Die Staatsoper ist 150

Die Wiener Staatsoper feiert ihren 150. Geburtstag — mit allem, was sie hat. „Es gibt keine andere Stadt, der ihre Oper so wichtig ist, wie Wien“, sagt Direktor Dominique Meyer.

Die Außenansicht der Wiener Staatsoper bei Nacht.
Die Außenansicht der Wiener Staatsoper bei Nacht. © APA/Hochmuth

Am 25. Mai 1869 wurde das Haus am Ring in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth mit Wolfgang Amadeus Mozarts „Don Giovanni“ feierlich eröffnet. Es wurde auf Deutsch gesungen. Ein Ereignis, das nicht nur die Wiener Öffentlichkeit mit Spannung verfolgte, sondern das auch außerhalb der Grenzen des Habsburgerreichs große Beachtung fand.

Das Interesse an der Staatsoper ist ungebrochen. Auch nach neun Jahren sei er als „Fremder“ immer noch beeindruckt, welchen Stellenwert die Oper hierzulande „in allen Schichten der Gesellschaft“ genieße, betonte Direktor Dominique Meyer im Vorfeld des 150. Geburtstages. Das Festprogramm erstreckt sich über das gesamte Wochenende. Am heutigen Samstag beginnt um 10 Uhr im Großen Haus die Geburtstagsmatinee unter der musikalischen Leitung von Frédéric Chaslin. Clemens Hellsberg hält eine Festrede.

Um 17.30 Uhr steht die Festpremiere der Oper „Die Frau ohne Schatten“ (Dirigent: Christian Thielemann, Regie: Vincent Huguet) auf dem Plan. Am Sonntag beginnt um 20.30 Uhr auf dem Herbert-von-Karajan-Platz ein Fest für alle. An beiden Tagen gibt es Übertragungen in die Bundesländer (in Linz im Donaupark vor dem Brucknerhaus) und auch international. Außerdem ist in der Staatsoper bis Oktober 2019 die Ausstellung „150 Jahre Opernhaus am Ring“ und bis 13. Jänner 2020 im Theatermuseum Wien „Die Spitze tanzt. 150 Jahre Ballett an der Wiener Staatsoper“ zu sehen. Auch der ORF bietet ein umfangreiches Programm.

Das Opernhaus am Ring, ein Gebäude der Architekten August von Sicardsburg und Eduard van der Nüll, löste einst das beengte Kärntnertortheater ab. Als der Monumentalbau eröffnet wurde, lagen Jahre der Kritik an der Gestalt hinter dem Bau. Die Wiener lernten, ihr Opernhaus erst zu lieben.

Der alte Direktor war zunächst gleichzeitig der neue, bereits 1870 wechselte Franz von Dingelstedt allerdings ans Burgtheater. Einen ersten künstlerischen Höhenflug erlebte die Wiener Oper unter der Direktion von Gustav Mahler von 1897 bis 1907. Er forderte eine neue Art des Theatermachens ein.

Ab 1919 leitete mit Richard Strauss als Ko-Direktor von Franz Schalk ein weiterer wichtiger Komponist das Haus — und sorgte in dieser Zeit etwa für die Uraufführung seiner „Frau ohne Schatten“, die nun zum 150er, genau 100 Jahre danach, wieder Premiere feiert. Damals bereits bezeichnend für den Ruf des Hauses, dass es sich bei dem Orchester der Staatsoper um niemand Geringeren als die Wiener Philharmoniker handelt.

Mörderische Folgen

Unmittelbar nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten bekam die Oper deren mörderische Auswirkungen zu spüren: Zahllose Künstler und Mitarbeiter jüdischer Herkunft wurden vertrieben und ermordet, an ihre Stelle traten Nazis und Mitläufer, neben der menschlichen Tragödie war nach kürzester Zeit die künstlerische Qualität zunichte gemacht. Am 12. März 1945 wurde das Haus am Ring bei Kriegshandlungen zerstört und in Folge wieder aufgebaut. Die Wiedereröffnung am 5. November 1955 mit „Fidelio“ unter Karl Böhm „war auch die Wahrnehmung eines freien, souveränen, wieder erstandenen Österreich“, fasste Langzeitdirektor Ioan Holender anlässlich der 50-Jahr-Feiern der Wiederöffnung 2005 zusammen.

In der Nachkriegszeit prägte insbesondere Herbert von Karajan die Oper: Sein Bekenntnis zu internationaler Spitzenqualität sorgte dafür, dass zahlreiche Gastdirigenten sowie die großen Opernstars nach Wien kamen. In den folgenden Jahren — unter Heinrich Reif-Gintl oder Egon Seefehlner — konsolidierte sich das Haus mit einem breiten Repertoirebetrieb, der auch heute mit rund 50 Opern und 15 Ballettwerken in jeder Spielzeit weltweit ein Alleinstellungsmerkmal ist. Zu den Stärken des Hauses zählen bis heute Mozart, Wagner und Strauss sowie das italienische Repertoire. Zum Aufbau eines hervorragenden Ensembles trug nicht zuletzt die Ära Holenders (1992 bis 2010) bei, der das Repertoire systematisch erweiterte und zahlreiche Aus- und Zubauten veranlasste. Ab 2010 führte Meyer die Wiener Staatsoper.

Unter seiner Ägide wurde erstmals wieder Barockoper mit Gastorchestern gespielt, gekennzeichnet war seine Direktion auch von großem wirtschaftlichem Erfolg. Die 1709 Sitz- und 567 Stehplätze verzeichnen Jahr um Jahr eine Rekordauslastung (in der laufenden Saison 99,21 Prozent), auch die Einnahmen wurden in der jüngsten Saison erneut auf 35,5 Millionen Euro in Rekordhöhen gesteigert. 608.952 Gäste verzeichnete das Haus, das auch für seinen Opernball bekannt ist.

Eine mit Spannung erwartete Wende steht dem Haus mit der Saison 2020/21 bevor, dann wird der bisher als Plattenboss aktive, in Linz aufgewachsene Bogdan Roscic das Haus als Direktor übernehmen. Meyer gilt als einer der möglichen Kandidaten im Rennen um die Intendanz an der Mailänder Scala.

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