Die zweite Hochsaison im Garten

Der heurige Herbst meint es richtig gut mit uns, viele Sonnenstunden und fast noch sommerliche Temperaturen lassen uns den Garten noch einmal ausgiebig genießen. Doch allmählich sollten wir beginnen, unsere grünen Oasen auf den Winter vorzubereiten... In meiner heutigen Gartengeschichte erfahren Sie praxisnahe Tipps, was es jetzt zu tun gilt – denn der Herbst ist die zweite Hochsaison für uns Gärtner.

Im Herbst kann man sich im Garten noch einmal austoben, denn er ist die ideale Jahreszeit, um Neugestaltungen vorzunehmen. Die noch angenehmen Temperaturen geben neu gesetzten Pflanzen noch genügend Zeit um einzuwurzeln. Die ausreichende Feuchtigkeit trägt dazu bei, dass sich Pflanzen, Sträucher und Bäume am neuen Boden und Standort besser eingewöhnen, damit sie bis zum Frühling „angekommen“ sind.

Trends fürs nächste Jahr

Auch um Stauden zu teilen und somit neue Beete anzulegen, ist der Herbst die perfekte Jahreszeit, da sich viele Pflanzen schon zurückziehen (das Laub färbt sich gelb) und sich im Ruhemodus befinden. Sie benötigen nicht soviel Energie. Auch das eine oder andere Schnäppchen kann man nun beim Gärtner machen. Vielleicht jetzt schon den Trend fürs nächste Jahr setzen – mit orangen Pflanzen (z.B. Echinacea, Fackellilie, Montbretien, Wüstenmalve).

Die ideale Zeit für die Herbstpflanzung ist September bis Oktober. Wurzelnackte Rosen sind preiswerter und wachsen in der Regel besser an. Sie können sogar bis zum ersten Schnee gesetzt werden. Größere Bäume und Sträucher können jetzt getrost umgesetzt werden. Auch wenn der Herbst meist sehr feucht ist, sollte man bei Neu- und Umpflanzungen trotzdem gut wässern, damit sie am neuen Ort gut anwachsen. Frostempfindliche Pflanzen sollte man jedoch eher erst im Frühling umsiedeln.

Jetzt ist auch ein guter Zeitpunkt, um die Beete noch mit organischem Dünger zu versorgen. Auf die Staudenbeete und Baumscheiben Hornspäne, Urgesteinsmehl oder Kompost aufbringen. Mit dem Grasschnitt, der gerade jetzt viel Laubanteil enthält, mulchen. So haben Regenwürmer und Mikroorganismen über den Winter Zeit, diese wertvollen Nährstoffe für die Pflanzen verfügbar zu machen – für einen gelungenen Start im Frühjahr. Aber bitte nicht umgraben, das ist ein Relikt aus alten Gartenpraktiken und bringt das Bodengleichgewicht nur unnötig durcheinander.

Kübelpflanzen, immergrüne Gehölze und Rasen mit einem kaliumbetonten Dünger versorgen, das kräftigt die Blätter bzw. Halme und sorgt für die nötige Winterreife. Auf abgeernteten Gemüsebeeten Gründüngung aufbringen, das verbessert die Bodenstruktur und hilft gleichzeitig unseren Nützlingen. Auch könnte man jetzt noch Wintergemüse setzen, so kann man auch im Winter noch wertvolle Vitamine aus dem eigenen Garten ernten.

Hecken, Bäume, Stauden begeben sich in Winterruhe und können jetzt noch geschnitten werden. Bitte nicht das ganze gewonnene Material häckseln – machen Sie z. B. eine Benjeshecke daraus oder lassen Sie einen Holzstoß an einem geschützten Ort liegen – diese bilden wertvolle Rückzugsorte und Winterquartiere für Ihre Helferlein im Garten.

Frühlingsblühende Gehölze sollte man jetzt keinesfalls schneiden, dann würde man gleich die Blüte fürs nächste Jahr wegnehme. Bei Staudenbeeten getrost erst im Frühjahr die Schere ansetzen: Die Samenstände bieten wertvolle Futterquellen und Sie würden sich um eine Augenweide bringen, wenn sich der Raureif drauflegt.

Verzichten Sie auf den Laubsauger, rechen Sie lieber eine Runde Laub, damit schonen sie die vielen kleinen Tierchen, die drin wohnen. Das Laub kann ebenfalls als Mulchschicht in den Beeten dienen oder – auch ganz wichtig – als Überwinterungsmöglichkeit für Igel und Co. Walnuss- und Eichenlaub ist für Rhododendren und Heidelbeeren geeignet – die mögen‘s „sauer“. Beim letzten Rasenschnitt nicht kürzer als ca. 4 cm mähen.

Fruchtmumien & Co.

Sogenannte Fruchtmumien von Obstgehölzen entfernen, damit die Schadstoffe nicht in gesunde Pflanzenteile eindringen können. Auch bei Rosen das Abgeblühte entfernen, sofern sich keine Hagebutten gebildet haben. Pilzbefallenes Laub (z.B. an Pfingst- und Schneerosen, Phlox) mit dem Hausmüll entsorgen.

Gartenteiche winterfest machen, indem man absterbende Pflanzenteile und Laub aus dem Teich entfernt. Ein Tipp: Decken Sie das Gewässer mit Netzen ab, das erspart viel Arbeit, weil sie es so vor fallendem Laub schützen. Die Netze sollten jedoch vor dem ersten Schnee wieder entfernt werden. Vor dem ersten Frost alle Wasserschläuche, Rohre, Brunnen, Pumpen entleeren.

Herbstzeit ist Erntezeit

Die Ernte ist der „Lohn“ fürs Gärtnerjahr. Ernten Sie ihre Erdäpfel, wenn das Laub zusammenfällt. Bei Paradeisern Blüten und teilweise Blätter wegschneiden, damit die bestehenden Früchte noch gut ausreifen – sollten jedoch nicht mehr alle reif werden, finden Sie in meinem ausführlichen Herbstblog wertvolle Tipps, wie diese noch nachreifen –, auch wie man deren Samen fürs nächste Jahr gewinnt. Jetzt ist auch die Erntezeit für Sommerblumensamen. Kaltkeimer können nun noch ausgesät werden.

Jetzt den Frühling fürs nächste Jahr pflanzen: Im Herbst werden auch die Blumenzwiebeln gesetzt, damit ihre Blüten rechtzeitig zum Frühjahr aus dem Boden sprießen. Ausnahme: Allium sollte spätestens bis September gesetzt werden. Wer bis in den Winter farbliche Akzente auf Balkon, Terrasse und Garten setzen möchte, kann Kübel und Kästen herbstlich neu bepflanzen. Dabei gleich an den Frühling denken und im „Lasagnestil“ mehrere Schichten Blumenzwiebeln mit einsetzen.

Wintertauglich

Es gibt noch unzählige kleinere Aufgaben, die vor dem ersten Frost erledigt werden sollten:
Junge Rosen, empfindliche Kräuter anhäufeln und mit Reisig schützen; Topfpflanzen vor dem ersten Frost einräumen (mediterrane schon früher); winterharte Pflanzen im Topf mit Vlies oder Kokosmatte schützen und „aufbocken“, damit der Topf nicht abfriert; Dahlien- und Gladiolenknollen ausgraben und im Keller einlagern; Vogelhäuschen und Nistkästen säubern und langsam mit der Vogelfütterung beginnen; Gräser zusammenbinden…

Und ja nicht vergessen, den Garten noch einmal richtig zu genießen!
Herbstblog: www.theHeartgardener.at

Patrizia Haslinger
Die Herzensgärtnerin®

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