„Drei“-Chef rechnet mit Umsatzminus durch Corona-Krise

Der Chef des Mobilfunkanbieters „Drei“ (Hutchison) rechnet mit einem Umsatzminus durch die Coronakrise. Durch die Reiseeinschränkungen fehle ein zweistelliger Millionenbetrag aus dem Nicht-EU-Roaming-Geschäft, sagte Jan Trionow am Montag in einer Videokonferenz mit Journalisten.

Zwar sei die Nutzung des Mobilfunknetzes gestiegen, da viele Tarife allerdings unlimitiert sind, habe der Umsatz nicht im selben Ausmaß zugelegt. Trionow schätzt, dass die Mindereinnahmen größer sein werden als die Mehreinnahmen, schränkt aber ein, dass eine Prognose sehr schwierig sei. „Dass es insgesamt einen positiven Einfluss geben wird, ist aber eher unwahrscheinlich“, so Trionow. Dennoch sei die Mobilfunkindustrie weniger stark betroffen als andere Branchen.

Der „Drei“-Chef erwartet durch die Viruskrise einen Digitalisierungsschub in der Gesellschaft. Die Nachfrage nach IT-Lösungen rund um die Bereiche Cloud, VPN und Video sei bereits stark gestiegen, vor allem durch Home Office, also das Arbeiten von Zuhause. „Die Welt hat sich ja doch sehr stark verändert in den letzten Wochen“, sagte Trionow.

Am Netzausbau halte „Drei“ trotz Pandemie fest, betonte Trionow. Auch die Verschiebung der zweiten 5G-Auktion werde am Plan nichts im größeren Maßstab verändern. Durch die ununterbrochen steigendenden Datenmengen seien die Netzbetreiber, Krise hin oder her, ohnehin gezwungen, die Netze laufend auszubauen. Hier gebe es keinen Notbetrieb, so Trionow.

Zum Höhepunkt der Krise kurz nach Inkrafttreten der Ausgangsbeschränkungen ist die Zahl der Gesprächsminuten im „Drei“-Netz um bis zu 63 Prozent gestiegen, der Datenverbrauch stieg um bis zu 38 Prozent. In der Folge sind Werte zwar wieder leicht gesunken, sie liegen aber weiter über dem Normalniveau.

Am stärksten war der Anstieg bei Videotelefonie mit einem Plus von 232 Prozent, gefolgt von Gaming mit 173 Prozent und Internettelefonie mit 161 Prozent. Ebenfalls stark, um 130 Prozent, gestiegen ist Messaging. Bei Filetransfers und Streaming war der Anstieg mit 28 bzw. 21. Prozent vergleichsweise moderat.

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