Durchimpfung deutlich zu niedrig

Pharmakologe fürchtet „düsteren“ Herbst – Corona-Vakzin wirkt „brilliant“

Noch haben viel zu wenige Österreicher einen ausreichenden Corona-Impfschutz.
Noch haben viel zu wenige Österreicher einen ausreichenden Corona-Impfschutz. © RRF – stock.adobe.com

Angesichts des im Vergleich zum Sommer 2020 deutlich höheren Infektionsgeschehens blickt Pharmakologe Markus Zeitlinger von der MedUni Wien, „düster“ in Richtung Herbst. Dass nun die Dynamik bei den Corona-Impfungen stark abnimmt, sei „furchtbar“, so der Internist, der befürchtet, dass im Herbst nicht nur ungeimpfte Personen unter der Pandemie leiden werden. Die Impfung sei laut AGES zu 91 Prozent „effektiv“.

Es sei aber mit einer sehr niedrigen Zahl an Impfdurchbrüchen – Erkrankung 15 Tage nach der zweiten Impfung – zu rechnen und die ansteckendere Delta-Variante mindere den Impfschutz etwas, so Zeitlinger.

Vorerkrankte haben geringeren Impfschutz

Laut AGES-Daten wären heuer bei 266.000 Covid-Infektionen 1560 Erkrankte gewesen, die bereits zweimal gegen das Coronavirus geimpft waren. Der häufigste Grund für ein Durchbrechen sei dabei eindeutig ein durch Vorerkrankungen oder Krebstherapien geschwächtes Immunsystem. Der Impfschutz scheint in dieser Gruppe um rund ein Drittel reduziert.

Impfung verhinderte Tausende Todesfälle

„Die Impfung wirkt brilliant“, betonte Maria Paulke-Korinek, Leiterin der Impfabteilung im Gesundheitsministerium, im Ö1-Mittagsjournal: „Wir wissen, dass die Impfung mehrere tausend Todesfälle verhindert hat.“

Modellrechnungen würden derzeit aber nahe legen, „dass wir eine zu niedrige Durchimpfungsrate haben“, gleichzeitig liegen die Infektionszahlen über jenen des Vorsommers. „Das macht es gefährlicher, weil wir schneller auf einem unangenehmen Level sind, was Spitalsauslastungen betrifft“, so Zeitlinger.

Ungeimpfte werden die Spitalsbetten belegen

Klar sei, dass SARS-CoV-2 im Herbst und Winter zum überwiegenden Teil in der ungeimpften Bevölkerung zirkulieren wird. „Zu rund 95 Prozent werden Spitalsbetten wohl von Ungeimpften belegt sein“, so der Experte. Es sei aber bedauerlich, dass in einer weiteren Welle leider auch Menschen, die alles getan haben, um sich zu schützen, zum Handkuss kommen. „Das ist gesellschaftspolitisch schon ein gewisser Sprengstoff, weil wir immer mehr die Teilung spüren zwischen sehr besorgten Menschen und Menschen, die sagen, dass die Erkrankung und die Impfung nur Betrug und ein Hirngespinst seien.“

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Beim Schaffen von Anreizen, sich doch impfen zu lassen, gebe es noch „Luft nach oben“. So könnte man Orte, deren Besuch mit einem gewissen Risiko verbunden ist, etwa Fitnessstudios, nur noch für Geimpfte zugänglich machen, meinte Zeitlinger. Zudem fordert er in Sachen Impfpflicht als Voraussetzung zum Eintritt in den öffentlichen Dienst rasch eine bundesweit einheitliche Lösung.

Um gut durch den Herbst zu kommen, sollte die Immunisierung auf 80 Prozent steigen, betont auch der Innsbrucker Infektiologe Günter Weiss. „Je ansteckender das Virus, desto höher sollte die Impfrate sein“. Er rät dazu, dass über 70-Jährige und Risikopatienten eine Auffrischungsimpfung erhalten.

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