Die Kunst erobert sich ihre Freiheit wieder

Landestheater Linz: Spielplan mit 38 neuen Produktionen und vier Wiederaufnahmen

„Cinderella“ tanzt ab Oktoberwieder im Musiktheater.
„Cinderella“ tanzt ab Oktoberwieder im Musiktheater. © Sakher Almnem

„Wir sind wieder da“, verkündete Landestheater-Intendant Hermann Schneider. Aufführungen im Schauspielhaus finden seit wenigen Tagen wieder statt, gestern wurde nun im Musiktheater der Spielplan für die nächste Spielzeit — Schneiders fünfte — vorgestellt. Sie steht unter dem passenden Motto „Freiheit“, mit dem man sich auch Fragen und Antworten in einer neuen Welt stellen wolle, so Schneider.

Der aktuelle Spielplan sei ein Derivat von sehr vielen Spielplänen. Eine Vielzahl an Varianten sei dafür durchgespielt worden, eine Reihe von Verschiebungen und Verzögerungen passiert, vieles — etwa Parsifal oder eine Uraufführung von Michael Obst — werde aber in den nächsten Spielzeiten nachgeholt. Für die neue Spielzeit sind nun 38 Neuproduktionen — darunter zehn Uraufführungen, zwei Europäische Erstaufführungen und eine Deutschsprachige Erstaufführung — vorgesehen. Dazu kommen vier Wiederaufnahmen.

Mit Flexibilität vorbereitet

Landeshauptmann Kulturreferent Thomas Stelzer betonte erneut die Bedeutung der Kultur für die Gesellschaft und lobte das ambitionierte Programm, für das sich die Verantwortlichen sehr ins Zeug gelegt hätten: „Der Spielplan ist nicht nur herzeigbar, wir sind stolz darauf.“ Mit diesem sei der Rahmen gegeben, der Herbst aber noch ungewiss. Schneider und Stelzer betonten, dass man auf eine zweite Welle mit Flexibilität vorbereitet sei.

Hochfahren mit „Priscilla“

Nun, was wird konkret 2020/2021 gegeben? „Wir haben die ersten drei von insgesamt sechs Stücken so gestaltet, dass sie jetzt spielbar sind“, sagt Musicalchef Matthias Davids über seine Sparte. Und das bedeutet: „Mit weniger und meist hauseigenen Darstellern auf der Bühne.“ Diese drei Stücke sind „Piaf“ von Pam Gems, „Lieder für eine neue Welt“ von Jason Robert Brown und „The Wave“ von Morton Rhue, das auch als Film Berühmtheit erlangte und in Linz seine Uraufführung erleben wird. „Die Piaf, eine Traumrolle für Publikumsliebling Daniela Dett“, schwärmt Davids. Da sei man auch schon eifrig am Proben. Die sechs männlichen Darsteller aus der Musical-Compagnie würden dafür in gefühlte 30 Liebhaber, von Yves Montand bis Gilbert Becaud, schlüpfen. „Zum Hochfahren im Februar gibt es dann ,Priscilla — Königin der Wüste´“, freut sich Davids. „Da kriegt das Publikum dann die volle Show und wir ziehen Glitzersachen an.“

