Die Wut, das Schwelgen, das Übermaß

Klassik am Dom: Konstantin Wecker mit der Bayerischen Philharmonie

Konstantin Wecker einmal klassisch
Konstantin Wecker einmal klassisch © APA/fotokerschi.at

„Der berühmte Künstler und klassische Sänger Konstantin Wecker“ schreit die Werbung vor dem letzten Konzert der heurigen Klassik-am-Dom-Reihe in Linz.

Wecker klassisch? Die Bayerische Philharmonie mit Dirigent Mark Mast und Wecker-Band um Pianist Jo Barnickel vergrößern Weckers Lieder zu filmreifen Monumenten. Der sensible kräftige Bariton brüllt wie gewohnt Protest oder haucht zarte Lieder zum klassischen Klangkörper, der sich auf Karibisches, oder Orientalisches ebenso gut versteht, wie auf rockige Sessions mit dem Stromgitarren-Berserker Severin Trogbacher.

Die Wut, das Schwelgen, das Übermaß gehört zum Wesen Weckers. Damit packt er sein Publikum, dieser in die Jahre gekommene Pazifist, der naive Idealist, der herrlich Unmoralische, dem genug auch mit 70 noch lang nicht genug ist. Ob es nun eine Show zum Geldverdienen ist, oder eine echte Auflehnung gegen Not und Übel in der Welt — wenn er gegen Konzerne und Diktatoren wettert und vom Traum einer herrschaftsfreien Welt singt, applaudiert ihm wie immer auch die Prominenz aus Wirtschaft, Politik und Geistlichkeit.

Weckers Liedtexte wachsen in Wortgewalt, Melodie und Rhythmik zur Hochblüte vom markerschütternden Tango bis zu einer Romantik, die den Kitsch nicht scheut. Wecker hätte gerne noch mehr geboten, aber nach drei Stunden musste Schluss sein — Vorschrift! Die Besucher fanden’s schade und jubelten stehend dem Unverwüstlichen zu. Eva Hammer

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