Die Wärmflasche ist zum Kuscheln da

    Stiftsscheune Wilhering: „Es war die Lerche – Romeo und Julia 2“ von Ephraim Kishon

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    In „freudiger“ Erwartung: Julia (Julia Ribbeck) und Romeo (Martin Dreiling)
    In „freudiger“ Erwartung: Julia (Julia Ribbeck) und Romeo (Martin Dreiling) ©

    Von Eva Hammer

    Höchst erfolgreich abgespielt ist in der Wilheringer Theaterscheune vom Theaterspectacel der Klassiker „Romeo und Julia“. In Zeiten der Fortsetzungen steht aktuell auch in Wilhering Teil 2 des Dramas auf dem Programm. Premiere war am Freitag.

    Der fatale Trank war unwirksam

    Ephraim Kishon, bekannt durch seine Geschichten über die „beste Ehefrau von allen“, erkannte schon 1974 das Potenzial. Sein Teil 2 „Es war die Lerche“ setzt 15 Jahre nach dem Liebestod an. Der fatale Trank war unwirksam. Die einst weltbewegende Liebe droht an den Klippen des Alltags und der Gewohnheit zu zerschellen. Julia quillt aus ihrem einst prächtigen Kleid, Romeo hat eine Wampe angesetzt. Tag für Tag spielt das in die Jahre gekommene Ehepaar im schäbigen Theater, das zugleich ihre Wohnung ist, die eigene Geschichte. Romeo kuschelt nur mehr mit seiner Wärmflasche, Julia braucht immer wieder einen Schluck aus ihren versteckten Sektflaschen. Ob es nun die Lerche oder die Nachtigall war, die den Tag verkündete, gibt mittlerweile Anlass zum ausufernden Streit. Sie haben sich nichts mehr zu sagen, das aber lautstark.

    Der pubertierenden Tochter Lucretia graust vor ihren Eltern. Eine Katastrophe für den Schöpfer des ursprünglichen Dramas. Höchstselbst entsteigt William Shakespeare dem Grabe, um sein Werk ein zweites Mal zu vollenden. Sein Plan, die Quälgeister diesmal endgültig zu vergiften, gerät zunächst aus den Fugen, als der alte Willi sich ausgerechnet in die minderjährige Lucretia verliebt. „Vergiss nicht, dass der Kerl deine Mutter und mich beinahe umgebracht hat“, verbieten es die Eltern.

    Joachim Rathke als Shakespeare gewinnt mit pathetisch vorgetragenen Fragmenten des Originaltextes die Lacher und das Herz der punkigen Lucretia alias Julia Frisch. Julia Ribbeck als Julia gibt sich allen Klischees einer frustrierten Ehefrau hin. In der Doppelrolle als Amme steigt sie willig und altersgeil auf Romeos verwerflichen Plan ein, um an das Erbe der reichen Capulets zu gelangen. Martin Dreilings Romeo ist ein wehleidiger Waschlappen, chancenlos gegen seine Frau ab dem ersten Wort. Als zerstreuter Pater Lorenzo wechselt auch er die Rolle. Ki- shons Bild einer zähen Ehe strapaziert jede Menge zum Teil überholter Gemeinplätze. Der dauerhafte Erfolg des Stücks liegt im Wechselspiel aus Shakespeare Zitaten — Ribbeck wird etwa auch zur Macbeth-Hexe beim zweiten vergeblichen Giftmord — und pointierten Dialogen. Das Wilheringer Ensemble beherrscht den Kontrast vortrefflich. Das Publikum zeigte sich begeistert.