Im Schauspiel zeige man in der neuen Saison „eine Mischung aus Sachen, die man immer wieder gern sieht und solchen, die auch einmal einen anderen Blick auf etwas möglich machen“, erklärt Schauspielchef Stephan Suschke. Gestartet wird mit „Gefährliche Liebschaften“ nach Choderlos de Laclos in der Regie von Susanne Lietzow, die in Linz schon mit „Maria Stuart“ begeistert hat. Rokoko-Ambiente und Reifröcke inklusive. Vom jungen Tiroler Dramatiker Martin Plattner gelangt „Die Sedierten“ zur Uraufführung: „Das Tolle daran ist, dass Plattner die Hauptrollen mit vier Frauen besetzt hat“, erklärt Suschke. „Überhaupt freut es uns, dass die Hälfte der Regisseure in dieser Spielzeit weiblich sind.“ Eine besondere weibliche Note wird auch mit „Binge Living“ eingebracht, für das Stefanie Sargnagel quasi aus ihrer Zeit im Call Center einen Roman mit „wahnsinnigen Dialogen“ (Suschke) gemacht hat. Horvath gibt es mit den „Geschichten aus dem Wienerwald“ in der ebenfalls linzbewährten Regie von Stephanie Mohr. Die österreichische Erstaufführung von Elfriede Jelineks „Schnee Weiß“ thematisiert Missbrauch. Bestsellerautor Clemens J. Setz zeigt laut Suschke mit seinem ebenfalls in der kommenden Saison in Linz gezeigten Stück „Vereinte Nationen“, dass er auch ein begabter Dramatiker ist. Mit „Alte Meister“ gibt es auch ein Stück nach Thomas Bernhard. Peter Wittenberg inszeniert Molnars „Liliom“ und Sophokles` „König Ödipus“, Georg Schmiedleitner Nestroys „Der böse Geist Lumpazivagabundus“. Weitere Klassiker auf dem Programm sind „Der zerbrochene Krug“ und „Biedermann und die Brandstifter“. Die Sparte Junges Theater bringt u.a. „Bambi“ und „Die Weiße Rose“und als Weihnachtsmärchen „Alice im Wunderland“.

Die Opernsaison wird im Beethoven-Jahr mit „Fidelio“ eröffnet, der in der Regie von Hermann Schneider mit „Twice Through the Heart“ von Mark-Anthony Turnage ergänzt wird. Neben Mozarts „Le nozze di Figaro“ und Lehars „Land des Lächelns“ ist auch weniger Bekanntes im Programm. Mit „La Juive“ von Jacques Frommental Halévy etwa gelangt eine wunderbare Rarität zur Aufführung und mit Vinzenzo Bellinis „Romeo und Julia“ das Werk eines Komponisten, von dem sich Opernfreunde in Linz schon lange etwas zu hören wünschen. Uraufführungen auf der Opernbühne sind die Neufassungen von Schuberts „Dreimäderlhaus“ und Conradin Kreutzers „Melusine“. Mit Händels „Rinaldo“ folgt man dem aktuellen Trend, alte Opern zur Aufführung zu bringen.

Tanz über die Corona-Zeit

„Mein Schreiben findet auf der Bühne statt.“ Ballettchefin Mei Hong Lin verarbeitet ihre Erfahrungen aus der Corona-Zeit im Stück „Liebesbriefe“, „getanzten Briefen an mich und an die Welt“, und die seien, so sagt sie, gar nicht nur negativ, zeigen zwar Ängste, sollen aber auch Trost spenden. Sie habe sich anfangs gefragt, wie Tanz unter Einhaltung der Corona-Regeln überhaupt möglich sein könne, Tanz müsse schließlich frei sein. Aber dann, als man mit den Proben begonnen habe, entdeckt, was sie nicht erwartet habe: „Es entstand eine ganz andere Kreativität, Intimität und Intensität zwischen den Tänzern, die Emotionen und der Ausdruck müssen viel stärker sein.“ Zu sehen werden auch Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“ sein: „Neben der Musik Mussorgskis werden dabei auch Klänge eines bekannten DJs zu hören sein“, kündigt die Ballettleiterin an. Wiederaufnahme erfährt „Cinderella“, das in der letzten Spielzeit wegen Corona nur dreimal zu sehen war, nachgeholt wird „Credo“, eine Uraufführung von Urs Dietrich.

Der kaufmännische Direktor Thomas Königstorfer ersuchte um Verständnis dafür, dass es beim Ticketing zu Verzögerungen kommen könnte. Der Vorverkaufsstart sei für Mitte Juli geplant.

Von Melanie Wagenhofer

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