Die Nachbarn sagen ja

Der Polestar 2 ist hierzulande noch rar gesät. Aber wo der Performance-Stromer hinkommt, erregt er Aufsehen. Das fängt auf dem Firmenparkplatz an, setzt sich in belebten Gegenden fort und auch daheim kommen die Nachbarn, um die 60.000 Euro teure, fünfsitzige Nobellimousine zu begutachten.

„Darf ich mich einmal reinsetzen und mir den genauer anschauen?“ Der Nachbar ist ganz kribbelig – er fährt seit Jahren aus Überzeugung ein E-Auto und nun steht doch tatsächlich ein E-Auto da, von dem es in Österreich nur ganz wenige gibt. Eine Limousine noch dazu, denn die sind bei dem ganzen SUV-Boom sowieso rar gesät. Beim Gefährt handelt es sich um einen Polestar 2 und zwar in der sogenannten Long Range Dual Motor Launch Edition. Also: Großer Akku, zwei Motoren und eben in der Ausstattungsvariante, mit der die Volvo-Tochter hierzulande mit dem Fünfsitzer durchstarten will.

Typenschein

Polestar 2 Long Range Dual Motor Launch Edition

Preis: ab € 50.900,- inkl. Steuern und Abgaben; Testwagenpreis € 59.900,- unter anderem inklusive Performance Paket € 6000,-; einen Polestar 2 (Single Motor) gibt es ab € 47.900,-
NoVA/Steuer: 0 %/ € 0,- jährlich
Garantie: 2 Jahre, 2 Jahre Lackgarantie, 12 Jahre gegen Durchrostung, 8 Jahre bis max. 160.000 km auf den Akku
Service: alle 30.000 km oder alle 2 Jahre

Technische Daten:
Motor: Permanentmagnet-Synchronmotoren, 300kW/408 PS Gesamtleistung, max. Drehmoment 660 Nm
Getriebe: Eingangautomatik
Antrieb: Allradantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 205 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 4,7 s
Leistungsgewicht: 5,26 kg/PS
WLTP-Verbrauch: 19,4 kWh
VOLKSBLATT-Testverbrauch: 22,9 kWh

Eckdaten:
L/B/H: 4606/1985/1479 mm
Radstand: 2735 mm
Eigen-/zul. Gesamtgewicht: 2145/2600 kg
Kofferraum: 405-1095 Liter
Frunk: 35 Liter
Akku: 78/75 kWh brutto/netto
Reifen: 4 x 245/45 R19 99H auf 19“-Alus

Sicherheit:
Regelsysteme: ABS/EBV/ESP/ASR/BA/BSD/RSR/LKA/ACC
Airbags: 8

Geländedaten:
Bodenfreiheit: 151 mm
Böschungswinkel vorne/hinten: 14,7°/21,7°

Nobel ist der Wagen allemal – und dabei gar nicht so arg teuer, wenn man Oberklasse-Ansprüche ansetzt. Um 59.900 Euro – da ist das Performance Paket um 6000 Euro schon mit an Bord – fährt der Fünfsitzer unter anderem mit 11,15 Zoll großem Touchscreen samt Infotainmentsystem, Zweizonen-Klimaautomatik, Sitzheizung, Lenkradheizung, vier USB-C-Anschlüssen, Rückfahrkamera, DAB-Radio, Licht- und Regensensor, acht Airbags, LED-Lichtern an Front und Heck und einer ganzen Reihe an Assistenzsystemen vor. Darüber hinaus passt die Verarbeitung, passt der Materialmix und passen auch die Fahreigenschaften – aber dazu später.

Jedenfalls fühlt sich der Nachbar im Polestar 2 sichtlich wohl. „Sehr übersichtlich, sehr vornehm, die Bedienung des Infotainments ist auch logisch“, sagt er sichtlich euphorisch. Das meiste wird via Touchscreen gesteuert, nur ganz wenige Kommandos (etwa die Lautstärke) können via Drehregler oder Knopf gegeben werden. Und einen Startknopf sucht man vergebens, die Motoren laufen (unhörbar), sobald das Bremspedal gedrückt wird. Hinten sitzen will der Nachbar übrigens nicht, und das ist auch verständlich, denn im Fond des 1,48 Meter hohen Wagens geht es ganz schön beengt zu. Das trifft auch auf den lediglich 405 Liter fassenden Kofferraum zu, auch wenn die elektrische Heckklappe weit aufschwingt. Die Ladekabel sind übrigens am besten im 35 Liter großen Staufach unter der Motorhaube untergebracht.

408 Pferde und 660 Newtonmeter Drehmoment bringt der Schwede mit chinesischen Wurzeln auch noch mit. Entsprechend sportlich ist der Antritt, obwohl der 4,6 Meter lange Polestar 2 2145 Kilo Leergewicht mitschleppen muss. Der 78 Kilowattstunden große Akku ist im Fahrzeugboden verbaut, das bringt einen tiefen Schwerpunkt mit sich und damit wird die Limousine auch zum Freund aller, die gerne beherzt in die Kurven einfahren. Die Lenkung ist direkt, präzise und feinfühlig: Attribute, die sie sich mit den Bremsen teilt. Die Assistenzsysteme der hart gefederten Limousine sind – markentypisch – eher auf der vorsichtigen Seite angesiedelt. Ein Nachteil: Die Rekuperation kann nicht via Schaltwippen eingestellt werden, es gibt lediglich drei Auswahlmöglichkeiten im Fahrmenü des Infotainmentsystems.

Gierig ist er jedenfalls auch. Knapp 23 Kilowattstunden je hundert Kilometer gönnt sich der Polestar 2, weshalb die praktische Reichweite bei weniger als 400 und nicht den Prospekt-470-Kilometern liegt. Wenigstens funktioniert das Aufladen rasch; die geeignete Ladesäule vorausgesetzt, denn der Polestar 2 lädt mit bis zu 155 Kilowatt.

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Fazit: Die Nachbarn sagen: „Ja, das ist ein feines E-Auto“. Der Polestar 2 sticht jedenfalls aus der Masse der Stromer heraus. Abseits des hohen Verbrauchs und der beengten Platzverhältnisse in Fond und Kofferraum, offenbart der Wagen zudem kaum Schwächen. Ein gut gelungener Einstand.

Text & Fotos: Oliver Koch

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