Doppelter Klanggenuss mit Bläsern beim Brucknerfest

Mitglieder des oö. Bläserensembles Calamus Consort stellten ihr Können auf historischen, aber auch auf modernen Instrumenten unter Beweis

Die Musiker erfreuten mit alten Instrumenten und besonderen Klängen.
Die Musiker erfreuten mit alten Instrumenten und besonderen Klängen. © Reinhard Winkler

Von Georgina Szeless

Sinfonien für sechs bis elf Bläser standen auf dem eine Zeitspanne von hundert Jahren umfassenden Programm des Brucknerfestes am Donnerstag im Brucknerhaus, das nicht wenige Interessenten für diese Sparte versammelte. Gepflegt wird diese doch seltene Musik seit 2003 von dem oberösterreichischen Bläserensemble Calamus Consort auf historischen Instrumenten in einer ebensolchen Aufführungspraxis.

Je zwei Musiker auf Flöte (Dorothea Seel, Robert Pinkl), Oboe (Magdalena Karolak, Taka Kitazato), Klarinette (Ernst Schlader, Markus Springer), Horn (Michael Söllner, Albert Heitzinger), Fagott (David Doucot, Eckhard Lenzing) und auf Trompete Franz Landlinger entwickeln beim Musizieren eine derartige Freude und Spannung, dass man die klanglichen Unterschiede zu den Instrumenten der Gegenwart, die sie ebenfalls beherrschen, wie der zweite Programmteil verriet, mit Vergnügen verfolgte. Moderator Klaus Huber hat sie mit Proben von den Musikern vorgestellt. Die früheren Blasinstrumente, beim Fagott zum Beispiel weniger Klappen, beim Naturhorn keine Ventile, und die durch die hohe Lage erfrischende Flöte tendieren zu etwas helleren Klängen, was ihre Stimmung bewirkt.

Eintauchen in längst vergangene Zeiten

Der Reiz des Hörens der stilecht gespielten Musik liegt darin, dass man sich die Zeit, aus der die Werke stammen, vergegenwärtigen kann. Sinfonien ausschließlich auf Bläser beschränkt erfreuten sich im 17. und 18. Jahrhundert als Harmoniemusik einer großen Verbreitung.

Johann Christian Bach, der jüngste Sohn Johann Sebastians, der in der Geschichte auch als „Londoner“ Bach bezeichnet wird, hat er doch in England mit Mozart im Kindesalter musiziert, verfasste gleich sechs Bläsersinfonien, deren dritte und vierte gespielt wurden, umrahmt von der Mozart-Sinfonie Nr. 39 Es-Dur KV 543 in einer späteren Bearbeitung von Václav Havel.

Dann wechselte das Ensemble die Instrumente zunächst für Gaetano Donizettis frühe Sinfonia g-Moll, eigentlich eher eine Ouvertüre durch ihre opernhaften und dramatischen Züge. Erstaunlich, wie der erst 20-jährige Komponist die Behandlung der Blasinstrumente beherrschte und zwischen dem Belcanto und virtuoser Kunstfertigkeit komponierte.

Um bei der Oper zu bleiben, überraschte handwerklich auch die Petite Symphonie B-Dur (1885), ein um die Flöte erweitertes Spätwerk in klassischer Oktettbesetzung von Charles Gounod, und erst recht die romantische zehnstimmige Sinfonietta F-Dur des wenig bekannten deutsch-schweizerischen Tonsetzers Joachim Raff (1822-1882). Insgesamt ein recht interessanter und auch lehrreicher Abend von festwürdigem Charakter, der den mit einer Beethoven-Zugabe bedankten Applaus verdiente.

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