Durch die Blume gesagt

Die Aster sagt „Du bist mir nicht treu“, die rote Tulpe verkündet „ewige Liebe“. Ende des 18. Jahrhundert fand orientalische Blumensprache in Europa große Verbreitung. Manches ist bis heute erhalten und blüht wieder auf. Was Sie zum Muttertag schenken könnten und was Sie der Blumensprache folgend lieber weglassen sollten...

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Text: Melanie Wagenhofer

„Bei der Rose geht es natürlich immer irgendwie um Liebe und Schönheit“, sagt Magdalena Wieser, Sammlungs- und Bibliotheksleiterin des Landesmuseums und Hüterin von 45 kostbaren, alten Stammbüchern, die vom 16. bis ins 20. Jahrhundert datieren. Dabei war die Königin der Blumen dereinst verpönt: Unter den ersten Christen galt sie als Symbol der luxuriösen Dekadenz der Römer. Doch man konnte sich ihrer Schönheit und ihrem Glanz nicht entziehen. Später wurde die Rose der Muttergottes geweiht, Maria selbst betitelte man als Rosa mystica.

Blumensprachen gibt es schon seit der Antike, in Japan wird seit jeher Hanakotoba gepflegt und auch die ägyptischen Hieroglyphen nahmen sich Pflanzen und Blüten zum Vorbild. Mit der Naturverbundenheit, die Ende des 18. Jahrhunderts, Anfang des 19. Jahrhunderts im wahrsten Sinne des Wortes wieder aufblühte, erlebte auch die Blumensprache eine Renaissance. Gepflegt wurde die besondere Sprache vor allem in bürgerlichen Kreisen — von Damen und Herren — und es gab eine Vielzahl an Deutungen, neben dem, was man seinem jeweiligen Gegenüber ausdrücken wollte, auch in religiösem Kontext oder in Zusammenhang mit Heilkunde. Auch in der Kunst sprach man eine eigene Blumensprache, Blumenmalerei kam im 19. Jahrhundert ziemlich in Mode. Einer der herausragenden Künstler in unseren Breiten war Leopold Zinnögger (1811-1872), Botaniker, Maler und Zeichner. Nicht nur Blumen, sondern auch Kräuter verlieh man semantische Bedeutung, das wohl bekannteste Kraut ist vierblättriger Klee als Glückssymbol. Mit so mancher Blumenbotschaft gab man dem Empfänger einiges zu denken auf und drückte auch Kritik aus.

Geheimsprache der Haremsdamen

Mit der viel gelesenen Autorin Lady Mary Wortley Montague („Briefe aus Istanbul“) fand die orientalische Blumensprache in Europa große Verbreitung. Sie entdeckte die Semlamik, wie sie genannt wird, in Istanbul. Im Orient gab es ein ausgeklügeltes System von Bedeutungen. „In den Harems, in denen man sich nicht austauschen konnte, sandte man sich gegenseitig mit Blumen Botschaften“, erklärt Wieser. Von Haremsdamen soll auch die englische Lady eingeweiht worden sein. Das kam den Menschen in Europa entgegen, in einer Zeit, in der es schwierig war für Liebende, sich verbal auszudrücken: Es fing an mit einzelnen Blumen und Sträußen einer Sorte, später drückte man sich mit komplizierten Mischungen aus, bei denen auch Farben und die Anzahl der Blumen eine Rolle spielten. Kombinierte man rosa und weiße Rosen, galt das als Zeichen für Gemeinsamkeit. Sogar Farbschattierungen sagten etwas aus: Gelb konnte Glück und Lebensfreude ebenso bedeuten wie Neid und Untreue. Weißes galt seit jeher als Zeichen der Unschuld und war und ist deshalb beliebt bei Brautsträußen. Ja, sogar die Art und Weise, wie man einen Strauß hielt, war von Bedeutung: Wiesen die Blumen nach unten, so kehrte sich der Sinn ins Gegenteil. Gelbe Rosen standen für Untreue, hielt man den Strauß nach unten, sollte dieser Treue signalisieren. Damals war es üblich, dass die Damen von den Herren Anstecksträußchen überreicht bekamen. Die Stelle, an der sie diese anbrachten, lieferte die Antwort: Oberhalb des Herzens bedeutete, dass die Angebetete dem Herrn zugeneigt war, fand das Sträußchen im Haar seinen Platz, kam das einer Ablehnung und Desinteresse gleich.

Aus dem 18. Jahrhundert weiß man auch von vielen Büchern über die Sprache der Blumen. Etwas, das in unseren Tagen eine Renaissance erlebe, so Wieser: Neue Werke über die Blumensprache, Lexika zu Pflanzensymbolen etc. weisen auf das Interesse und die Wiederverwendung der besonderen Sprache hin. So mancher hat sich auch literarisch verewigt. In den eigenen Beständen des Landesmuseums entdeckte Wieser eine Handschrift aus dem Jahr 1839, die die nicht mehr zuordenbaren Initialen F.E. trägt, in der der geheimnisvolle Verfasser oder die Verfasserin feinsäuberlich allen möglichen Blumen Eigenschaften, ganze Sätze zuschreibt und auch die Farben der Blumensprache ausführlich dokumentiert. Ein Beweis für die weite Verbreitung und Bedeutung der floralen Kommunikation. Auch in zahlreichen Stammbüchern, die die Landesgalerie verwahrt, finden sich Symbole und Zeichen der Blumensprache, wunderschöne Zeichnungen von Pflanzen und die passenden Sprüche: „Im Vordergrund stehen Rosen, Vergissmeinnicht, deren Name ihre Bedeutung aussagt, und Stiefmütterchen, die in der Handschrift von 1839 für Freundlichkeit stehen“, erklärt Wieser. Hell und freundlich wird darin auch das Maiglöckchen beschrieben: „Beseeligend ist deine Nähe.“ Tulpen gelten als verblühende Schönheiten, „drum sammle die Schätze des Herzens“, heißt es.

Blumensprache

Akelei: Du bist ein Schwächling.
Anemone: Ich möchte ganz bei dir sein.
Aster: Du bist mir nicht treu.
Dahlie: Ich bin schon vergeben.
Edelweiß: Du bist wunderschön.
Gerbera: Durch dich wird alles noch schöner.
Glockenblume: Unsere Herzen schlagen im gleichen Takt.
Iris: Ich stehe immer treu zu dir.
Jasmin: Du bist bezaubernd.
Kornblume: Ich gebe die Hoffnung nicht auf.
Maiglöckchen: Du bist die Unschuld.
Mohnblume: Dein Reiz ist Blendwerk.
Nelke (rot): Ich liebe dich heiß und innig!
Petersilie: Ich möchte dir etwas Liebes tun.
Rote Tulpe: Ewig währt unsere Liebe.
Rosa Rose: Schüchternheit, Lass dir Zeit oder zärtliche Liebe
Salbei: Ich denke an dich.
Weiße Narzisse: Ich liebe dich unendlich, lass mich nicht hoffnungslos schmachten.
Tausendguldenkraut: Du suchst nur Geld.