Dritte Wiener Teststraße öffnet beim Austria Center

Wien baut das Angebot der Gratis-Coronatests weiter aus: Am Montag ist eine weitere, insgesamt nun dritte Teststraße beim Austria Center (ACV) in der Donaustadt präsentiert worden. Sie öffnet am Dienstag. Prinzipiell kann sich dort jeder untersuchen lassen, die Station ist jedoch in erster Linie für Menschen gedacht, die ihre Angehörigen in Pflegeheimen oder Spitälern besuchen möchten. Zugleich läuft auch der Aufbau für die vom Bund initiierten Massentests.

Personen, die sich beim ACV testen lassen möchten, müssen sich zuvor anmelden. Die Untersuchung ist täglich von 7.00 bis 19.00 Uhr möglich. Eingerichtet wurde die Station am überdachten Vorplatz vor dem Kongresszentrum. Das Angebot richtet sich auch an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Gesundheitsberufen, in der kritischen Infrastruktur oder bei Blaulicht-Organisationen.

Die Teststraße beim Austria Center Vienna ergänzt die zwei bestehenden Teststraßen im Prater beim Ernst-Happel-Stadion und auf der Donauinsel. Die Kapazität kann auf bis zu 15.000 Tests täglich ausgebaut werden. Für Personen mit Symptomen – oder auch für Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind – gibt es die Möglichkeit, mit dem eigenen Auto anzureisen und die Testung im Parkdeck durchzuführen.

Gestartet wird dienstags mit drei sogenannten Walk-In- und vier Drive-In-Teststraßen. Mitzubringen sind ein Mund-Nasen-Schutz, ein Lichtbildausweis, die Sozialversicherungsnummer sowie der bei der Registrierung erhaltene QR-Code. Zum Einsatz kommt ein Antigentest, für den ein Nasen- bzw. Rachenabstrich nötig ist. Mit dem Tupferstäbchen, das in eine Testlösung gegeben wird, gehen die Besucher zu einer weiteren Station. Dort darf man unter Anleitung selbst einige Tropfen auf eine Testkassette geben. Nach einer kurzen Wartezeit scheint dort das Resultat auf.

Fällt das Ergebnis positiv aus, wird die Testperson umgehend in einen eigenen Bereich gebracht. Dort wird dann ein PCR-Test durchgeführt. Auch mit dem Contact Tracing wird noch an Ort und Stelle begonnen, wurde versichert.

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„Wir testen in Wien seit jeher sehr intensiv. Wien testet nicht nur viel, sondern auch gezielt Berufsgruppen um kritische Infrastruktur wie Spitäler zu schützen und insbesondere jene Menschen, die besonders betroffen sind“, sagte Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) bei der heutigen Präsentation. Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) hob hervor, dass man mit den Teststraßen ein möglichst breites und niederschwelliges Angebot zur Verfügung stellen wolle.

Das Austria Center wiederum baut bei der Covid-19-Teststraße auf jüngste Erfahrung auf: „Im September konnten wir im Rahmen eines europaweit einzigartigen Pilotprojekts bereits 2.000 WU-Studierende in sehr kurzer Zeit testen. Nun stellen wir sehr gerne unsere Erfahrung mit der Planung, Durchführung und der damit verbundenen Teststraßen-Logistik der Stadt Wien zur Verfügung“, sagte Susanne Baumann-Söllner, Direktorin des Austria Center Vienna.

Zumindest vorübergehend wird das Testangebot in der Bundeshauptstadt noch viel mehr ausgeweitet. Denn auch die Massentests stehen an: Vom 4. bis 13. Dezember werden dabei drei Standorte zu Testzentren umfunktioniert. Es handelt sich dabei um die Messe Wien, die Marx-Halle sowie die Stadthalle. Die Aufbauarbeiten an den betreffenden Örtlichkeiten laufen.

Ab 2. Dezember ist die Anmeldung für die Untersuchungen möglich. Insgesamt werden 286 Testlinien für Schnelltests und 20 für PCR-Tests installiert. Die größte derartige Einrichtung wird in zwei Messehallen untergebracht, wo fast 200 Stationen zur Verfügung stehen werden. Auch 450 Notebooks, 180 Drucker, 290 Abfallbehälter und 55 Mobil-WCs werden benötigt. Personell ist die Aktion ebenfalls eine Herausforderung: Bei den Wiener Massentest werden auch Tausende Soldaten im Einsatz sei, wie das Bundesheer am Sonntag ankündigte.

An den rund 67 Mio. Euro der Bundesregierungen für die Massentests wurde indes Kritik laut und zwar bei der SPÖ, aber auch bei nicht zum Zug gekommenen Mitbewerbern am Testmarkt, wie die ZiB2 des ORF sowie der „Kurier“ berichteten.

Die SPÖ sprach von „massiven Mehrkosten“ im Ausmaß von 30 Mio. Euro für die Steuerzahler. Verantwortlich dafür sei auch Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP), der durch seine nicht abgesprochene Ankündigung „aus reiner Profilierungssucht“ den Zeitdruck und damit wohl auch höhere Preise ausgelöst habe, meinte Vize-Klubchef Jörg Leichtfried. Man werde nun eine parlamentarische Anfrage stellen, um Licht in den Beschaffungsvorgang zu bringen.

Laut den Berichten hat die Bundesbeschaffungsgesellschaft BBG eine Million Tests von der Wiener Firma IFMS zu 4,80 Euro das Stück geordert, fünf Millionen Tests von Siemens zu 6,20 Euro und vier Millionen Tests der Firma Roche um 7,80 Euro das Stück. Dort argumentiert man mit Zeitdruck, bereits im Oktober abgeschlossenen Rahmenvereinbarungen und marktbeherrschenden Anbietern.

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