„Die Liebe ist wie ein Chihuahua“

    „Romeo und Julia“ nach Shakespeare als Gag-Schleuder in Wilhering

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    Auch bei Joachim Rathke sterben Romeo und Julia ...

    Von Mariella Moshammer

    William Shakespeares Tragödie „Romeo und Julia“ musste als quasi „Bestseller“ des Meisters schon viel über sich ergehen lassen. Nun hat sich Joachim Rathke der unmöglichen Liebe für das Theaterspectacel angenommen: Raus aus den herrschaftlichen Häusern Veronas, rein in die Wilheringer Scheune.
    Aggressiv und sehr körperlich zeigt sich gleich der Hass der Familien Capulet und Montague aufeinander. Bei Rathke, der das Stück übersetzt und sprachlich stark bearbeitet hat, wird die Familienfehde zum Kampf zwischen Rechts und Links, wobei es ja immer auf die Perspektive ankommt … Soviel sei verraten: Am Ende verlieren beide und der ideologische Kampf ist jener der Männer. „Wo ist der Unterschied zwischen euch beiden?“ fragt da die Frau.
    Spinnefeind sind sich die Familien, als sich Julia Capulet (Nora Dirisamer) und Romeo Montague (Daniel Jeroma) auf einem Ball verlieben. Auf der Veranstaltung der Capulets (das sind die Rechten) trifft der migrantige Caterer auf den Schönbrunner G’schamster-Diener und auf der Gästeliste stehen die Berlusconis, die Corleones und was die italienische Klischeekiste so hergibt. Schnell zeigt sich: Gag wird an diesem Abend keiner liegen gelassen („So schöne Lippen…“ „Wie die von Goldie Hawn?“ oder der Priester im Leiberl der Band Bad Religion …). Ob Romeo mit Freund Mercutio (Markus Subramaniam) und Cousine Benvolia (Julia Frisch) über die Liebe sinniert — „Die Liebe ist wie ein Chihuahua. Sie beißt…“ — oder bei der Balkonszene, die auf Sprungbrett und Kletterseil stattfindet: Jene Besucher, deren Humor von den Gags getroffen wird, amüsieren sich durch den Weltklassiker.

    Eine hervorragende Leistung des Ensembles

    Romantisch wird’s — wenn auch mal ganz anders — bei der Trauung: Da können sich die hibbelige Julia und ihr Angebeteter so gar nicht mehr erwarten. Den Darstellern gelingt es in den wenigen Momenten der Emotionalität, diese ergreifend umzusetzen. Überhaupt zeigt das komplette Ensemble eine hervorragende Leistung, die die Unterstützung zweier Puppen (als die Väter Capulet und Montague, geführt von Bettina Buchholz und Sabine Martin, die auch in anderen Rollen spielen) nicht nötig hat.
    Ansonsten kichert und lacht man sich in den Kostümen und auf der Bühne von Kurt Pint von der Liebe und der Tragik weit weg. Auch im Sterben — Julias Cousin Tybalt (Simon Kirschner) tötet Mercutio, woraufhin Romeo Tybalt ermordet — hat Mercutio ein Scherzal auf den Lippen. Die Toten werden mehr, und kurz ist mal Schluss mit lustig im Stadl. Es dauert aber nicht lange, da geht’s schon wieder los mit den Gags … Damit auch ja keine Tragik — bekanntlich stirbt das Liebespaar ja — aufkommt, packt man noch die „Theater im Theater“-Nummer aus, inklusive hysterischem Regisseur (in einer seiner vielen Rollen Sven Kaschte) und Real-Namen. Wäre nicht nötig, eine Tragödie darf ja durchaus auch — Schmäh ohne — tragisch enden.

    Bis 30. Juli; Karten: 0699/10976739