„Die Kinder haben noch niemals so viel Unterstützung bekommen“

Privatinitiative von Christoph Leitl sammelte bisher knapp 34.000 Euro für die vom Krieg stark betroffenen Waisenkinder im ukrainischen Ternopil

Das Waisenhaus Malatko in Ternopil beherbergt 85 Kinder, darunter auch zwei, die bewegungsunfähig an Maschinen hängen und fünf unter Einjährige mit Down-Syndrom.
Das Waisenhaus Malatko in Ternopil beherbergt 85 Kinder, darunter auch zwei, die bewegungsunfähig an Maschinen hängen und fünf unter Einjährige mit Down-Syndrom. © Hilfswerk International

„Wir hatten gerade beim Europa- forum Neumarkt in der Steiermark ein Seminar mit russischen und ukrainischen Kindern, als der Krieg in der Ukraine losbrach“, erinnert sich Christoph Leitl im Gespräch mit dem VOLKSBLATT.

Also fragte der Präsident des Europäischen Jugendforums und frühere Chef der Wirtschaftskammer Vertreter der ukrainischen Universität, wie er helfen könne. Diese nannten Leitl das Waisenhaus Malatko in der gut 1100 Kilometer oder zwölf Autostunden von Linz entfernten 225.000 Einwohner-Stadt Ternopil, woraufhin er mit Nachbar in Not und der Caritas Kontakt aufnahm.

Nachdem beide Organisationen ablehnten, „fremde“ Projekte zu betreuen, fand Leitl im März mit dem Hilfswerk International einen kongenialen Partner. „Das Hilfswerk hat zuerst den Bedarf vor Ort erhoben, dann die benötigten Waren in Österreich eingekauft und anschließend in Ternopil verteilt“, erzählt Leitl.

Er machte auch Freunde und Partner auf seine Privatinitiative und die Situation der kriegsgebeutelten Waisenkinder aufmerksam und so kamen bis dato knapp 34.000 Euro an Spendengelder zusammen. „Ihm sei es darum gegangen, die menschliche Dimension des Krieges ersichtlich zu machen“, sagt Leitl.

Es mangelte an Betten, Medikamenten, Nahrung

Die Spenden wurden vom Hilfswerk für Betten, Medikamente, Nahrung und Kleidung für die Kleinen verwendet, deren Zahl sich in Ternopil durch den Krieg auf einen Schlag von 30 auf 85 erhöhte. Mitte Mai machten sich Hilfswerk-Geschäftsführer Stefan Fritz und Kommunikationsleiterin Bianca Weisel ein Bild von der Situation in der Ukraine und den Hilfsaktivitäten im Waisenhaus Malatko.

„In den Gruppen der größeren Kinder wird gespielt, gesungen und hin und wieder auch gestritten wie wohl in jedem Kindergarten. Jeden Tag gehen alle hinaus, um zu spielen und sich auszutoben“, erzählten die beiden Vertreter der Hilfsorganisation.

Beklemmend war für sie aber der Lokalaugenschein im Keller, der für die mehrmals täglich ertönenden Luftschutzalarme als Bunker dient. Hier ist es feucht und dunkel und die Waisenkinder haben Angst, wenn der Alarm losgeht. „Unsere Pädagoginnen geben sich Mühe, die Alarme als Spiel zu vermitteln, um die Angst zu reduzieren“, erzählte ihnen die Leiterin des Waisenhauses.

Sie hatte aber auch Positives zu berichten: „Die Kinder haben noch niemals so viel Unterstützung bekommen, wie von Herrn Leitl, seinem Team und dem Hilfswerk International. Wir haben zum ersten Mal genügend Kleidung für alle und müssen uns keine Sorgen machen, ob wir genügend Nahrung für die Kinder haben. Und wir können uns um jene mit schweren Behinderungen angemessen kümmern.“

Von Heinz Wernitznig

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