Die Krise als Chance

Übernahmen, Neugründungen, neue Geschäftsfelder: So pfiffig sind die Oberösterreicher

In der Hofladenbox in Schleißheim bei Wels kann man via App regionale Produkte einkaufen.
In der Hofladenbox in Schleißheim bei Wels kann man via App regionale Produkte einkaufen. © Fischerleitner

Trotz der Corona-Krise glauben etliche Jungunternehmer an ihre Idee und setzen diese auch um. Manche adaptierten ihre Idee und manche kamen erst durch Corona auf ihre Gründungsidee, wie die Gewerbeanmeldungen für Mund-Nasenschutzmasken zeigen. Ein Rundblick belegt: Das Entrepreneurship in Oberösterreich lebt.

So steht beispielsweise in Schleißheim bei Wels seit 2. August ein begehbarer Holz- Container, in dem aktuell Produkte von 16 regionalen Direktvermarktern angeboten werden. Die Idee dazu hatte Johannes Fischerleitner mit zwei Partnern bereits von gut einem Jahr, die Umsetzung erfolgte aber nun während der Corona-Krise. Bei der Hofladenbox (www.hofladenbox.com) werden Direktvermarktung und Digitalisierung verbunden. Kunden laden eine App herunter, registrieren sich und erhalten dann einen QR-Code, mit dem sie im Container einkaufen können. „Dabei bieten wir ein volles Sortiment, von Nudeln über Eier bis hin zu Obst, Milch und Fleisch“, so Fischerleitner.


Gasthaus eröffnet

Szenenwechsel ins Mühlviertel. Dort haben Manuela Kehrer und David Kainberger in der Krise sogar ein Lokal aufgesperrt. In der Gemeinde Kollerschlag starteten sie nach umfangreichen Umbaumaßnahmen mit dem Landgasthof „Grenzlos“. Kainberger hatte bereits seit Jahren mit dem Gedanken gespielt, ein Lokal zu eröffnen. „Mit der Eröffnung am 19. September haben wir auch gemerkt, dass die Kollerschlager sehr froh sind, dass es wieder ein Gasthaus im Ort gibt“, so Kainberger.

„Ich habe auf mein Bauchgefühl gehört und bin meinem Herzen gefolgt“, sagt Theresa Katzmaier, die mit ihrem Onlineshop www.kaufsinn.at durchgestartet ist. Auf der Homepage gibt es Produkte lokaler Hersteller, „bei denen ich von der Qualität vollends überzeugt bin und bei denen ich weiß, dass die Hersteller mit Herzblut bei der Sache sind“, so die 31-Jährige. Die Idee dazu hatte sie Ende März während des Lockdowns, im April wurde der Webshop programmiert und seit Mai ist die Homepage der Herzogsdorferin online.

Seit Anfang Oktober ist Ilona Pargfrieder selbstständig. „Ich war davor in einem Reisebüro tätig, fange also nicht ganz unbedarft an“, sagt die 40-jährige Feldkirchenerin. Mit „MyWay Reisen by Ilona Pargfrieder“ mache sie nun das, „was mir Spaß und Freude bereitet“.

Masken aus 3D-Druck

RoWa-Automation bietet im Automatisierungsbereich die komplette Bandbreite an, mit Schwerpunkt auf Automotive. Während der Krise habe man nicht verzagt. „Im März habe ich mir gedacht, da müsste sich etwas machen lassen“, so Firmenchef Hermann Wallner, da RoWa im Vorjahr erstmals einen 3D- Drucker angeschafft hatte. Die Wahl fiel auf die Fertigung eines Mund-Nasen- Schutzes. Ende März war dann der Prototyp erstellt und „mittlerweile haben wir 15 3D-Drucker im Haus“, so Wallner. In den ersten Monaten nach dem Lockdown setzte das Unternehmen mit Sitz in Neustift im Mühlkreis 400 Masken pro Monat ab.

Eine findige Idee hatten vor gut einem Jahr die Brüder Markus und Hannes Kriegner. Diese machen via meinschwein.at Interessierte zu Schweinebauern. Ende Oktober wird der erste Stall für maximal 60 Tiere in Eschenau am Hausruck eröffnet. Die Idee dahinter: Kunden kaufen sich ein Edelschwein, lassen es zirka ein halbes Jahr füttern – wenn gewünscht auch mit Zusatzfutter – und können danach das verwertete Tier selbst genießen oder auf dem Marktplatz meinschwein.at anbieten.

Markus Hintringer und Maria Gabriel-Oberngruber haben am 1. Juni dieses Jahres den Gartenbaubetrieb Reitinger in Aigen-Schlägl übernommen und führen diesen nun unter dem Namen Gartenverde. „Wir haben auch das gesamte Team – also insgesamt 30 Mitarbeiter – übernommen und kürzlich sogar eine weitere Floristin eingestellt“, sagt die Gärtnermeisterin.

Und in Fischlham haben per 1. Juni Martina und Werner Zehetner die Kfz-Werkstätte Krumphuber übernommen. Ursprünglich wäre Ende März dafür vorgesehen gewesen, aber bedingt durch Corona habe sich dies etwas nach hinten verschoben, sagt Martina Zehetner, die für die administrativen Belange zuständig ist. Wichtig sei, dass man in Sachen Ausbildung „immer am Ball bleibt, denn das erwarten die Kunden auch und wir haben zum Glück etliche treue Stammkunden“, sagen die beiden.

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