„Don Quijote“ als kurzweilige Theaterpremiere in Bregenz

Wie reagiert man, wenn man vom Erzähler Unwahrheiten über sich hören muss? Man empört sich. Und genau damit starten Sancho Pansa und Dulcinea in das neue Stück von Philip Jenkins, das am Dienstagabend Premiere im Theater Kosmos hatte. Den Tanz zwischen den Erzählebenen honorierte das Publikum mit langem Schluss-Applaus. „Don Quijote. Ein Stück weg von der Wahrheit“ kam sehr gut an.

Autor und Regisseur Philip Jenkins wurde inspiriert von Cervantes’ Roman „Don Quijote“. Das Theaterstück beginnt Jenkins mit Originalzitaten aus dem Stück, lässt dann die Fesseln des Originals bald hinter sich und kreiert eine wunderbare Mischung aus Fiktion und Wahrheit. Authentische Vorarlberger Biographien, von den jeweiligen Menschen direkt vorgetragen, stehen im Wechsel mit Erlebnissen Sancho Pansas, der nach dem Tod von Don Quijote die aus der Ferne angebetete Dulcinea zur Beerdigung holen und damit den letzten Willen seines Meisters erfüllen will.

Hubert Dragaschnig sind Rollen wie die des Sancho Pansa dermaßen gut auf den Leib geschrieben, dass man nie ganz sicher ist: Spielt er den Sancho Pansa so gut oder ist er dem Sancho Pansa einfach so ähnlich? So souverän, so verinnerlicht, so authentisch wirkt das Spiel, davon würde man gerne mehr sehen. Auf der anderen Seite steht die wunderbare Sabine Lorenz als Dulcinea – stolz, verwundert über das Ansinnen Sancho Pansas, aber dann doch den Schmeicheleien ergeben, mit Grazie und Anmut gespielt.

Die Schauspiel-Amateure können im Angesicht des Schaulaufs der beiden Profis nicht wirklich glänzen. Die beiden jungen Mädchen Lea Klimmer und Reyhan Cicin thematisieren ihre Ausbildung und soziale Medien am Beispiel von Snapchat. Ronald Waibel spricht über seine Zeit als Pfarrer, seinen Abschied aus dem Amt und seine Rückkehr als Betreuer im Sozialzentrum des gleichen Ortes. Gabi Wantke ist eine Lady-Bikerin und lebte viele Jahre im Ausland, Walter Gohli fühlt sich im Beruf des Lehrers auch mehr als Sozialarbeiter. Sie alle sind sehr bemüht und machen ihre Sache gut. Trotzdem wirken an manchen Stellen die vorgetragenen eigenen Lebensgeschichten etwas zu auswendig gelernt und zu schön gesprochen. Sprachliche Unsauberkeiten hätten vermutlich weniger gestört als die Textunsicherheiten.

Das Bühnenbild von Sabine Ebner bringt die Geschichten aller Darsteller zusammen. Im Hintergrund stehen sieben riesige Bildausschnitte, die etwas aus dem Leben der Protagonisten zeigen – zum Beispiel ein angedeutetes Kreuz, einen Motorradreifen oder einen Stapel Bücher. Auch Dragaschnig und Lorenz verschwinden nach ihren Auftritten hinter ihrer jeweiligen Foto-Wand. Für die Figur Sancho Pansas wurde als Bild ein treuherzig blickendes Hündchen gewählt, für Dulcinea ein wunderbarer Strauß Blumen. Stefan Pfeistlinger setzt die Bilder in das richtige Licht und begleitet die ganze Inszenierung mit sehr guten Lichtstimmungen.

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Das Ensemble wird komplettiert durch George Nussbaumer, der die Inszenierung als souveräner Erzähler und wundervoller Pianist und Sänger umrahmt. „Don Quijote“ steht noch bis 28. Mai einige Male auf dem Spielplan – vielleicht noch länger, wenn man die Reaktionen des Premierenpublikums bedenkt. Ein wirklich sehr gut gemachter Theaterabend, mit Hauptdarstellern, die begeistern konnten, und einer Inszenierung, die vor allem eines wollte: eine Geschichte wahrhaftig und kurzweilig erzählen. Und das ist prächtig gelungen.

(S E R V I C E: „Don Quijote“ von Philip Jenkins nach Cervantes. Uraufführung. Regie: Philip Jenkins; Licht: Stefan Pfeistlinger, Ausstattung: Sabine Ebner. Mit Sabine Lorenz, Hubert Dragaschnig, George Nussbaumer, Reyhan Cicin, Walter Gohli, Lea Klimmer, Ronald Waibel, Gabi Wantke. Weitere Aufführungen: 7., 13., 14., 20., 21., 25., 27. und 28. Mai jeweils um 20.00 Uhr und am 8., 15. und 22. Mai um 18 Uhr. Karten unter )

(B I L D A V I S O – Pressebilder stehen zum Download bereit.)

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