Die Korallen-Narration: Katrina Daschner in der Kunsthalle

Katrina Daschners Bilder saugen die Betrachtenden in sich auf © APA/Iris Ranzinger/Kunsthalle Wien

Das Stoffliche im Bewegtbild, das Filmische als Hochamt der sinnlichen Bewegung: Die Kunsthalle Wien inszeniert mit einer Retrospektive auf Katrina Daschners Arbeiten der vergangenen 25 Jahre die wohl ästhetischste Ausstellung seit Antritt des Leitungstrios WHW. Anders als der Titel „Burn & Gloom! Glow & Moon! Thousand Years of Troubled Genders“ vermuten lässt, lädt die neue Schau dabei im Dunkel beinahe kontemplativ zur Reflexion über Geschlechterbilder und -formen.

Bis auf wenige Objekte, die sich in einem von der Künstlerin als „Making-of-Zone“ definierten Entree finden, fokussiert man auf das Bild in seiner statischen, primär aber seiner bewegten Gestalt. So begann die gebürtige Hamburgerin Daschner, die seit einem Vierteljahrhundert in Wien lebt und wirkt, ursprünglich mit Collagen, hat mittlerweile aber primär den Film als Sprache entdeckt.

„Ich habe mein Zuhause im Filmischen gefunden“, unterstrich die Künstlerin am Donnerstag bei der Präsentation ihrer Retrospektive. Hier gehe es ihr um die Momente des Taktilen, des Haptischen, die aus der stofflichen Welt ins filmische Bild transportiert werden: „Es geht darum, etwas mit den Augen anzufassen.“ Zugleich wird dabei Sinnlichkeit und Sinnhaftigkeit verschmolzen.

Ausgehend von der queer-feministischen Ästhetik des Undergrounds ist Daschner mit ihren filmischen Arbeiten mittlerweile bei einer makrooptischen Hochglanzoptik im Stile eines Tom Ford angelangt. Geschickt öffnet sie so den Zugang zu ihrem Œuvre ohne dessen Gehalt zu verraten. Formen aus Natur, Tier und Mensch werden gleichberechtigt verschmolzen, Untergrund und Unterwasserwelt bilden eine Linie, in der nonbinär reproduktive Quallen mit dem bekannten Topos undefinierbarer Körperpartien eine hierarchische Einheit bilden.

Auf eine Filmserie, deren inspiratorische Basis Schnitzlers „Traumnovelle“ bildete, folgte zuletzt mit „Golden Shadow“ ein offeneres Werk, das im dialektischen Splitscreen gar erzählerische Fragmente aufweist. Dabei geht es allerdings nicht um eine lineare Narration, sondern ein wucherndes Assoziativgeflecht. „Meine Narration ist die einer Koralle, die in alle Richtungen wächst“, so Daschner.

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Für sie berge der Blick auf diese 25 Jahre einer künstlerischen Reise gerade in Zeiten wie diesen eine Verheißung, sinnierte Kuratorin Övül Ö. Durmuşoğlu über Daschners Arbeiten: „Auch in den Momenten der Dunkelheit gibt es die Möglichkeit, anders zu sein.“

„Katrina Daschner: Burn & Gloom! Glow & Moon! Thousand Years of Troubled Genders“ in der Kunsthalle Wien, Museumsplatz 1, 1070 Wien von 30. Juni bis 23. Oktober. Dienstag bis Sonntag 11 bis 19 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr. kunsthallewien.at

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