Die Unendlichkeit des Sterbens

    Musiktheater Linz zeigt in Zusammenarbeit mit Nizza und Bonn Benjamin Brittens letzte Oper „Death in Venince“ nach Manns Novelle

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    Hans Schöpflin und Martin Achrainer in Schneiders Inszenierung von „Death in Venice“
    Hans Schöpflin und Martin Achrainer in Schneiders Inszenierung von „Death in Venice“ © Sakher Almonem

    „Es ist eine erlebbare, sehr farbige, echte Musiksprache, die die Hörer mitnimmt.“ Roland Böer spricht von Bejamin Brittens Oper „Death in Venice“ nach Thomas Manns Novelle „Der Tod in Venedig“. Es sollte Brittens letzte Oper werden, diese Geschichte um das Ende eines Lebens. 1973 wurde sie uraufgeführt, 1976 starb Britten.

    Die Verdichtung seines kompositorischen Könnens

    „Es ist die Verdichtung all seines kompositorischen Könnens“, sagt Böer, der die musikalische Leitung der nächsten großen Opernpremiere am Linzer Musiktheater innehat. Regie führt mit Hermann Schneider der Intendant des Hauses. Die Produktion, die am Samstag in Linz Premiere feiert, ist eine Koproduktion mit dem Opernhaus in Nizza und dem Theater Bonn. In Frankreich war „Death in Venice“ vor knapp zwei Jahren zu sehen, in Bonn steht sie 2020 auf dem Programm.

    Das Schicksal des alternden Dichters Gustav von Aschenbach, der sein Leben nach der Begegnung mit einem Reisenden hinter sich lässt, nach Venedig fährt und dort mit dem schönen Knaben Tadzio konfrontiert wird, gehört zu den Höhepunkten der deutschen Literatur, wurde von Luchino Visconti verfilmt und lässt bis heute über den autobiografischen Anteil an dem Werk rätseln.

    Der Raum löst sich auf, wird zum Sehnsuchtsort

    „Mir geht es um die individuelle Erfahrung, den Sterbeprozess“, betont Schneider. Die Frage nach der Identität, der sich die Hauptfigur stellt, sei ein ganz existenzielles Thema.

    Die Bühne von Bernd Franke zeigt die Bibliothek von Aschenbachs und — um den autobiografischen Aspekt des Stückes zu bedienen — dabei auch Teile jener von Thomas Mann selbst. „Wir haben seinen Originalschreibtisch nachgebaut“, sagt Schneider. Nach und nach löst sich der Raum auf, wird zur surrealen Collage, zum Sehnsuchtsort. „Das Sterben Aschenbachs wird in die Unendlichkeit ausgedehnt“, erklärt Schneider.

    Die Hauptrolle singt wie schon in Nizza Tenor Hans Schöpflin, neu bei der Inszenierung ist Martin Achrainer. Er übernimmt die entscheidende Rolle des Reisenden, der bei von Aschenbach Leidenschaften für ein neues Leben entfacht. Er taucht auch etwa als Gondoliere, als Hotelmanager und Fremdenführer in Venedig auf.

    Neben den über 40 Solorollen, die großteils aus dem Chor kommen, setzen mehrere Tänzer (Choreografie: Ivan Alboresi) die Britten-Oper um.

    mmo

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    Weitere Vorstellungen: 22. und 25. Mai; 1., 7. und 19. Juni; 2. und 6. Juli;

    Karten Tel.: 0800/218000