„Don Juan“ geht in Kirchdorf um

    Theater in der Werkstatt lässt bei Molières Komödie sogar die Puppen tanzen

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    Mit spärlichsten Mitteln schaffen es die Mitglieder des Theaters in Kirchdorf, dass in der ehemaligen Elektro-Werkstatt große Weltliteratur Platz findet.
    Mit spärlichsten Mitteln schaffen es die Mitglieder des Theaters in Kirchdorf, dass in der ehemaligen Elektro-Werkstatt große Weltliteratur Platz findet. © Meixner

    Von Herbert Schicho

    Jeder weiß, dass gemeinsames Kochen in einer kleinen Küche nicht einfach ist, aber durchaus Vergnügen bereiten und leckere Gerichte hervorbringen kann. Und auch im Theater ist wenig Platz zwar eine Herausforderung, aber kein Hindernis für ein echtes Theatererlebnis. Denn wie beim Kochen kommt es darauf an, erstens gute Zutaten mitzubringen, zweitens das nötige Können zu haben und drittens braucht es noch Kreativität und Originalität. Und genau diese Mischung macht die Aufführung von Molières „Don Juan“ in Kirchdorf zu einem echten Leckerbissen. Die Komödie, 1665 von Molière geschrieben, ist ein Klassiker: Der Verführungskünstler Don Juan ist amoralisch und ausschließlich an der Eroberung von Frauen interessiert, dafür lügt, schwindelt, duelliert sich oder heiratet er. Ist eine Frau aber einmal erobert, wird sie für ihn uninteressant und fallen gelassen — selbst wenn er deswegen samt seiner Dienerschaft Hals über Kopf fliehen muss. Schließlich stolpert Don Juan doch noch über seine Sünden. In Kirchdorf wird dieser Archetyp des Frauenhelden von Kurt Geiseder verkörpert, der die adelige Gewissenlosigkeit und Arroganz hervorragend zum Ausdruck bringt. Aber auch der Rest der Truppe zeigt, dass in der Theaterwerkstatt Kirchdorf nicht nur handwerklich, sondern auch künstlerisch auf höchstem Niveau gearbeitet wird. Und man macht die Not zur Tugend. Das große Begleitorchester wird zum Sologitarristen. Jürgen Peer nimmt dabei auch Ankläge an Mozarts Don Giovanni. Das Bühnenbild wird mit weißer Kreide kurzerhand selbst an die schwarze Wand gemalt und als einzige Requisiten dienen eine schwarze Truhe, die mal Sitzbank, mal Podium ist, und ein Reisekoffer, der auch zum Tisch umgewandelt wird. Außerdem werden die Rollen auch synchron mit Puppen dargestellt, um das Komische noch zu verstärken. Ja, es muss nicht immer das Burgtheater sein, manchmal lohnt auch ein Besuch in Kirchdorf.

    Aufführungen: 19., 20., 22., 26., 27., 28. und 30. April sowie 1., 4. und 5. Mai. Infos: www.theater-kirchdorf.at