Drago Jancar: Wenn die Liebe ruht

Den Ausgangspunkt dieser Geschichte bildet die auf dem Buchcover abgebildete Ansichtskarte, die eine Straße aus Marburg im Jahre 1943 zeigt. Unter den Passanten sind im Vordergrund zwei junge Frauen sichtbar, von denen sich eine zu einem vorbeigehenden SS-Offizier umdreht.

Für Jancar ist es jener Moment, als die Studentin Sonja in dem Uniformträger einen Bekannten ihrer Eltern erkennt. Sie beschließt, für ihren von den Nazis verhafteten Freund zu bitten, und geht ihm, zerrissen von widersprüchlichsten Gefühlen, nach. Jancar interessiert sich aber nicht nur für Sonja und ihren bei den Partisanen kämpfenden Freund Valentin, sondern auch für Sonjas Vater, einen angesehenen Arzt, Sonjas Nachbarn, Valentins Mitkämpfer und Vorgesetzte in den slowenischen Wäldern, und für das weiterhin bei seiner Mutter wohnende Bürgersöhnchen Ludek, das als SS-Offizier Ludwig eine bedeutende Rolle bei der Verankerung von Deutschtum und Rassenreinheit an der Südgrenze des tausendjährigen Reiches zu spielen gedenkt.

Krieg und Frieden, gut und böse: das sind keine Kategorien, deren Grenzen starr und unverrückbar sind. Vielmehr werden ihre Trennlinien permanent neu verhandelt. Das ist die bittere Botschaft dieses eindrucksvollen Romans. Und noch eine Hoffnung muss man fahren lassen: „Wenn die Liebe ruht“, kann es kein Happy End geben.

Drago Jancar: Wenn die Liebe ruht, Zsolnay Verlag, 396 Seiten, 25,70 Euro

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