„Die Operette ist meine Leidenschaft“

„Klassik am Dom“ bringt am 9. August „Lustige Witwe“ mit Theresa Grabner und Oliver Pocher

Theresa Grabner (34) gibt in der „Lustigen Witwe“ die Valencienne
Theresa Grabner (34) gibt in der „Lustigen Witwe“ die Valencienne © Klaus Mittermayr

Mit Theresa Grabner sprach Eva Hammer

Die Konzertreihe „Klassik am Dom“ bringt am 9. August Franz Lehars „Lustige Witwe“ am Linzer Domplatz zur Aufführung. Mit dabei ist neben dem deutschen Comedian Oliver Pocher die junge Sopranistin des Linzer Landestheaters, Theresa Grabner.

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VOLKSBLATT: Sie sind im heurigen Sommer ausnahmsweise nicht in Bad Ischl?

GRABNER: Ja ich wollte den Sommer einmal etwas ruhiger verbringen. Aktuell bereite ich mich vor für die „Lustige Witwe“ im Rahmen von „Klassik am Dom“, die wir dann am nächsten Tag noch einmal in Wiesbaden spielen. Und natürlich bereite ich mich vor auf die Herbstproduktionen am Musiktheater.

Wie laufen die Proben zur „Lustigen Witwe“?

Die beginnen erst. Die Produktion ist halbszenisch. Seit ungefähr einem halben Jahr gibt es das Libretto, das Daniel Große Boymann & Alexander Kuchinka für „Klassik am Dom“ und speziell für unser Ensemble verfasst haben. Wir proben zunächst in Wien mit dem Orchester der Volksoper, in den letzten Tagen erst gibt es Proben am Domplatz mit dem Chor des Landestheaters.

Das klingt aber nicht nach ruhigem Sommer, sondern eher nach Stress!

Aber nein, da arbeiten Profis. Es handelt sich um eine szenisch-konzertante Aufführung. Texte und Rollen sind einstudiert. Vor allem die Hauptdarsteller haben die Rollen auch schon in anderen Produktionen gesungen. Auch ich kenne die Valencienne schon lange, obwohl ich die Partie noch nie gesungen habe. Die Textautoren kennen die Hauptdarsteller gut, und untereinander kennen wir uns auch schon lange. Daniel Schmutzhart etwa hat mit mir studiert. Wir sind seit Ewigkeiten befreundet.

Wie geht das mit der Handlung bei einer konzertanten Variante?

Das erledigt der deutsche Comedian Oliver Pocher. Er tritt in der Rolle des Njegos auf, ein schräger Diener, der quasi durch die Szenen führt. Sein Part wurde aufgrund der Komik und Vielschichtigkeit der Handlung stark ausgebaut, und ganz spezifisch auf Pochers Charakter hingeschrieben. Mein Mann und Produktionsleiter Simon Ertl hat ihn als optimalen Moderator erachtet und ihn einfach angerufen. Pocher war von Anfang an von dem Projekt begeistert, da er in diesem Metier noch nie etwas gemacht hat. Derzeit lernt er seine Rolle.

Warum ist Franz Lehars „Lustige Witwe“ so ein unverwüstlicher Dauerbrenner und neben der „Fledermaus“ wohl die beliebteste Operette überhaupt?

Die „Lustige Witwe“ ist grandios, da sind so viele gute Nummern drinnen. Ich finde das Libretto sehr aktuell.

Was ist daran noch heutig?

Allen voran diese selbstbewussten Frauen. Dann die Liebesgeschichte zwischen Hanna und Danilo. Zuerst war sie nicht gut genug, dann wird sie unermesslich reich und zum Objekt der Begierde für viele. Es geht um verletzten Stolz und die Macht des Geldes. Dazu gibt es einen Staat, der vor der Pleite steht, und schließlich ein wunderbares Happy End. Die Sehnsucht nach dem glücklichen Ende ist ewig gültig und die Lieder berühren.

Was sind das für Frauen in der „Lustigen Witwe“?

Meine Figur, die Valencienne, ist eine sehr vielseitige Frau, verheiratet mit Baron Zeta, einem älteren Herren. Sie wird total umworben vom Tenor, aber sie bleibt standhaft, „eine anständige Frau“ halt. Eine Frau, die zu sich und ihren Entscheidungen steht. Das gilt auch für die Hauptrolle. Frauenpower herrscht also am Linzer Domplatz genauso wie im pontevedrinischen Operettenstaat.

Frauenpower auch ein persönlicher Charakterzug?

Auf der Bühne kann es schon mal Parallelen zum eigenen Charakter geben, aber das dramatische Schauspiel hat gerade in meinem Stimmfach höhere Priorität. Viele Rollen, die ich verkörpert habe, sind sehr spielfreudige, quirlige, emotional heftige Figuren. Man kann sich nicht nur auf den Gesang verlassen, da muss man mehr drauf haben.

Sie sind häufig im Bereich der „leichten Muse“ zu sehen …

Ich liebe es Oper zu singen. Aber Operette ist nun mal meine Leidenschaft. Das liegt mir auch am besten und ich habe riesige Freude daran. Darum bin ich jetzt so glücklich am Landestheater. Ich kann so vielseitig spielen — Opernpartien und Operette. In der nächsten Saison meine absolute Lieblingsrolle, die „Vogelhändler“-Christl von der Post. Ich mag aber Mozart genauso gern und freue mich auf „La clemenza di Tito“ im Herbst. Linz ist für mich ein totaler Glücksfall. Ein Haus, das genau mein Repertoire spielt, wo große Oper und Operette vielseitig möglich ist. Ich fühle mich sehr wohl, sehr nettes Ensemble, wunderbare Kollegen und natürlich hat für mich das viele Reisen nun ein Ende! Das speziell Angenehme in Linz: Alle begegnen sich auf Augenhöhe — egal wer in welcher Position ist. Das gibt es nicht alle Tage am Theater — eine dermaßen gute Gesprächsbasis auf allen Ebenen.

Bleiben Sie den Linzern erhalten?

Ich hoffe es, die nächste Spielzeit auf jeden Fall.