Mireille Mathieu zu entschlüsseln. Wie die Sängerin aber abseits der Bühne tickt, bleibt ihr Geheimnis.

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