Die Längsten, Größten und Spätesten

Salzburger Festspiele enden: Über 97 Prozent Auslastung und 30 Millionen Euro Einnahmen

Philipp Hochmair (mit Buhlschaft Stefanie Reinsperger) überraschte und überzeugte, als er kurzfristig für Tobias Moretti (kl. Bild) im „Jedermann“einsprang.
Philipp Hochmair (mit Buhlschaft Stefanie Reinsperger) überraschte und überzeugte, als er kurzfristig für Tobias Moretti im „Jedermann“einsprang. © APA/B. Gindl

Angekündigt waren viereinhalb Stunden — es wurden fünfdreiviertel. Regisseur Frank Castorf schuf mit „Hunger“ heuer die längste Inszenierung der Salzburger Festspiele, die morgen offiziell enden. Doch das war nicht die einzige Höchstleistung, die heuer in Salzburg erbracht wurde.

„Jedermann“ war meistbesuchte Produktion

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„Wir haben einen ziemlich gewaltigen Sommer bewältigt“, zeigt sich Intendant Markus Hinterhäuser zufrieden. In Zahlen gegossen, kann sich diese Zufriedenheit durchaus sehen lassen: Die Auslastung liegt bei über 97 Prozent, mit knapp 35.000 Besuchern war der „Jedermann“ die meistbesuchte Produktion. Auch der Konzertzyklus der Wiener Philharmoniker mit über 21.000 Besuchern stellt sich in die Riege der beliebtesten Veranstaltungen. Bei den Opern teilen sich die „Zauberflöte“und „Pique Dame“ mit jeweils über 13.000 Besuchern den ersten Platz. Insgesamt wurden heuer 89 Konzerte und 96 Opern- und Theatervorstellungen gegeben und bescherten Einnahmen von rund 30 Millionen Euro — ein neuer Rekord.

Längster Applaus für „Pique Dame“

Doch nicht alle Produktionen begeisterten: Die größte Enttäuschung wurde Lydia Steiers „Zauberflöte“. Mozarts Oper wurde auf ein Märchen reduziert und kam nicht gut an. Den längsten Applaus hingegen konnte Hans Neuenfels‘ Inszenierung von Peter Tschaikowskys „Pique Dame“ einheimsen. Exakt 13,05 Minuten zeigte das Publikum seine Zustimmung. Als die beeindruckendste Aufsteigerin überzeugte die Litauerin Asmik Grigorian. Sie sang die Titelpartie in der „Salome“ — dirigiert von Franz Welser-Möst — und wurde dafür frenetisch gefeiert.

Das späteste Debüt als Musiktheatermacher feierte mit 61 Jahren Jan Lauwers. Er inszenierte Monteverdis „Poppea“.

Im Schauspiel ging nicht alles glatt. Viel Nervenstärke verlangte Schauspielchefin Bettina Hering der Krankheitsausfall ihres „Jedermann“-Darstellers Tobias Moretti ab. Spontan schwebte aus Dresden Philipp Hochmair ein und rettet mit rekordverdächtig kurzer Durchlaufprobe die renommierte Cashcow der Festspiele mit fünf Einsätzen — der bravouröseste Einspringer. Auch in der „Zauberflöte“überzeugte ein Ersatz: Die Belgierin Emma Posmann begeisterte in der Rolle der Königin der Nacht, die ursprünglich Albina Shagimuratova sang.

Normalerweise müssen nur die Besucher des „Jedermann“vorm Regen Angst haben, dieses Jahr erwischte das Wasser aber auch die Festspielhausgäste. Für die größte Überraschung sorgte ein Gewitter, das bei einem Konzert von Grigory Sokolov das Dach des Festspielhauses überforderte — mit 1,4 Millionen Liter Wasser! Mitten im Konzert ergoss sich das eindringende Wasser im Saal auf das Publikum … Die größte Technikschlacht lieferte man sich heuer aber beim ältesten Drama der Menschheit. Regisseur Ulrich Rasche fuhr für Aischylos‘ „Die Perser“ seine Walzen, Laufbänder und Drehscheiben im Salzburger Landestheater auf.