Die Verführbarkeit des Menschen

Theaterspectacel Wilhering: Mitterers „In der Wolfsgrube“ zum Jubiläum

Sven Kaschte als Arthur Kirsch
Sven Kaschte als Arthur Kirsch © Michaela Krauss-Bonea

Das Wilheringer Theaterspectacel zählt zu den Pionieren des oö. Sommertheaters. „Als wir vor 25 Jahren begonnen haben, gab’s außer uns nur die Tillysburg“, erinnert sich Intendant und Regisseur Joachim Rathke bei der Präsentation des diesjährigen Stückes. Zum Jubiläum stehe mit Felix Mitterers „In der Löwengrube“ ein ernstes Stück, das auch mit Witz aufwarte, auf dem Programm. Premiere ist am 10. Juli.

6100 Zuschauer verzeichnete das Wilheringer Theaterspectacel 2018 in 23 Vorstellungen von „Signore Volpone und seine Erbschleicher“ und „Indien“. Dass im Gegensatz zu den letzten drei Jahren heuer nur ein Stück auf die Bühne gebracht werde, erklärt Rathke mit den gekürzten Subventionen.

Das Stück beruht auf einer wahren Geschichte

Mitterers Stück beruht auf einer wahren Geschichte: Weil er jüdischer Abstammung war, wurde der Schauspieler Leo Reuss von den Nationalsozialisten mit einem Arbeitsverbot belegt. Er verließ Wien und nahm die Identität eines Tiroler Bergbauern an. In dieser Tarnung kehrte er schließlich zurück und bewarb sich im Theater an der Josefstadt. Mit Erfolg. Reuss feierte alsbald riesige Erfolge. Im Gegensatz zur wahren Geschichte, in der sich der Schauspieler schließlich outet und nach Amerika flieht, verzichtet Mitterers Figur darauf, ihre Identität preiszugeben.

Das Stück sei eines über die Verführbarkeit des Menschen. „Als wir uns dafür entschieden haben, war uns nicht bewusst, wie aktuell es ist“, sagt Rathke in Anspielung auf die Ibiza-Affäre. „In der Löwengrube“ habe Parabelcharakter, die Figur des Juden sei heute durch viele Personengruppen ersetzbar. Was er an Mitterer schätze, sei, dass dieser nie die Menschen verurteile, sondern stets das System attackiere.

Das Wilheringer Ensemble findet sich wieder aus allen „Himmelsrichtungen“ zusammen: Die Hauptrolle übernimmt der in Wien tätige Schauspieler Sven Kaschte, Andreas Pühringer kennt man noch aus dem Theater Phoenix, Nora Dirisamer und Matthias Hack aus dem Landestheater, Rudi Müllehner von der Tribüne Linz.

Die Scheune des Stiftes Wilherin als Aufführungsort ermögliche es, nahe am Publikum zu sein. Für das Stück wird die Bühne in die Mitte versetzt, ein Teil der Zuseher sitzt quasi im Theater von damals, der Rest auf der anderen Seite. Die Musik stammt von Georg Wilbertz, dessen Schlagwerk das Nazireich symbolisiere, eine Akkordeonistin bringe Schlager aus der Zeit, so Rathke, die von Verniedlichung und Verdrängung erzählen.

Der Kartenverkauf sei bereits gut angelaufen, Rathke freut sich auch auf die Anwesenheit von Felix Mitterer bei der Premiere.

Karten: Tel. 0699/10976739

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