Die Österreicher preschen vor

    Wiener Staatsoper: „Daphne“ mit Regine Hangler und Andreas Schager

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    Regine Hangler als Daphne
    Regine Hangler als Daphne ©

    Von Renate Wagner

    Regine Hangler aus Eferding ist mit ihrer Stimme schon früh Franz Welser-Möst aufgefallen. Er brachte sie ins Ensemble der Wiener Staatsoper. Hier hat sie sich von Neben- zu Hauptrollen hochgesungen — zur Chrysothemis in „Elektra“, zur Rosalinde in der „Fledermaus“, zur Gutrune in der „Götterdämmerung“. Nun sang sie erstmals in Wien die Daphne — eine Rolle, mit der sie schon in Cleveland und New York brilliert hat.

    Prächtiger Strauss-Sopran

    Die Richard-Strauss-Wochen der Staatsoper und die richtige Besetzung waren Anlass genug, um diese „Bukolische Tragödie“ wieder einmal ins Programm zu nehmen. Textlich eher verquollen, musikalisch großartig (Strauss hat einen orchestralen Klangteppich erster Ordnung unter die Sängerstimmen gebreitet), wird die mythologische Geschichte der Schäferin Daphne zwischen dem Schäfer Leukippos und Gott Apoll behandelt — in Wien in einer hübsch verfremdeten und doch den Reiz der griechischen Antike beschwörenden Inszenierung.

    Darin kann Regine Hangler ihren prachtvollen Strauss-Sopran voll entfalten, sowohl in den technischen Schwierigkeiten wie in den stimmlichen Farben und Nuancen der Rolle. Eine Leistung, die diese Sängerin an der Wiener Staatsoper (und früher oder später anderswo) zweifellos ein gewaltiges Stück weitergebracht hat. Zweite Sensation des Abends war der niederösterreichische Tenor Andreas Schager, der seit einigen Jahren als Wagner-Tenor an großen Häusern brilliert und endlich auch in seiner Heimat debütieren durfte. Er ist ein Phänomen — eine Stimme, die in ihrer Unerschöpflichkeit und in des Sängers Bereitschaft, sie zu verschwenden, derzeit einzigartig ist. Über einer soliden Mittellage wird dieser Tenor immer kraftvoller und strahlender, je höher er klettert, und das ohne Gebrüll oder Disziplinlosigkeit — elektrisierend.

    Von Dirigentin Simone Young hochgepeitscht, lieferten die Wiener Philharmoniker ein Strauss-Fest, und das Publikum freute sich sichtlich, dieses Werk wieder einmal zu erleben. Und die österreichischen Sänger streben die Weltspitze an oder sind dort sogar schon angekommen.