„Durch Corona durchleben wir eine emotionale Achterbahn-Fahrt“

Obwohl das Virus eine große Herausforderung darstellt, kann die Krise von zwei Seiten betrachtet werden, so Psychologin Christa Schirl

Psychologin Schirl
Psychologin Schirl © Peter Baier

Nach einem Jahr Corona-Krise werden die Diskussionen über Lockdown und Öffnungen, Einhalten von Maßnahmen oder Protest dagegen und zur Impf-Reihenfolge immer hitziger.

Für die Linzer Psychologin Christa Schirl ist dies ganz normal: „In Krisenzeiten, in denen uns das Wissen über das Virus fehlt, gehen die emotionalen Wogen automatisch höher. Da brauchen wir einfach noch etwas mehr Geduld.

Ein kleines Beispiel: Wie lange wissen wir schon, dass Händewaschen gegen Krankheiten sinnvoll ist? Jetzt durch das Coronavirus sind wir endlich soweit, es auch zu tun. Oder wie viele sind früher total verschnupft in die Arbeit gegangen und haben nun gelernt, dass das nicht sinnvoll ist.“

Es hänge zudem viel davon ab, wie die einzelne Person die aktuellen Gegebenheiten betrachtet, „ob sie aufgebracht ist, dass sie nicht zum Wirt gehen kann, oder sich damit abfindet, weil die Maßnahme zur Bekämpfung der Pandemie verordnet wurde.

„Im Leben gibt es immer ein Auf und Ab“

Es ist nicht alles Schwarz oder Weiß und ein Leben in Balance gibt es grundsätzlich nicht, sondern es ist immer von einem Ab und Auf oder Hin und Her geprägt“, sagt Schirl im VOLKSBLATT-Gespräch: „Das ist die Natur der Sache. Natürlich ist die Corona-Krise eine besondere Herausforderung und wir leben in einer turbulenten Zeit, die uns enorm fordert und u. a. psychische Probleme bei Jugendlichen und Gewalt in Familien mit sich bringt. Viele durchleben derzeit eine emotionale Achterbahn-Fahrt, aber andererseits sind wir auch sehr anpassungsfähig. Es ist schon eine Leistung, wie flexibel wir in diesem Jahr geworden sind, dass wir uns an die ständig neuen Vorgaben halten – das Abstandhalten, Maskentragen oder Testen.“

Und es werde einerseits immer manche geben, die nicht solidarisch sind, aber andererseits zeigen sich andere solidarisch, springen ein und helfen mit – etwa die Apotheker, die nun improvisierte Testmöglichkeiten anbieten.

Schirl sieht es als große Leistung an, dass in gemeinsamen Kraftanstrengungen Impfungen entwickelt wurden und ist froh, dass wir in Österreich auf ein sehr gutes Gesundheitssystem zählen können.

Von Michaela Ecklbauer

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