Die Reise einer Heldin

Weihnachtsmärchen im Schauspielhaus: Andersens „Die Schneekönigin“

V.l.: Stella Wiemann, Lorraine Töpfer, Lukas Franke, Sophie Kirsch
V.l.: Stella Wiemann, Lorraine Töpfer, Lukas Franke, Sophie Kirsch © Petra Moser

Als bunt bebilderte Reise einer Heldin feierte Hans Christian Andersens „Die Schneekönigin“ am Sonntag im Schauspielhaus Premiere.

Regisseurin Nele Neitzke und Dramaturgin Jennifer Maria Bischoff hinterfragen das 170 Jahre alte Roadmovie um Kälte, Einsamkeit und Sehnsucht nach Zuneigung.

Musik aus dem Schmusetierregal

Im realistischen Kinderzimmer soll Gerda auf ihren kleinen Bruder Kay aufpassen, während die Eltern ausgehen. Derweil aber zerbricht der Zauberspiegel des Teufels und ein Splitter trifft Kay mitten ins Herz. Das Kind gefriert auf der Stelle zu einem bösen Eisklumpen. Kay sieht nur noch Schlechtes, zerstört die letzten Rosen. Da schwebt weiß glitzernd, schöner als jede Prinzessin, die Schneekönigin vom Himmel. Kay folgt ihr in ihr kaltes Reich. Mutig begibt Gerda sich auf die Suche nach dem Bruder.

Nebojsa Kruljanovic begleitet die Reise mit Klavier und Akkordeon. Sein instrumental-musikalisches Reich steckt in einer Schublade des Schmusetierregals. Ohne viel Zutun entstehen aus Schränken und Bett Schloss oder Räuberwald (Bühne und Kostüme: Richard Stockinger). Wie der EAV Mä-Mä-Märchenprinz wirklich ausschaut und dass er von einer zickigen, aber überaus klugen Königstochter geheiratet werden will, klärt die Schlossgartenszene. Die Blumenfee raubt Gerda die Erinnerung, um sie für immer festzuhalten und — klar — die Räuberin will rauben, ihre Tochter droht mit dem Messer. Wirklich helfen kann das Rentier Bäh, auch wenn es erst seine Angst überwinden muss. Kommentierend wichtig begleitet Sophie Kirsch als auf großem Fuß lebender Troll und Agent der Schneekönigin. Unter einer leuchtenden Kuppel glitzert schließlich der Palast der Schneekönigin.

Die Wiederbegegnung der Geschwister passiert recht unspektakulär, wie insgesamt Lorraine Töpfer als Gerda unerschütterlich bodenständig ihren Weg macht. Neben der kleinen Rolle Kay kann sich Lukas Franke als kaprizierte Rose in Szene setzen. Nikolaj Maximilian Klinger besetzt mit Krähe und Matrose die liebenswert Komischen. Als Rentier Bäh gewinnt er nicht nur das Herz der Schneekönigin. Stella Wiemann glänzt neben der Titelrolle auch als elegante Mutter und Räubermädchen.

Vielseitiges Ensemble und viele schöne Bilder

Im Dauertrubel gibt es gelegentlich Längen, etwa bei den Räubern oder der Begegnung von Lappin und Finnin.

Und im Kampf gegen großes Pathos erfriert der Kern der Geschichte, wie die Kraft der Liebe Kälte und Einsamkeit besiegt. Die Inszenierung belässt es bei einer angedeuteten Lovestory zwischen dem Rentier Bäh und der Schneekönigin, die schließlich nur noch Susanne sein mag. Applaus für das vielseitige Ensemble der Bruckneruni und viele schöne Bilder.

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