Die wunderschöne Unbekannte …

Das Belvedere präsentiert Klimts „Dame mit Fächer“

Gustav Klimt, Dame mit Fächer, 1917-18
Gustav Klimt, Dame mit Fächer, 1917-18 © Belvedere, Wien/Markus Guschelbauer

Klimt „zieht“ immer, die Museen haben in diesen über-schwierigen Zeiten Lockvögel nötig, und die letzte schöne Dame, die Gustav Klimt in seinem Leben gemalt hat, eignet sich hervorragend dazu, in einer Sonderausstellung präsentiert zu werden.

Auch wenn diese „Dame mit Fächer“, die nach einem abenteuerlichen Schicksal in den USA gelandet ist und nun für ein Jahr vom ungenannt bleibenden Besitzer (kostenfrei!) an das Belvedere ausgeliehen wurde, gewissermaßen das einzige „neue“ Werk der Ausstellung ist. Doch die Zusammenhänge sind einfach zu besonders.

Als Gustav Klimt am 10. Jänner 1918 sein Atelier in der Feldmühlgasse in Hietzing verließ, wusste er nicht, dass er es nie wieder betreten würde. Ein Schlaganfall raffte ihn innerhalb kurzer Zeit (verbunden mit einer Lungenentzündung) hinweg. Fotograf Moritz Nähr, ein enger Freund, kam nach seinem Tod in das Atelier und fotografierte die beiden Bilder, die noch auf den Staffeleien standen.

Das eine, „Die Braut“, befindet sich schon seit langem im Besitz des Belvedere. Die „Dame mit Fächer“ gesellt sich dazu — nun hängen sie an den Museumswänden nebeneinander, wie sie einst im Atelier nebeneinander standen. Vollendet? Weitgehend, wenn auch Kurator Markus Fellinger meint, dass Klimt immer noch den einen oder anderen Pinselstrich hinzugefügt habe.

Wer die „Dame mit Fächer“ ist, weiß man nicht. Es handelt sich jedenfalls nicht um ein Auftragswerk eines reichen Herrn, der seine Frau dargestellt wissen wollte, die unbekannte Schöne war vielleicht eines seiner Modelle, vielleicht auch eine Schauspielerin oder Tänzerin. Große, geheimnisvolle Augen, ein paar vorwitzige Locken, der Fächer und ein asiatisches Gewand, wie Klimt sie bewunderte und sammelte.

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Nach seiner „goldenen“ Periode war er vor allem von den Kulturen Japans und Chinas entzückt, „chinesisch“ wirken Fächer, Haltung der Frau und das (in China „kaiserliche“) Gelb, das Klimt im Hintergrund dominieren lässt. Es ist ein Bild von berückender Schönheit und Leichtigkeit.

„Die Braut“: Gruppenbild mit starker Symbolkraft

Größer und in Form und Inhalt bedrückender ist die rechts davon hängende „Braut“, ein Gruppenbild von starker Symbolkraft, das weniger auf Ästhetik, als auf Aussage abgezielt. Rundum noch andere „Klimts“ aus dem Besitz des Belvederes (wobei das Haus ja seinen üblichen Touristenansturm, den es irgendwann wieder geben wird, Klimts „Kuss“ verdankt, einem der berühmtesten Bilder der Welt).

Ein Jahr lang darf man der „Dame mit Fächer“ hier begegnen, dann kehrt sie wieder in die USA zurück. Man sollte die Gelegenheit nicht versäumen.

Oberes Belvedere: „Dame mit Fächer. Gustav Klimts letzte Werke“, bis 13. Februar 2022

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