Die „Queen of Pop“ — 60 und kein bisschen müde

Madonna 2008 in Zürich © APA/KEYSTONE/Bieri

Welche Metamorphosen hat diese Frau nicht schon hinter sich. Als ihr erstes Album erschien, hätte niemand gedacht, dass das „piepsstimmige Popmäuschen“ eines Tages die unangefochtene „Queen of Pop“ werden könnte. Seither hat sie sich mit gnadenloser Selbstdisziplin immer wieder neu erfunden: Sie war die laszive Braut in ihrem ersten Hit „Like a Virgin“, die Punk-Lolita, der Marylin-Monroe-Verschnitt, der gereifte Erotikstar („Blond Ambition“), die vom jüdischen Mystizismus erfasste Gut-Mutter, die Latex-Lady ihres Albums „Hard Candy“ – und natürlich das „Material Girl“, ein ungeliebter Spitzname, der ihr seit dem gleichnamigen Hit von 1985 geblieben ist.Welche Metamorphosen hat diese Frau nicht schon hinter sich. Als ihr erstes Album erschien, hätte niemand gedacht, dass das „piepsstimmige Popmäuschen“ eines Tages die unangefochtene „Queen of Pop“ werden könnte. Seither hat sie sich mit gnadenloser Selbstdisziplin immer wieder neu erfunden: Sie war die laszive Braut in ihrem ersten Hit „Like a Virgin“, die Punk-Lolita, der Marylin-Monroe-Verschnitt, der gereifte Erotikstar („Blond Ambition“), die vom jüdischen Mystizismus erfasste Gut-Mutter, die Latex-Lady ihres Albums „Hard Candy“ – und natürlich das „Material Girl“, ein ungeliebter Spitzname, der ihr seit dem gleichnamigen Hit von 1985 geblieben ist.Madonna Louise Ciccone wurde am 16. August 1958 in Bay City in Michigan geboren. Die US-amerikanische Künstlerin ist die Tochter eines Sohnes italienischer Einwanderer und Automechanikers sowie einer frankokanadischen Röntgenassistentin. Sie hat sieben Geschwister und Halbgeschwister und musste hart um die Anerkennung des Vaters kämpfen. Mit der Stiefmutter kam sie nicht zurecht. „Schon als ich ein kleines Kind war, wollte ich, dass die ganze Welt mich kennt, mich liebt und von mir geprägt wird“, meinte sie einmal. Mit 20 verließ Madonna das heimatliche Michigan und kam mit 35 Dollar in New York an, wo sie zunächst Tänzerin werden wollte. Doch schon ihre ersten selbst komponierten Singles „Everybody“ und „Burnin‘ Up“ (1982) wurden Disco-Hits und legten den Grundstein für eine beispielhafte Karriere. Nur ihre Ausflüge ins Filmgeschäft waren, mit Ausnahme des Kino-Musicals „Evita“ (1996), eher ein Flop.

 „Skandalöse“ Erfolge und ein bewegtes Privatleben

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1985 heiratete Madonna den Schauspieler Sean Penn. Nach der Scheidung 1989 hatte sie einige Affären, unter anderem mit dem um 20 Jahre älteren Hollywood-Star Warren Beatty. Mit 38 bekam sie von ihrem damaligen Fitnesstrainer Carlos Leon ihr erstes Kind – Tochter Lourdes. 2000 heiratete sie schließlich den britischen Regisseur Guy Ritchie, im selben Jahr kam der gemeinsame Sohn Rocco zur Welt. Das Paar trennte sich 2008. Unter umstrittenen Umständen adoptierte Madonna vier Kinder aus Malawi: David, Merzy James und die Zwillinge Estere und Stella. Prägend für Madonnas Liedtexte sollen vor allem der frühe Tod ihrer Mutter mit 30 Jahren – Madonna war damals fünf — und ihr eigener katholischer Hintergrund gewesen sein. Madonna, die einen IQ von 140 hat und verschiedene katholische Schulen besuchte, hat bis heute ein gespaltenes Verhältnis zur Kirche. Immer wieder geriet sie wegen Gotteslästerung ins Visier von Staat und Kirche, wurde jedoch nie mit einem Auftrittsverbot belegt. So hat Madonna 1989 im Video zu „Like A Prayer“ vor brennenden Kerzen getanzt und eine zum Leben erwachte Statue geküsst. Der Vatikan rief im folgenden Jahr dazu auf, ihr Konzert in Rom nicht zu besuchen. Schuld war die Performance zu „Like a Virgin“, bei der die Sängerin eine Masturbation simulierte. Mit der Behandlung von Sexualität in Liedtexten, dem Zeigen von androgynen Menschen, Transsexuellen und Dragqueens in Musikvideos, genauso wie offen gelebter Sexualität sorgte Madonna aber nicht nur für Skandale. Von manchen wurde sie in den Neunzigerjahren als Avantgardistin gefeiert. Madonna, eine Künstlerin, die für ein neues Frauenbild mit Kontrolle über ihr Leben, ihre Sexualität und letztlich über ihr kreatives Schaffen steht. Zu Kontroversen in den Medien und Diskussionen führten auch ihr Engagement gegen den Irakkrieg und die Rede nach der Amtseinführung des US-Präsidenten Donald Trump, in der sie Sexismus anprangerte und Stellung gegen die neue Regierung bezog. Zuletzt machte Madonna laut Medienberichten mit der Benutzung von gleich 15 Parkplätzen in Lissabon auf sich aufmerksam. Nachdem Bewohner verärgert reagierten, legten Mitarbeiter der Stadtverwaltung den Vertrag mit der Sängerin offen. Für lediglich 720 Euro im Monat waren der Künstlerin die Parkplätze zur Verfügung gestellt worden. Die auch als Songschreiberin, Kinderbuchautorin („Die englischen Rosen“, 2003), Regisseurin, Produzentin (Dokumentarfilm „I Am Because We Are“ über Malawi, 2008) und Designerin Tätige zog vor einem Jahr in die portugiesische Hauptstadt. Der Grund dafür ist ihr Adoptivsohn David, der es in die Jugendauswahl des Benfica-Fußballclubs schaffte.

Ruhestand oder neue Herausforderungen?

Was ihre künstlerische Karriere betrifft, ist es derzeit ruhig um die Pop-Ikone geworden, deren Musik Einflüsse von Funk, Disco, Dance, später auch Hip Hop und Co aufweist. Ihr letztes Album „Rebel Heart“ ist vor drei Jahren veröffentlicht worden. Statt Musik zu machen, gibt sie auf Instagram Einblicke in ihren Alltag und treibt die Werbung ihrer Hautpflegelinie MDNA Skin voran. Selbst wenn diese kein Kassenschlager werden sollte, braucht sich die bekennende Kabbala-Anhängerin um ihre finanzielle Zukunft keine Sorgen zu machen. Sie liegt hinter Elvis Presley, den Beatles und Michael Jackson mit rund 300 Millionen verkauften Platten und CDs auf Platz vier der bestverkauften Musikschaffenden aller Zeiten. Madonnas Vermögen wird auf eine Milliarde US-Dollar geschätzt. Da lässt sich der nächste Aufreger in Ruhe planen — und der kommt bestimmt.

kw