Drogen-Netzwerk dealte mit 480 Kilo Marihuana

Großer Schlag gegen Suchtgifthandel: 37-köpfige Bande um Afghanen (31) versorgte vor allem Linzer Hotspots mit Drogen aus Tschechien

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Chefermittler Sommer beim Organigramm der Drogenbande. Ermittler aus OÖ und Tschechien haben die Täter zur Strecke gebracht. © fotokerschi.at

LINZ — Ein 37-köpfiges Drogennetzwerk, das vor allem die Linzer Hotspots Hessenpark, Kremplstraße und Hinsenkampplatz und den Raum Wels mit Marihuana versorgt hatte, konnte die Polizei in den vergangenen Monaten ausheben. Die Gruppe um einen 31-jährigen afghanischen Asylwerber soll zwischen August 2015 bis August 2017 insgesamt 480 Kilogramm Cannabiskraut aus Tschechien im Straßenverkaufswert von 4,8 Millionen Euro ins Land geschmuggelt und zumindest an 90 Kunden verkauft haben. Elf von ihnen – der innere Kreis – sitzen in Haft.

Subdealer mit Krediten gelockt

Der „Chef“ oder „Boss“ genannte und bislang unbescholtene 31-Jährige, der auch nicht davor zurückschreckte, den 17-jährigen Sohn seiner Lebensgefährtin als Dealer einzuspannen, hatte ein professionelles Netz aufgezogen. Die Gruppe wechselte regelmäßig die Fahrzeuge und Handys und kommunizierte nur im „Paschtu-Dialakt“. Neben seinen zehn Kurieren gab es 26 Subdealer. Diese vorwiegend Landsleute, aber auch Türken und Österreicher und ein Rumäne rekrutierte der Haupttäter, indem er sie mit 3000 Euro Vorkasse zum Dealen lockte, berichtet Ermittler Reinhold Sommer, der Leiter der Suchtgift-Gruppe am Stadtpolizeikommando Linz. Für Schmuggelfahrten nach Tschechien erhielten die Kuriere 3000 Euro, 150 Euro gab’s für den Transport innerhalb von Österreich. Bis zu sechs Kilo Cannabis pro Woche gelangten damit ins Land. Teilweise wurden die Drogen in Wien, teilweise in einer Wohnung im Linzer Süden zwischengelagert.

Der 31-Jährige, der selbst nicht abhängig ist, ist im Jahr 2013 nach Österreich gekommen, im Dezember 2017 klickten die Handschellen. Mit den Einnahmen aus seinen Geschäften finanzierte sich der „Boss“ den Lebensunterhalt. Zudem schickte er Geld in sein Heimatland.

Suchtgift: Immer mehr Anzeigen

Insgesamt 221 Kilogramm Cannabis wurden im Vorjahr in OÖ sichergestellt — mehr als doppelt so viel wie in den beiden Jahren zuvor. Gleichzeitig steigt im Land ob der Enns auch die Zahl der Suchtgiftanzeigen: „Waren es im Jahr 2015 noch 5157, so haben sie sich 2017 um rund 50 Prozent auf 7692 erhöht“, betonten Gottfried Mitterlehner, der Chef des Landeskriminalamtes, und der stv. Landespolizeidirektor Erwin Fuchs. Die Hälfte davon betraf Linz. In den Hotspots Hessenpark, Kremplstraße, Hinsenkammplatz, wo nun Schutzzonen eingerichtet wurden, gab es in den vergangenen dreieinhalb Jahren insgesamt 269 Festnahmen. Die Polizei sei aber auch interessiert, die Hintermänner festzunehmen, so Mitterlehner. Das sei jetzt gelungen.