Die Mutter aller Wasserschlachten

Am Samstagabend wird in Ottensheim die Ruder-Weltmeisterschaft 2019 feierlich eröffnet. Zeit, einen Blick zurück auf die historischen Ursprünge der Sportart in Europa und Österreich zu werfen. Dabei stößt man unweigerlich auf die traditionsreichste Bootswettfahrt des Kontinents. Auf die „Regata Storica“ von Venedig. Ihre Ursprünge reichen zurück bis in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts. Auch 2019 wird die „Mutter aller Wasserschlachten“ am ersten Septembersonntag über die Bühne gehen. Es ist alljährlich das größte Volksfest in der Lagunenstadt.

In den 1870er-Jahren wurde in OÖ der erste Ruderverein gegründet. Die Sportart kam aus England über Wien nach Linz. © Christian Schwier - stock.adobe.com

Schon der Kernbegriff des modernen Rudersports legt die Fährte zurück ins Venedig des 13. Jahrhunderts: „Eine Ruderregatta ist eine sportliche Veranstaltung, die aus einem oder mehreren Rennen, wenn nötig unterteilt in mehrere Läufe, besteht, die in verschiedenen Bootsklassen durch Ruderer ausgetragen werden, die nach Geschlecht, Alter und Gewicht verschiedenen Klassen angehören“, heißt es im aktuellen Wettkampf-Reglement des Österreichischen Ruderverbandes.

Und genau dieser Begriff „Regatta“ leitet sich ab vom venezianischen Ausdruck „regata“, der eine sportliche Wettfahrt der Gondoliere umschreibt. Und damit sind wir schon am historischen Startpunkt der Wasser-Wettfahrten in Europa angekommen! Bis heute ist nicht geklärt, wovon sich der venezianische Begriff „regata“ genau ableitet, es gibt aber dafür drei Thesen. Die erste These besagt, „regata“ käme von „aurigare“, also „wettlaufen“. Die zweite These verbindet „regata“ mit „riga“, Reihe. Und die dritte These leitet den Begriff ab von „ramigium“, also von „Ruder“.
Warten auf die Schützen

Entstanden ist die Tradition der Gondelwettfahrten in der Lagunenstadt, als die „Chauffeure zu Wasser“ bei St. Marcus auf ihre adeligen Passagiere warten mussten, die sich bei Übungsschießen der Armbrustschützen aufhielten. Die erste organisierte öffentliche „regata“ in Venedig ist dann für das Jahr 1315 datiert, als im Vorfeld eines Krieges die Stadtregierung Besuchermassen anlocken wollte, um darin Söldner für den Kriegseinsatz zu werben.

„Regata storica“: Venedig gilt als Geburtsstätte der sportlichen Ruderbewerbe in Europa. © motionero – stock.adobe.com

Die europaweite Ausbreitung des Sportruderns nahm viel später im England des 18. Jahrhunderts ihren Ausgang. Als Segelboote in der Transportlogistik die Ruderer immer mehr verdrängten, schlug die Geburtsstunde des Ruderbootes als Sportgerät. 1715 kommt es daher auf der Themse in London zur ersten offiziellen Wettfahrt zwischen Fährleuten und Berufsmatrosen.

Danach steigen sukzessive die englischen Colleges in den Rudersport ein, um ihre Kräfte zu messen. 1829 kämpften dann erstmals Achter der Elite-Universitäten Cambridge und Oxford zu Wasser gegeneinander. Beide Rennen zählen übrigens noch heute zu den sportlichen Großereignissen und absoluten Besuchermagneten! 1831 wurde im Rudersport die erste Weltmeisterschaft ausgetragen, 1883 die erste Europameisterschaft und 1900 war Rudern erstmals Teil der Olympischen Sommerspiele. Heute zählen neben Olympia und internationalen Meisterschaften drei Ruderrennen zu den Highlights im Kalender: der Weltcup im Schweizerischen Luzern, der auch als „Wimbledon des Ruderns“ bezeichnet wird, sowie die britischen Regatten „Henley“ und Oxford gegen Cambridge im Achter.

Auch in Linz beginnt´s

In Österreich setzte die Entwicklung des Rudersports Anfang der 1860er-Jahre ein, als junge Englandreisende diese Art der Unterhaltung mit nach Wien brachten, konkret in die Wiener Donauauen. 1863 erfolgte in der Bundeshauptstadt die Gründung des ersten Rudervereines, 1868 fiel der Startschuss für die erste offizielle Wien-Regatta. Kurz danach wurden im Lauf der 1870er-Jahre auch außerhalb Wiens die ersten Rudervereine gegründet — konkret beispielsweise in Linz, Klagenfurt oder Krems. Heute zählt das Vereinsregister des Österreichischen Ruderverbandes 47 Sportvereinigungen, davon neun in OÖ (Linz, Gmunden, Mondsee, Ottensheim, Seewalchen, Wels und Steyr).
„Regata Storica“ am 1.9.

Doch zurück zu den Ursprüngen der sportlichen Ruderwettbewerbe in Europa. Zurück nach Venedig. Heuer findet die „Regata Storica“, die Neuauflage der historischen Wettfahrten der Gondoliere, am 1. September statt. Und wohl wieder vor tausenden Zuschauern. Wie immer gliedert sich das Volksfest auf dem und am Canal Grande in zwei Teile. Zunächst der Bootskorso mit historischen Booten und entsprechend kostümierten Besatzungen als Reminiszenz an die Ankunft der Gattin des zypriotischen Königs im Jahr 1489.

Danach starten die sportlichen Bewerbe, gegliedert nach Altersklassen, Bootsgattungen und Geschlecht. Wobei für Besucher und Sportler drei Punkte als markant gelten: die Startlinie auf Höhe der Gärten von Sant`Elena. Der Wendepunkt auf Höhe der Bahnstation Santa Lucia. Und schließlich die Ziellinie vor der schwimmenden Tribüne vor Ca`Foscari. Als Abschluss- und Höhepunkt der sportlichen Bewerbe steigt bei der „Regata Storica 2019“ wieder die „Wettfahrt der Besten“ auf sogenannten Gondolini-Booten, einer Sportausführung der traditionellen Gondeln für zwei Mann Besatzung.

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