Doppeltes Jubiläum mit Verdi

    operklosterneuburg: „La Traviata“ in die Babenbergerhalle ausgewichen

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    Prachtsopran: Eugenia Dushina (Violetta)
    Prachtsopran: Eugenia Dushina (Violetta) © Lukas Beck

    Von Ingo Rickl

    Derzeit wird unter dem Markenzeichen operklosterneuburg die 25. Produktion geboten. Seit 20 Jahren ist der Blindenmarkter Doppelintendant für dieses Fest der Stimmen verantwortlich. Am Dienstag musste das Opernereignis des Schlechtwetters wegen vom Kaiserhof des Stiftes in die nüchterne Babenbergerhalle übersiedeln, die Intendant Michael Garschall taxfrei zum „Festspielhaus“ hochstilisierte. Giuseppe Verdis „La Traviata“ erlebte auch unter keineswegs optimalen Bedingungen einen nahezu perfekten musikalischen Ablauf, litt jedoch an überflüssigen Ideen der Regisseurin Christiane Lutz.

    „La Traviata“ ist eine jener Opern, bei denen der Librettist, in diesem Fall Francesco Maria Piave, als gleichwertiger Partner des Komponisten anzusehen ist. Warum sich die routinierte Christiane Lutz bemüßigt fühlte, die Schöpfer der Oper zu ergänzen, ist ein Rätsel. Da bemühen sich drei bewegungsfreudige, in sanften Farben auftretende Doppelgängerinnen um Violettas Schicksal, da erscheint Vater Germont als Bittsteller bei Violetta mit seiner heiratsfähigen Tochter, der das sichtlich peinlich ist. In der Schlussszene bevölkern zweimal die Chormassen das Sterbezimmer. Wie fast immer bei überflüssigen szenischen Peinlichkeiten, retten jene Künstler, die für den musikalischen Teil verantwortlich sind, den Abend und gestalten ihn zum Ereignis.

    Solisten & Ensembles sind gut geführt

    Was die Personenführung betrifft, ist Regisseurin Lutz schon Positives zu attestieren. Die Solisten und Ensembles sind gut geführt. Stimmlich beginnt der Tenor Arthur Espiritu sehr zurückhaltend, ehe er sich steigert. Die Moskauerin Eugenia Dushina ist vom ersten bis zum letzten Ton ihres Prachtsoprans in der Titelrolle grandios intensiv, darstellerisch und stimmlich eine Idealbesetzung. Als Vater Germont bietet Günter Haumer eine seriöse Leistung. Sein flexibler Bariton bietet das, was er soll: bestechenden Wohlklang. Von den kleineren Partien wollen wir Florina Ilie als Annina und Florian Köfler als Dr. Grenvil als Kompliment für alle ihre Kollegen nennen.

    Am Pult der von Konzertmeisterin Risa Schuchter einfühlsam geführten Beethoven-Philharmonie steht der energische Christoph Campestrini. Bei ihm kommen die Verdi-Schlager in den symphonischen Teilen plakativ zur Geltung, was der präzisen Begleitung der Sänger nicht schadet. Die Simultanbühne stammt von Christian Andre Tabakoff, die Kostüme mit kuriosen Einfällen von Natascha Maraval.

    Die Besucher waren bei dieser Veranstaltung in der Babenbergerhalle auch vom straffen Ablauf der Handlung angetan. Zwei erfreuliche Ergänzungen: Die bis 3. 8. dauernde Aufführungsserie wird wegen der starken Nachfrage um eine Vorstellung am 5. August ergänzt. Schon heute darf man sich auf Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ als Produktion des Jahres 2019 freuen.