Die Welt retten, einfach so

Jonas Jonassons „Hundertjähriger“ kehrt zurück und stiftet Unruhe

J. Jonasson: Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten. Bertelsmann, 350 S., € 20,60
J. Jonasson: Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten. Bertelsmann, 350 S., € 20,60 © Bertelsmann

Von Christian Pichler

Nach gut vierhundert Seiten hat Allan Karlsson tiefe Spuren hinterlassen. Unruhe auf vier Kontinenten gestiftet, vielleicht ein bisschen den Weltfrieden gerettet und Erde gecheckt für Spargelzucht im kenianischen Hochland. Das alles, während Allan hauptsächlich an seinem liebsten Spielzeug, einem schwarzen Tablet, herumsurfte. Das Tablet hatte ihm Harry Belafonte geschenkt, der freundliche junge Mann, der auf Bali zum 101. Geburtstag des Allan sang. Auf Bali hatte der internationale Bestseller „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ geendet.

In überschäumender Fantasie zu Papier gebracht

Dass Autor Jonas Jonasson seinen nun nicht mehr hundertjährigen Helden reaktivierte, begründet er im Vorwort zu „Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten“. Im anlaufenden 21. Jahrhundert „das Gefühl, dass die Welt defizitärer war denn je“. Der alte Haudegen Allan sollte nun aussprechen, was Sache sei.

Folgender Dialog soll sich entsponnen haben: „Herr Jonasson, Ihnen ist schon klar, dass das nichts helfen wird, oder?“ — „Ja.“ — „Gut, dann können Sie auf mich zählen.“

Was Jonasson in überschäumender Fantasie zu Papier bringt, hat etwas von einem Comic. Die Welt zu retten, genügt nun einmal keine biedere, gediegene Literatur. Julius Jonsson ist wieder mit von der Partie, Allans Freund (zarte 66 Jahre!), der neuerdings mit Spargel unklarer Herkunft handelt. Allan und Julius werden nach verunglückter Ballonfahrt im Meer von einem nordkoreanischen Schiff aufgelesen. An Bord vier Kilo angereichertes Uran, das die Freunde schließlich dem kleinen Diktator in Pjöngjang abjagen. Ebenso abenteuerlich die Flucht nach New York, wo sich Donald Trump beim Golfspielen als aggressiver Spinner erweist. Zurück in Schweden stößt die erfolglose Sarghändlerin Sabine zur Truppe, en passant zwei gefährliche Neonazis erledigt. Putin und sein alter Kampfsportfreund Gena arbeiten an globalen Unruheherden zur Stärkung Russlands, eine weitere, richtig große Fracht angereichertes Uran ist von Afrika auf dem Weg zu Kim Jong-un. Klingt bescheuert? Sind „Forrest Gump“ und Chaplins „Der große Diktator“ bescheuert? — Eben.

Held mit schwejk’scher Rhetorikbegabung

Dank Allans schweijk´scher Rhetorikbegabung übersteht das Trio auch die heikelsten Momente. Die Welt, bilanziert Allan, nach 100 Jahren insgesamt ein besserer Ort, aber leider verlaufe Geschichte nicht linear. Der sonst so unangreifbar heitere Hunderteinjährige skeptisch: „Soweit Allan das beurteilen konnte, war man gerade mal wieder auf dem Weg nach unten. Es bestand die Gefahr, dass sich diese Entwicklung nicht umkehren würde, bevor genügend Leute lange genug übel miteinander umgesprungen waren. Dann fingen die Menschen plötzlich wieder an zu denken.“