Digitales Miteinander im Vormarsch

Ausstellung Cyberarts im OÖ Kulturquartier zeigt Gewinner des Prix Ars Electronica

Ein Roboter, in den der „Geist“eines Verstorbenen gefahren ist: Etsuko Ichihara und ihr „Digital Shaman Project“.
Ein Roboter, in den der „Geist“eines Verstorbenen gefahren ist: Etsuko Ichihara und ihr „Digital Shaman Project“. © Saxinger

Von Mariella Moshammer

Es ist eine Schau, die nicht nur den „State of the Art“ in Sachen Medienkunst präsentiert, sondern auch gesellschaftliche Strömungen abbildet. Und hier sei eine deutliche Richtung erkennbar, sagt die Kuratorin der Ausstellung Cyberarts 2018 im OÖ Kulturquartier, Genoveva Rückert: „Digitale Gemeinschaften sind heuer definitiv ein Schwerpunkt.“ Es zeige sich eine starke Präsenz von Projekten mit sozialen und politischen Themen, Künstler „analysieren und observieren nicht nur, sie arbeiten Lösungen aus“, so Rückert.

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In der Kategorie Digital Communities — die Cyberarts zeigt seit 1998 Preisträger des Prix Ars Electronica — geht die Goldene Nica heuer etwa an die Internetplattform „Bellingcat“, die Open Source- und Social Media-Recherchen von Bürger-Journalisten zur Verfügung stellt. In der Kategorie Interactive Art bekommt die Installation „BitSoil Popup Tax & Hack Campaign“ bei der heutigen Gala im Brucknerhaus den ersten Preis. Eine rauchende, blinkende Maschine spuckt ausgedruckte BitSoils aus und soll am Ende einer auch symbolischen Kette für eine faire Datenwirtschaft sorgen.

Medienkunst kann aber auch immer noch ästhetisch: Auf eine sinnliche und gleichzeitig hoch technologisierte Weise nähert sich die Französin Mathilde Lavenne in ihrer Arbeit „Tropics“, für die sie die Goldene Nica in der Kategorie Computer Animation bekommt, ihrer Geschichte. Schicht für Schicht legt sie mit modernster Technologie prekolumbianische Erinnerungen in Mexiko frei. Immer wieder faszinierende Arbeiten kommen vom französischen Künstler Boris Labbé. Aus rund 4000 Zeichnungen entstand ein beeindruckender Film.

Der Geist eines Verstorbenen lässt den Roboter leben

In Sachen Pflege sind Roboter bereits im Einsatz. Die japanische Künstlerin Etsuko Ichihara bietet mit „Digital Shaman Project“eine Möglichkeit der „technischen“ Trauerarbeit. Persönlichkeit, Sprache, Gesten eines Verstorbenen werden mittels Programm und dem Auflegen einer Totenmaske aus dem 3D-Drucker auf einen Roboter transferiert. 49 Tage — so lange dauert es nach buddhistischer Überzeugung bis Verstorbene ins nächste Leben eintreten — bleibt der Verstorbene als „Geist“in dem Roboter, dann verabschiedet er sich und schaltete sich selbst ab. Lebenden Menschen näher kommt man in der Fotobox „ECHO“, in der sich — geleitet von einer künstlichen Intelligenz — das eigene Gesicht mit dem eines anderen verbindet; eine erzählte Geschichte, ein persönlicher Moment schaffen zusätzliche Nähe.

Fremde und Nähe verschwinden via Monitor

Mütterliche Gefühle bringt Sarah Petkus für ihren Roboter „NoodleFeet“ auf, der immer mehr lernt, seine Umgebung wahrzunehmen und zu verstehen. Die Besucher können mit ihm in Kontakt treten. Als „Monitor Man“ kommt Yassine Khaled mit Passanten ins Gespräch — bzw. als physischer Stellvertreter für jene, die er virtuell mit sich trägt. Fremde und Nähe verschwimmen, Beziehungen werden über Leitungen hinweg aufgebaut. Auszuprobieren heute und morgen ab 18.30 Uhr rund ums OÖ Kulturquartier.

Cyberarts bis 16. September