Die Lady und ihr Psychiater

Linzer Musicalschef Davids inszenierte Kurt Weill an der Wiener Volksoper

Julia Koci (M., Liza Elliott) umringt vom Herren
Julia Koci (M., Liza Elliott) umringt vom Herren © Volksoper Wien/Barbara Palffy

Dass die „Dreigroschenoper“, 1929 von Berlin ausgehend, ein Welterfolg wurde, verdankt man nicht nur dem zynischen Text von Bert Brecht, sondern mehr noch der brillant-griffigen Musik, mit der Komponist Kurt Weill dieses Werk unsterblich machte. Es war freilich sein einziger „Wurf“ dieses Ausmaßes. Das hängt auch damit zusammen, dass er in die Emigration getrieben wurde, und dass man in den USA ganz anders komponieren musste als im Europa der Zwanziger Jahre …

Zu den „Musicals“, mit denen Weill sich notgedrungen dem amerikanischen Geschmack anpasste, zählte „Lady in the Dark“. Mit dem Autor Moss Hart und mit Ira Gershwin für die Liedertexte standen ihm für dieses 1941 in New York uraufgeführte Werk zwar souveräne Profis zur Verfügung, aber was vielleicht als Parodie auf die Psychoanalyse gedacht war, erwies sich letztlich nur als sentimentale Operette, für die Weill eine für ihn untypische, gefällige, aber nicht wirklich nachhaltige Musik geschrieben hat.

Davids sprudelnder Einfallsreichtum

Die Geschichte handelt von Liza Elliott, der überaus erfolgreichen Herausgeberin einer Frauenzeitschrift, die einen Psychiater aufsucht, um ihrem Unbehagen auf den Grund zu gehen. Rückblenden auf der „Couch“ und Realszenen in der Redaktion wechseln sich ab, am Ende weiß man, wie das kleine Mädchen schon, wie das College-Girl später seelisch verletzt worden sind, so dass sie in die Rolle der Karrierefrau flüchtete. Immerhin stehen ihr zum Finale immerhin drei Männer fürs Happyend zur Verfügung, sie wird schon den richtigen nehmen …

Viel Arbeit für Matthias Davids, der nun auch schon seit einem Jahrzehnt Leiter der Sparte Musical am Landestheater Linz ist und an der Volksoper in Wien einen ausgezeichneten Ruf genießt, hat er doch dem Haus in der Ära von Robert Meyer mit Offenbachs „König Karotte“ eine seiner besten Inszenierungen geliefert. Davids´ sprudelnder Einfallsreichtum ist hier gefragt, um dem etwas drögen Stück auf die Beine zu helfen, und es gelingt mit Hilfe von lebhafter Ausstattung und einem bewegten tänzerischen Teil.

Im übrigen liegt der Abend auf den Schultern von Julia Koci, die ihre Aufgabe geradezu spielend meistert, harte Geschäftsfrau und trauriges Geschöpf, das sie heraus lässt, wenn sie mit dem Psychiater spricht: Direktor Robert Meyer, dessen Ära mit dieser Saison endet, weiß, dass das Publikum ihn selbst auf der Bühne sehen will, und die Rolle des Psychiaters erfüllt er diskret, aber mit Präsenz. Dass sowohl Koci wie auch Meyer nicht nur Musical-Profis, sondern auch sehr gute Schauspieler sind, ist im Rahmen dieses Stücks mit seinen langen Sprechszenen hoch notwendig. Glücklicherweise konnte man das auch von Christian Graf, Jakob Semotan, Ben Connor, Ursula Pfitzner und der auch in einer kleinen Rolle köstlichen Johanna Arrouas für die übrigen Hauptfiguren sagen.

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James Holmes dirigierte Weills mittelmäßig inspirierte Musik mit so viel Animo, dass sie das Publikum durchaus mitnahm. Man hat an der Volksoper für einen schwachen Kurt Weill alles getan, was nur möglich war.

Von Renate Wagner

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