Die Sorgen über eine außer Rand und Band geratene Schöpfung

Festival Ars Electronica bleibt auch 2021 hybrid — vor Ort in Linz, virtuell überall — und versucht, die digitale Welt wieder in den Griff zu bekommen

Bekommen wir sie noch in den Griff, die digitale Welt, die unseren Köpfen entsprungen ist? Die Sorgen der Schöpfer enden nie ...
Bekommen wir sie noch in den Griff, die digitale Welt, die unseren Köpfen entsprungen ist? Die Sorgen der Schöpfer enden nie ... © Ars Electronica/R. Bauernhansl

Wonach ist Ihnen? Nach den süßen Geräuschen, die ein Babykätzchen beim Schlafen macht? Nach einer Anleitung zum Schminken des perfekten Schmollmundes? Nach dem ultimativen Rezept für Zimtschnecken?

Nach dem Protokoll eines Profi-Lippenleseres von Prinz Philips Begräbnis? Nach einer Liste mit den Namen jener Menschen, die am 6. Jänner 2021 das Kapitol in Washington gestürmt haben? Nach der Anleitung zum 3D-Druck einer scharfen Waffe? Nach den privaten Adressen von Politikern?

Ein, zwei, vielleicht drei, vier Klicks sind die meisten Menschen von diesen Informationen entfernt und damit von Macht und Verantwortung. Was ist aus unserer Welt geworden, seit sie — auch — in digitaler Form stattfindet? Und finden wir uns noch in ihr zurecht?

„Ein Festival, das heuer auf jeden Fall stattfindet“

Gerfried Stocker und sein Team haben es sich für das Festival Ars Electronica 2021 zur Aufgabe gemacht, dieses riesige Feld unter dem Titel „A New Digital Deal“ abzustecken. Die unvermeidbare Frage in Zeiten wie diesen beantwortet der künstlerische Geschäftsführer: „Es ist ein Festival, das heuer auf jeden Fall stattfinden wird.“

Und das bedeutet für die Ars, wie bereis im vergangenen Jahr, in physischer Form — Hauptaustragungsort bleibt der Campus der Johannes Kepler Universität (JKU) Linz — als auch in virtueller und damit auf der ganzen Welt. Mit „Ausstellungen, Konzerten, Talks, Konferenzen, Workshops und Führungen in Linz und 100 weiteren Locations rund um den Globus“, lässt das Festival-Team wissen.

„Die Ars Electronica kann zu einem Role Model für hybride Festivals des 21. Jahrhunderts werden“, betont Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer und ergänzt: „Das wird nicht nur ein Festival der Zukunft, das wird auch ein Festival der Hoffnung.“

Lebensraum für Milliarden von Menschen

Die Digitalisierung sei mit keiner anderen technischen Entwicklung der Menschheit vergleichbar, sagt Stocker: „Inzwischen ist das Netz zu einem Lebensraum von fast fünf Milliarden Menschen geworden.“ Der soziale Aspekt? Riesig.

„Es liegt an uns allen, einen neuen ,Digital Deal´ auf den Weg zu bringen und dafür zu sorgen, dass so viele Menschen wie möglich zu Nutznießern der Digitalisierung werden“, sagt Klaus Luger, Bürgermeister von Linz, „Hauptfinanzier der Ars seit 41 Jahren“, wie Stocker betont.

Die Pandemie habe vielen gezeigt, so Stocker, dass in der digitalen Welt einiges in den Griff zu bekommen sei. Und die Gefahr des Übergangs von „gut gemeint“ zu verheerenden Auswüchsen sei gerade hier groß. Und wem gehört diese digitale Schöpfung eigentlich, die immer mehr zum politischen Schlachtfeld voll Hetze, Fake und Attacken wird?

Die Fragen, die das Festival vom 8. bis zum 12. September umtreiben werden, sind viele. Die Versuche einer Beantwortung werden an der Kepler Uni auch ganz konkret passieren, verspricht Rektor Meinhard Lukas. „Die heurigen Interaktionen an der JKU sind klar im Kontext der neuen Digitalen Universität, die in Linz entstehen wird, zu sehen.“

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