Die Macht der Männer

Schäxpir: Thomas Arzts „Else (ohne Fräulein)“ im Phönix uraufgeführt

V. l.: Maria Lisa Huber, Soffi Schweighofer, Henriette Heine
V. l.: Maria Lisa Huber, Soffi Schweighofer, Henriette Heine © Helmut Walter

Von Christian Pichler

Else, 15, verbringt die Ferien in Tante Olgas Hotel. Daheim braut sich Unheil zusammen, Elses Vater soll Geld veruntreut haben. Am Swimmingpool fällt Else ein älterer Mann auf, sie hält ihn für den Richter, der den Fall des Vaters verhandeln soll. Um dem Vater zu helfen, geht Else auf die Avancen des Mannes ein.

Bald 100 Jahre alt ist Schnitzlers „Fräulein Else“, eine Monolog-Novelle über Macht und Verführung, Entblößung und Scham. Der Schlierbacher Thomas Arzt hat den Stoff zeitgemäß dramatisiert und vertraut seine „Else (ohne Fräulein)“ wieder dem Linzer Theater Phönix an (2016 „Werthers große Liebe“). Uraufführung dieser „Else“ für Leute ab 14 war am Dienstag beim Schäxpir-Festival, das Publikum nicht einhellig glücklich.

Drei Schauspielerinnen verleihen der Else Gestalt, ihr innerer Konflikt damit verdeutlicht: die Forsche (Henriette Heine), die Vorsichtige (Maria Lisa Huber), die Kindfrau (Soffi Schweighofer). In drei Kabinen (Bühne: Michaela Mandel) leben sie ihre private Fröhlichkeit aus, davor spitzt sich das Drama zu.

Heine, Huber und Schweighofer spielen sich am Balkon des Phönix die Seele aus dem Leib, Florian Pilz inszeniert beherzt. Dennoch geht einem diese Else nicht nahe. Tante Olga etwa ist Feministin, schön und gut, aber das wird bloß behauptet, spielt für die Handlung keine Rolle. Im Bemühen um Aktualisierung geht die psychologische Tiefe verloren. Schnitzlers Else war interessanter, im Zwiespalt zwischen Scham und lauernden exhibitionistischen Wünschen.

Männliche Macht, zumal die indirekte des Vaters, bleibt bei Arzt unklar. Klar hingegen die Botschaft: Geld und Macht holen sich, was sie wollen. Fein herausgearbeitet die Zwischenstufen, die Zugeständnisse Elses. Erst trinkt sie den selben Wein wie der „Richter“, später lädt er sie auf eine Bootsfahrt ein. Am Ende steht sein Begehren, Else nackt zu sehen. Nie sagt sie das wichtigste Wort: nein. Rasend verbreitet sich Elses Nacktheit über das Internet, ihre letzte Verzweiflungstat wird angedeutet. Der starke Premierenapplaus galt zuvorderst den Schauspielerinnen.

Bis 30. Juni, Wiederaufnahme ab 22. Oktober

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