Dritter Vorstand der Mattersburg-Bank “wusste von nichts”

In der Causa Mattersburg-Bank schießt sich die ÖVP weiter auf Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) ein. Indes ist nun auch ein Einvernahmeprotokoll des dritten Vorstands, der erst seit März des vergangenen Jahres in seiner Position tätig war, bekannt geworden. Er habe “von nichts gewusst”, zitierte der ORF am Mittwoch den Vorstand. Es gilt die Unschuldsvermutung.

“Ich kann dazu gar nichts angeben. Das habe ich erst aus einem Bescheid der FMA erfahren”, habe der Vorstand auf die Frage, ob er von den Fake-Einlagen bei anderen Banken gewusst habe, geantwortet. Auch zu den gefakten Bankkonten in der Commerzialbank habe er “keine Wahrnehmung” gehabt. Bankvorstand Martin Pucher sei eine Vertrauensperson mit Handschlagqualität gewesen, eine Freundschaft habe er mit ihm aber nicht gepflegt.

Rund um die unrechtmäßigen Vermögensabflüsse beim SV Mattersburg habe er keinen Verdacht gehegt, dass die Sponsorgelder aus strafbaren Handlungen stammen könnten, hieß es in den Berichten von burgenland.orf.at und des Ö1-“Morgenjournal”. Der Vorstand sei in der Bank unter anderem auch für Wertpapiere, Geldwäsche und Compliance zuständig gewesen.

Die Höhe der Kredite an Sponsoren sei ihm nicht bekannt gewesen, nachgefragt habe er nicht. “Bei Martin Pucher nachzufragen habe ich nie gewagt. Auf Frage warum nicht, gebe ich an, dass er eine sehr dominante Persönlichkeit ist und nicht nur für mich, sondern für alle Mitarbeiter und auch Außenstehende, wie z.B. Politiker, immer auch eine Vertrauensperson war”, zitiert der ORF aus dem Einvernahmeprotokoll. Dass der Vorstand keine Kenntnis über Kredite und Sponsorverträge gehabt haben soll, sei der Polizei laut Protokoll unglaubwürdig erschienen, der Vorstand habe jedoch betont, wahrheitsgemäß auszusagen.

Weiters wollte die Polizei wissen, wie Pucher auf Widerspruch innerhalb des Vorstands reagiert habe. Darauf der dritte Vorstand: “Es gab keinen Widerspruch. Ich möchte festhalten, dass die beiden anderen Vorstände und ich, in meiner Zeit als Vorstand, nie miteinander an einem Tisch gesessen sind und in irgendeiner Form über die Bank gesprochen haben.”

Politisch nimmt die ÖVP den burgenländischen Landeshauptmann Doskozil in die Pflicht. Dieser habe nach den Ereignissen der vergangenen Wochen “massiv an Glaubwürdigkeit verloren”, sagte ÖVP-Klubobmann Markus Ulram am Mittwoch in Eisenstadt. Ulram verwies einmal mehr darauf, dass Doskozil angekündigt habe, Telefonprotokolle um den Tag der Schließung der Commerzialbank Mattersburg offenzulegen (am 14. Juli kurz vor Mitternacht untersagte die Finanzmarktaufsicht der Commerzialbank den Fortbetrieb, Anm.).

Im von der Opposition beantragten Sonderlandtag habe Doskozil angekündigt, jeder im Landtag Vertretene habe die Möglichkeit, Einsicht in die Protokolle, Berichte sowie in die Prüfberichte und -protokolle zu nehmen: “All das ist bis heute nicht passiert”, so Ulram . Die ÖVP habe nach dieser Ankündigung Akteneinsicht gemäß der Geschäftsordnung des Landtages beantragt. Dies sei “bis heute unbeantwortet geblieben”, ebenso eine Einladung des Bundesrates an den Landeshauptmann, Stellung zu nehmen.

Die ÖVP fordere, “dass der Herr Landeshauptmann und die SPÖ Burgenland alles offenlegt”, was zur Aufklärung “dieses Kriminalfalls” beitragen könne, auch im Sinne der politischen Verantwortung. “Wenn jemand diese Informationen nicht weitergibt, dann muss einiges im Argen sein”, mutmaßte Ulram.

Man werde in den nächsten Tagen den Untersuchungsausschuss beantragen. “Alles, was strafrechtlich relevant ist, werden die Staatsanwälte und die Gerichte klären. Die politische Verantwortung werden wir hier im Burgenland klären, mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln.” Dabei sei sich die gesamte Opposition einig.

Derweil zieht die Pleite der Commerzialbank Mattersburg immer weitere Kreise: Am Mittwoch wurde im Landesgericht Eisenstadt auch über die Commerz-Real Vermietungs- und Verwaltungsgesellschaft m.b.H. sowie über die Commerzialbank Immobilien GmbH das Konkursverfahren eröffnet, teilte der KSV1870 mit. Beide Unternehmen haben ihren Sitz in Mattersburg an derselben Adresse.

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