Die „Sophia Loren vom Gemeindebau“ wird 80

Die am 13. Mai 1941 in Wien geborene Schauspielerin feierte in ihrer Heimat, in Hollywood, Italien und Deutschland Erfolge

In ihrer Karriere bekam Senta Berger u.a. den Lebenswerk-Preis der Diagonale (2011), zahlreiche Bambis, Grimme-Preise und Deutsche Fernsehpreise sowie die Platin-„Romy“ für ihr Lebenswerk.
In ihrer Karriere bekam Senta Berger u.a. den Lebenswerk-Preis der Diagonale (2011), zahlreiche Bambis, Grimme-Preise und Deutsche Fernsehpreise sowie die Platin-„Romy“ für ihr Lebenswerk. © APA/Hörhager

Wenn Produzenten im deutschsprachigen Fernsehen die Rolle einer schönen, reifen, intelligenten Frau, augenscheinlich unberührt und ungerührt von etwaigen Altersauswirkungen, besetzen müssen, greifen sie meist zu einer Nummer: der von Senta Berger.

Eine authentische Charaktergestaltung gepaart mit Selbstironie und einer Aura der Grande Dame sind schließlich die Markenzeichen der gebürtigen Wienerin, die am 13. Mai 80. Geburtstag feiert.

Schon früh entdeckte die 1941 geborene und im Wiener Stadtteil Lainz aufgewachsene Tochter des Wienerlied-Komponisten und Beamten Josef Berger ihr schauspielerisches Talent.

Nach dem Ballettunterricht an der Akademie für Musik und darstellende Kunst wurde die „Sophia Loren vom Gemeindebau“ bereits mit 16 Jahren am renommierten Max-Reinhardt-Seminar aufgenommen. Für ihre ersten, nicht genehmigten Dreharbeiten musste sie die Ausbildung vorzeitig abbrechen, was ihrer Karriere jedoch keineswegs schadete. Ganz im Gegenteil: Prompt wurde Senta Berger für drei Jahre an das Theater in der Josefstadt engagiert.

Achtzehnjährig ging sie allerdings dann schon nach Berlin, wo Berger auch ihren heutigen Ehemann Michael Verhoeven kennenlernte. Der Durchbruch beim Film gelang ihr dann 1961 in der Verfilmung von Johannes Mario Simmels „Es muss nicht immer Kaviar sein“ an der Seite von O.W. Fischer, der die Jungschauspielerin damals auf das Ärgste bedrängte, wie sie später publik machte.

Sie drehte mit Frank Sinatra, John Wayne und Yul Brynner

Bald zog es die junge Schauspielerin nach Hollywood. Hier drehte sie mit Stars wie Charlton Heston, Frank Sinatra, John Wayne oder Yul Brynner. Und doch war auch diese Episode in der langen Karriere Senta Bergers nicht von allzu langer Dauer. Gegen Ende der 1960er Jahre, mit dem Aufkommen des New Hollywood Cinema, folgte alsbald die Rückkehr nach Europa.

Hier knüpfte die bildhübsche Aktrice mit Talent zur Rollengestaltung und einer Staraura in Deutschland, vornehmlich aber im wichtigen Filmmarkt Italien über Jahre an ihre US-Erfolge an. In diesen Jahren arbeitete sie mit den aufstrebenden Künstlern des neuen Kinos wie Sam Peckinpah, Wim Wenders, Volker Schlöndorff und nicht zuletzt mit dem Arzt und Regisseur Michael Verhoeven, den sie 1966 heiratete.

Dabei ist Berger seit dieser Zeit nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera aktiv. So hatte sie 1965 etwa gemeinsam mit Verhoeven die „Sentana-Filmproduktion“ gegründet, auf deren Erfolgsliste sich Produktionen wie „Die weiße Rose“ oder „Das schreckliche Mädchen“ finden. Zwei weitere gemeinsame Erfolgsprodukte des Paares Berger/Verhoeven: Die beiden Söhne Simon (geboren 1972) und Luca (geboren 1979), wobei Simon heute als Regisseur arbeitet und mit seinem Vater die Geschäfte der Sentana führt, während Luca selbst als Schauspieler aktiv ist.

Senta Berger stand in ihrer glanzvollen Karriere jedenfalls in mehr als 100 Filmen vor der Kamera, wobei das Kino in den vergangenen Jahrzehnten deutlich in den Hintergrund trat. Und doch erscheint Berger immer wieder auch auf der großen Leinwand, so etwa 2016 in der Erfolgskomödie ihres Sohnes Simon, „Willkommen bei den Hartmanns“.

Mit Schell und Jürgens im „Jedermann“

Am Wiener Burgtheater war Berger unter anderem mit Klaus Maria Brandauer in Molieres „Tartuffe“ (1979) zu sehen oder am Schiller-Theater in Berlin in Schnitzlers „Reigen“. Und zwischen 1974 und 1982 berührte sie an der Seite von Curd Jürgens und Maximilian Schell als Buhlschaft im „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen.

Und dann gab es einen heute fast vergessenen Seitensprung von der Karrierebahn im Leben von Senta Berger: Den Ausflug ins Schlagerfach mit Singles wie „Für Romantik keine Zeit“ und „Single Girl“. Mit „Unter Verdacht“ oder als Mona in der legendären „Kir Royal“-Serie erreichte sie im Fernsehen ein breites Publikum, teils auch abseits der eleganten Dame, wie als Taxifahrerin in „Die schnelle Gerdi“.

ORF mit Senta Berger-Schwerpunkt

Der ORF feiert mit Senta Berger: Am ihrem Geburtstag ist in ORF 1 „Willkommen bei den Hartmanns“ zu sehen. Der ORF-„Kulturmontag“ legt dann am 17. Mai um 23.15 Uhr mit dem neuen Porträt „Fliegen Lernen — Senta Berger“ nach, das unter anderen die beiden Söhne des Stars versammelt.

ORF III indes hat bis 16. Mai gleich eine ganze Berger-Woche zwischen 10. und 16. Mai angesetzt. In diesem Zeitraum sind sechs Folgen der ersten „Die schnelle Gerdi“-Staffel zu sehen und Filme wie „Trennungsfieber“ (12 Mai, 22.30 Uhr) oder der Xaver-Schwarzenberger-Zweiteiler „Die Nacht der Nächte“ (14. Mai, 16.20 Uhr) und „Bella Ciao“ (14. Mai, 17.50 Uhr).

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