Die Kehrseite der Politpromis

„Das war Corona“: maschek redeten im Linzer Posthof „drüber“

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maschek © Alexi Pelekanos

Eine Ewigkeit ist das her, tatsächlich erst 17 Monate. Angelobung der türkis-grünen Bundesregierung, kurz vor Corona hierzulande. Der ORF untertitelte — ein irrlichternder Spaßvogel? — mit einer Telenovela („Ich taufe dich auf den Namen Isabelle“). Rasch aus der TVthek gelöscht, ist der Fauxpas Witzbasis eines bis heute im Netz abrufbaren maschek-Klassikers.

Am Dienstag gastierten maschek im Großen Saal des Linzer Posthofs. „Das war Corona“ betiteln sie ihren Rückblick, das Material ist weitgehend aus der dienstägigen ORF-Satire „Willkommen Österreich“ bekannt.

Verfälschen maschek durch ihr „Drüberreden“ politische Aussagen? Eher vertiefen Robert Stachel und der Welser Peter Hörmanseder, die sich nach dem ungarischen Wort másik (das Andere) benennen. Die Kehr-, die „Maschekseite“ der Politprominenz, die der TV-Schauer längst als nette alte Bekannte wahrnimmt.

Auch den maskenlosen Herbert Kickl, der über „Meinungsfaschismus“ im Parlament wettert. Es ginge einem etwas ab, würden sich die professionell Empörten nicht mehr in der Opferrolle suhlen.

Die naheliegenden Lacher, die sich aus Würde und Fallhöhe politischer Ämter ableiten, sind mehr und mehr lässige Routine von maschek. Immer präziser wird das Duo hingegen in der Analyse systemischer Bedingtheiten: Verzahnung von Politik und Boulevard, Bildpolitik und Inszenierung, das Etablieren von griffigen „Erzählungen“.

Knuddelig Pamela Rendi-Wagner („Wie Sie wissen, bin ich Ärztin“), ein dankbares Satireziel Werner Koglers vernudelte Schachtelsätze. Der Opernball eine virensichere Enklave, draußen Pöbel und Tiere, in Ischgl haben sie alles richtig gemacht. Impfeuropameister und Impfstoffrennen, wer „signalisiert“ besser Verlässlichkeit und Kompetenz vor TV-Kameras?

Zur Entspannung Politpensionisten im idyllischen Radlbrunn, der Häupl grummelt den Pröll an: „Schiach!“

Exaktes Timing, bestürzend komisches Hirnfutter. Donnernder Applaus für maschek, im Jänner wollen sie wieder in den Posthof kommen.

Von Christian Pichler

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