Durch KI vollendete Sinfonie begeisterte in Kärnten wenig

Das Ensemble Prisma brachte eine durch künstliche Intelligenz vollendete Sinfonie auf die Bühne © APA/Carinthischer Sommer/Ferdinand Neumüller

Zur Eröffnung des Musikfestivals Carinthischer Sommer Samstagabend im Villacher Congress Center hatte sich Intendant Holger Bleck einen besonderen Paukenschlag ausgedacht: Das Ensemble Prisma aus Wien brachte unter der Leitung von Thomas Fheodoroff Beethovens Fragmente seiner 10. Sinfonie auf die Bühne – vollendet durch künstliche Intelligenz (KI). An das Original kommt der Computer nicht heran.

In einem mehr als zweijährigen Projekt war die KI mit den wenigen Originalskizzen Ludwig van Beethovens gespeist worden. Als weitere Grundlage für die Neukomposition dienten die neun vollständigen Sinfonien des Komponisten, Klaviersonaten und Kammermusik aus seiner Hand, Fugen von Bach sowie Werke von Mozart und Haydn. Eine „Simulation des musikalischen Kosmos wie ihn Beethoven kannte“, sollte entstehen, wie Walter Werzowa in einem Expertengespräch vor dem Konzert erläutert. Der Wiener Komponist bildet mit Matthias Röder, Direktor des Karajan Instituts in Salzburg, und dem Programmierer Ahmed El Gammal von der Rutgers University in New Jersey das Leitungsteam des Projekts.

Dirigent Thomas Fheodoroff meint: „Der Kontrast zur 9. Sinfonie, zur Ode an die Freude, ist belegbar. Beethoven wollte eine stillere Sinfonie mit sakralen Themen schreiben.“ Herausgekommen ist bei dem Experiment, das im Herbst 2021 anlässlich des 250. Geburtstages des Komponisten in Bonn uraufgeführt wurde, ein kleinteiliger Klangteppich, der teilweise an Filmmusik denken lässt. Instrumentiert wie die 9. Sinfonie, ergänzt um eine Orgel, für die Beethoven allerdings nie geschrieben hat, sind auch Anklänge an Beethovens 5. Sinfonie herauszuhören.

Die konnte man nach der Pause dann zum Vergleich erleben. Kraftvoll und freudig musizierte das Ensemble Prisma, souverän geleitet von Thomas Fheodoroff, der das Konzert mit dem ersten Satz des Violinkonzerts in C-Dur eröffnet hatte. Auch das war einst nicht von Beethoven vollendet worden – sondern 1875 von Joseph Hellmesberger dem Älteren.

Eindringlicher konnte man das Genie Ludwig van Beethovens nicht würdigen, als in der konkreten Gegenüberstellung der „Fünften“ mit dem KI-Projekt. So beeindruckend das Experimentieren an der Schnittstelle zwischen Musik und Technologie auch sein mag, noch ist die menschliche Kreativität unschlagbar. Denn auch aus der Fülle an von Algorithmen gelieferten Vorschlägen müssen Menschen eine Auswahl treffen.

Das Publikum, darunter Landeshauptmann Peter Kaiser, Vertreter der Geistlichkeit, Universität und viel Prominenz des öffentlichen Lebens, applaudierte höflich nach den vier Sätzen der 10. Sinfonie. Die 5. aber wurde abschließend minutenlang begeistert gefeiert.

Carinthischer Sommer: Die Zerbrechlichkeit der Geometrie. Klassik-Jazz-Crossover in Ossiach und Villach, bis 30. August, carinthischersommer.at

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