Die Höllen, durch die Autorin Astrid Lindgren ging

Biopic „Astrid“ erzählt ihrem Weg zu den Kinderbüchern voll Humor und Liebe

Astrid und ihr Sohn Lasse
Astrid und ihr Sohn Lasse. © Filmladen/Erik Molberg Hansen

Von Renate Wagner

Wer „Astrid Lindgren“ sagt, denkt an Pippi Langstrumpf, Kalle Blomquist, an die Kinder aus Bullerbü oder Karlsson vom Dach und andere Gestalten, die zwischen Buchdeckeln Begleiter unserer Kindheit waren. Und man sieht die freundliche alte Dame vor sich.

Eine ganz andere Astrid zeichnet die dänische Regisseurin Pernille Fischer Christensen in ihrem gut zweistündigen Film „Astrid“, der im Original „Unga Astrid“ heißt — „Astrid werden“. Denn der Weg, den sie zu gehen hatte, war über die Maßen schwer. Die 1907 geborene Astrid Ericsson stammte aus der schwedischen Provinz, die Eltern waren Pfarrhofpächter, das Leben war eng. Schon von Anfang an zeigte diese Tochter — die wunderbare Alba August spielt sie von den Teenager-Jahren bis zur jungen Frau — eine Menge Widerstand.

Dass sie schreiben konnte, machte sie zuerst nur zur Journalistin bei einer kleinen Zeitung — und zur Geliebten des Chefredakteurs. Ausführlich zeichnet der Film nach, welche Tragödie es damals für eine 19-Jährige bedeutete, ein uneheliches Kind zu haben, welche Entbehrungen Astrid auf sich nehmen musste, um Sohn Lasse behalten zu können — was ohnedies bedeutete, dass sie ihn zu einer dänischen Pflegemutter geben musste, während sie selbst in Stockholm arbeitete und hungerte. Später ist es eine berührende Szene, wenn sie dem verstockten kleinen Jungen, den sie schließlich zu sich nahm, nächtlich selbst erfundene Geschichten erzählte.

Ein Film, der nie triefend oder sentimental ist

Und ergreifend auch in einem Film, der nie triefend oder sentimental wird, wenn sie das Kind zu ihrer Familie bringt, die sie einst verstoßen hat. Es ist ein harter Weg, bis jener „Herr Lindgren“ in ihr Leben tritt, der dann ihr Ehemann werden sollte. Aber da endet der Film auch schon, denn er hat seine Aufgabe erledigt: Er hat gezeigt, durch welche Höllen eine Frau ging, die ihre Kinderbücher mit so viel Humor und Liebe erfüllte.

Die „alte“ Astrid Lindgren, wie man sie von Fotos kennt, unterbricht übrigens quasi immer wieder die Handlung und liest Briefe ihrer dankbaren Leser, die ihr erzählen, wie sehr sie ihnen mit ihren Büchern geholfen hat — etwa, wenn Pippi Langstrumpf zeigt, wie es geht, ohne Vater und Mutter zu aufzuwachsen und doch den Mut nicht zu verlieren.