Dieses eine schöne Leben

    René Freunds menschenfreundliche und witzige Erzählung „Ans Meer“

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    René Freund: Ans Meer. Deuticke, 144 S., € 16,50
    René Freund: Ans Meer. Deuticke, 144 S., € 16,50 © Deuticke

    Von Christian Pichler

    Anton, der Busfahrer, ist in seine Nachbarin Doris verknallt. In der Nacht hat ein fremder Mann auf Doris‘ Balkon gehustet. Ein Nebenbuhler? — Carlas Körper ist vom Krebs zerfressen und sie hat einen letzten Wunsch. Noch einmal das Meer, die Bucht sehen, wo sie aufgewachsen ist. — Anton fährt verlässlich die Route vom Land in die Stadt Gmund (!), Carla und ihre Tochter Annika sind zugestiegen. Carlas nächste Chemo steht an, sie fragt Anton: Fahren wir ans Meer?

    Leser sollten über das Wort „Roman“ auf dem Buchdeckel hinwegsehen. Das müssen Verlage heute so machen, das fördert den Verkauf. „Ans Meer“ ist eine muntere kleine Geschichte, die auch von den großen Dingen des Lebens handelt. Was ist Mut? Was Freundschaft? Oder auch: Wofür leben wir? Auf der anderen Seite Verzagtheit, Schatten und Tod. Wie damit fertig werden?

    René Freund, Jg. 1967, in Grünau im Almtal angesiedelter Wiener, ist ein gewiefter Erzähler. Bläht sich nicht unnötig auf, bringt genau sein Thema auf den Punkt. Dieses eine Leben. Der gutmütige, Butterbrezeln verschlingende Anton will seiner Doris beweisen, dass er auch ein Held sein kann. Und so tuckert — schneller geht nicht mit dem alten Postbus — eine kleine bunte Gemeinschaft Richtung Triest.

    Minderjährige mit an Bord, die schlaue elfjährige Helene und ihr ängstlicher großer Bruder Ferdinand. Weiters die anfangs mürrische Eva im Gothic-Outfit und die demente, auf den Rücksitzen übersehene Frau Prenosil. Als Talisman Kaninchen Totti. Juristisch betrachtet eine Entführung, aus menschlicher Sicht etwas anderes.

    René Freund, der seit „Liebe unter Fischen“ (2013) für den renommierten Verlag Deuticke schreibt, hält in „Ans Meer“ maßvoll die Balance. Zwischen dezenter Action und Spaß, munteren Dialogen und Tiefgründigem.

    Dem Bus hinterher düst die sehnsüchtige Doris, sie hat etwas bei Anton gutzumachen. Sie schleppt eine grundsätzliche Verlassenheit mit sich herum, hat in einem dummen Moment die Liebe Antons zurückgewiesen. Wer erreicht zuerst den Bus, Doris oder die Polizei? Sieht Carla noch das Meer?

    Ein berührendes und witziges Buch, ein Häufchen kleiner Helden entdeckt die Kraft des Miteinander.

    René Freund liest am 28. Mai (19.30 Uhr) im Linzer Stifterhaus