Dönmez fordert Offensive für aufgeklärte Muslime

EU-Vorsitz soll genützt werden, um Progressiven Plattform zu bieten Skepsis zu Plan der Berliner Imamin Ates für liberale Moschee in Wien

Fundi-Bedrohung bremst Zulauf: Die in einer evangelischen Kirche eingemietete liberale Moschee in Berlin steht unter Polizeischutz.
Fundi-Bedrohung bremst Zulauf: Die in einer evangelischen Kirche eingemietete liberale Moschee in Berlin steht unter Polizeischutz. © AFP/MacDougall

Von M. Maurer

Eine Offensive zur Stärkung aufgeklärter, säkularer Muslime fordert ÖVP-Integrationssprecher Efgani Dönmez. Der EU-Vorsitz sollte genutzt werden, „um progressiven Stimmen aus der muslimischen Welt eine Plattform zu bieten und Inputs von progressiven Imamen einzuholen, welche in den meisten islamischen Ländern nicht möglich wären“, so der oö. NR-Abg. zum VOLKSBLATT. Österreich könnte so „weltweit eine Vorreiterrolle einnehmen und ein Zeichen gegen Fundamentalismus, Extremismus und Pauschalierung setzen“.

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Dönmez äußert aber Zweifel, dass es dazu kommen wird: „Davon sind wir Lichtjahre entfernt, da es den meisten in der Politik und darüber hinaus um kurzfristige Inszenierungen geht, anstatt langfristige und tiefer greifende Akzente zu setzen.“

Skeptisch sieht er auch den Plan der Berliner Imamin Seyran Ates für eine liberale Moschee in Wien. In Berlin hat Ates vor einem Jahr eine solche Moschee gegründet, in der Männer und Frauen gemeinsam beten. „Die Besucherzahlen sind relativ überschaubar“, so Dönmez. Ates erklärt dies freilich mit der Angst vor muslimischen Radikalinskis, welche sie und die Moschee bedrohen.

Keine Moschee ohne Zustimmung der IGGÖ

Der Obmann der Türkischen Kulturgemeinde, Birol Kilic, weist gegenüber dem VOLKSBLATT auf ein weiteres Hindernis hin: Man dürfe „die Verhältnisse und Rechtslagen in Österreich und in Deutschland nicht verwechseln.“ Konkret meint Kilic die „Tatsache, dass man das Wort ‚Moschee‘, in Österreich laut dem Islamgesetz, ob wir wollen oder nicht, nicht ohne Erlaubnis der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) verwenden darf.“ Nachsatz: „Diese IGGÖ empfinden wir ziemlich verbesserungsbedürftig.“

Da die IGGÖ von türkisch-nationalistischen und fundamentalistischen Kräften dominiert ist und schon Ates‘ Berliner Moschee der türkischen Religionsbehörde Diyanet ein Dorn im Auge ist, wäre es eine Sensation, gäbe IGGÖ-Chef Ibrahim Olgun einem Wiener Pendant seinen Sanktus. Eine Anfrage dazu ließ die IGGÖ unbeantwortet.

Aber auch Ressentiments unter säkularen Muslimen dürften das Projekt nicht gerade begünstigen. Manchen ist Ates zu links oder einfach zu politisch. Zu hören ist der Vorwurf, sie schweiße die Fundamentalisten mit ihrem provokanten Kurs nur noch mehr zusammen. Auch Amer Albayati, Obmann des Vereins Integration-Bildung -Kultur (IBK), lässt sich als Vertreter der liberalen Muslim-Fraktion keine Unterstützungserklärung für die liberalen Moscheepläne entlocken. „Ich wünsche Frau Ates alles Gute“, sagt er nur.