E-Commerce hält Verpackungsnachfrage während Corona stabil

Die Papier und Karton verarbeitende Industrie hat das Coronajahr 2020 gut überstanden. Während die Wirtschaftsleistung insgesamt einen massiven Einbruch erlitt, konnten die 85 Betriebe des Sektors das Jahr wertmäßig mit einen Rückgang um nur 0,2 Prozent auf 2,4 Mrd. Euro stabil abschließen und bei der Menge sogar um 1,6 Prozent auf 1,2 Millionen Tonnen zulegen. Für das gute Abschneiden der Verpackungsindustrie war vor allem der Online-Handel verantwortlich.

Im Kontext der Pandemie gesehen sei das Ergebnis zufriedenstellend, zog der Obmann des Fachverbands Propak, Georg Dieter Fischer, am Mittwoch Bilanz über das Jahr 2020. Die Wertschöpfung der Papier und Karton verarbeitenden Industrie mache gut 2 Prozent der österreichischen Industrie aus, sagte Fischer. „Aber wir sind eine Industrie, die durchaus nicht nur wünschenswert, sondern volkswirtschaftlich notwendig ist.“ Innerhalb der Branche macht der Verpackungssektor etwa die Hälfte aus. Zum Verpackungssektor gehört die Wellpappe-Industrie mit 25 Prozent des gesamten Propak-Ausstoßes, die durch die Zunahme des Online-Handels der Haupttreiber der Entwicklung im letzten Jahr gewesen sei, sagte Fischer.

„Unabhängig von der Pandemie hat der Onlinehandel in den letzten Jahren sehr, sehr stark zugenommen und es wird auch in dieser Dynamik so bleiben.“ Die Branche sei unverzichtbar für die Aufrechterhaltung der verschiedensten Lieferketten für tagesnotwendige Produkte, etwa Lebensmittel oder Medikamente, sagte Fischer. „Ein Vorteil ist es sicher für unseren Sektor, dass wir so nahe mit dem Konsum zu tun haben, da korrelieren wir so ziemlich eins zu eins.“ Der Personalstand ging bedingt durch die Stabilität der Branche nur geringfügig auf 8.710 Beschäftigte zurück 
(-1,6 Prozent).

„Wir fahren durch die Zyklen relativ flach durch“, so Fischer. Das gelte auch für den Aufschwung. Man erwarte zwar einen leicht steigenden Umsatz, werde aber andererseits starken Druck durch die stark erhöhten Rohstoffpreise spüren. Während derzeit erwartet werde, dass die Wirtschaft um 3 bis 4 Prozent wachsen wird, „glaube ich, dass wir auf unserem Niveau weiter wachsen werden, aber vermutlich nicht so hoch“.

Laut Doris Ritzberger-Grünwald, Direktorin der Hauptabteilung Volkswirtschaft der Nationalbank, ist die Corona-Impfung „der Gamechanger der Pandemie“. „Wir gehen davon aus, dass es in Österreich keinen weiteren Lockdown braucht, der so viel an Wirtschaftskraft gekostet hat.“ Die BIP-Lücke gegenüber dem Vorkrisenniveau betrage derzeit etwa 3 Prozent. Sie erwartet, dass Österreichs Wirtschaft heuer um 3,5 bis 4 Prozent wachsen wird.

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Die Erzeuger von Waren aus Papier und Pappe seien „extrem gut“ durch die Krise gekommen, sagte Ritzberger-Grünwald an Mittwoch. „Was uns derzeit insgesamt ein bisschen Sorgen macht, das ist der fundamentale Anstieg der Rohstoffpreise. Der betrifft nicht nur die Industrie in Österreich, sondern ist weltweit zu beobachten und betrifft die Industrie insgesamt.“ Es gebe Faktoren, die für einen dauerhaften Anstieg der Rohstoffpreise sprechen. Man gehe jetzt in eine Phase der Hochkonjunktur und die Nachfrage sei sprunghaft angestiegen, das sehe man auch bei Stahl, besonderen Erden und gewissen chemischen Produkten. Auch die Containerfrachtkosten seien um das Zwei-, Drei- oder Vierfache gestiegen. Der Holzpreis habe sich in den letzten Wochen und Monaten ebenfalls zum Teil vervierfacht, „das ist in der jüngsten Vergangenheit beispiellos“.

Ein Grund für den Preisanstieg seien die höheren Energiepreise, die nach dem Einbruch um 50 Prozent im Frühjahr 2020 nun wieder in Richtung des längerfristigen Durchschnitts unterwegs seien. „Diese Anhebung der Energiepreise geht voll in die Rohstoffpreise und letztlich in den HVPI – also in die Inflationsrate – hinein, ist aber eigentlich eine Normalisierung.“

Andreas Blaschke, Vorstand bei Mayr-Melnhof Packaging International, übte deutliche Kritik an der Novelle zum Abfallwirtschaftsgesetz. „Mit dieser Novelle zum AWG sehen wir einen enormen Bürokratieaufbau, wir sehen Eingriffe in die Grundfreiheiten bis hin zu Vorschriften, die man dem Konsumenten machen möchte, und wir sehen Markteingriffe zu Lasten unserer erprobten Kreislaufverpackungswirtschaft.“ Man lehne „diese zum Teil sehr stark gepushte Mehrweg-Ideologie“ ab, denn der Rohstoff der Propak-Branche könne ohnehin bis zu 25-mal recycliert werden. „Der Anteil an Recyclingmaterial liegt durchschnittlich bei 75 Prozent, die Recyclingquote von Verpackungen aus Papier und Karton in Österreich sogar bei 90 Prozent und damit bereits heute klar über dem EU-Ziel von 75 Prozent bis zum Jahr 2025.“

Den Mangel an Fachkräften in der Branche habe die Corona-Pandemie nur vorübergehend gedämpft, sagte Marko Bill Schuster, COO von Mondi Functional Paper and Films. Derzeit bilde man 224 Lehrlinge in 18 verschiedenen Berufen aus, aber es sei schwierig, junge Arbeitskräfte in die Branche zu holen. Ein Hauptgrund sei der Rückgang an Lehrstellensuchenden aufgrund der „Nicht-Sitzenbleiben-Regel“ vor dem Hintergrund des generellen Image-Problems der Lehre.

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