Langer Weg für gleiche Rechte ist noch nicht Ende

Seit 1911 feiern Frauen den „Internationalen Tag der Frauen“, an dem weltweit auf Frauenrechte und Gleichstellung der Geschlechter aufmerksam gemacht wird. Der Internationale Frauentag am 8. März soll die bisherigen Errungenschaften der Frauenrechtsbewegung feiern und Aufmerksamkeit für bestehende Diskriminierung und Ungleichheiten schaffen. 2020 stellten die Vereinten Nationen den Tag unter das Motto „Each for Equal“, auf Deutsch „Jeder für Gleichberechtigung“.

Die Idee zum Frauentag kam aus den USA. Dort hatten Frauen der Sozialistischen Partei Amerikas (SPA) 1908 ein Nationales Frauenkomitee gegründet, das beschloss, einen besonderen nationalen Kampftag für das Frauenstimmrecht zu initiieren. Dieser erste Frauentag am 28. Februar 1909 war ein Erfolg – auch weil sich bürgerliche Frauenrechtlerinnen den Forderungen nach dem Frauenwahlrecht anschlossen und gemeinsam mit den Sozialistinnen demonstrierten.

Und so wurde der Kampftag ein Jahr darauf wiederholt. Die Amerikanerin May Wood Simons brachte diese Anregung mit zur 2. Internationalen Konferenz der Sozialistischen Frauen, die im August 1910 in Kopenhagen stattfand. Die beiden deutschen Sozialistinnen Clara Zetkin und Käte Duncker setzten schließlich den Beschluss durch. Der erste Frauentag wurde dann am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz gefeiert.

Rangliste Gender Inequality Index 2018 – Bewertung von Ungleichheit beim Zugang zu Frauengesundheit, politischer Macht und Arbeitsmarkt

Mit der Wahl des Datums sollte der revolutionäre Charakter des Frauentags hervorgehoben werden, denn der Vortag, der 18. März, war der Gedenktag für die Gefallenen während der Märzrevolution 1848.

Außerdem hatte auch die Pariser Kommune 1871 im März begonnen. Das alles beherrschende Thema der ersten Jahre war die Forderung nach dem freien, geheimen und gleichen Frauenwahlrecht.

Nach dem Ersten Weltkrieg und vor allem aufgrund der Einführung des Frauenwahlrechtes musste der Internationale Frauentag neu formiert werden. In Deutschland etwa gab es durch die Spaltung der Sozialistinnen in SPD und KPD statt eines Internationalen Frauentages zwei.

Mütter statt Frauenrechte

Unter den Nazis wurde der Frauentag offiziell verboten. Stattdessen wurde der Muttertag, der dem nationalsozialistischen Frauen- und Mutterideal eher entsprach, in den Rang eines offiziellen Feiertages erhoben. Trotz des Verbots aller sozialistischer und kommunistischer Aktionen bestand der Internationale Frauentag aber weiter. Allerdings hatte er sein Gesicht verändert.

Er fand nicht mehr auf den Straßen statt, sondern im Privaten. Das Feiern des 8. März wurde quasi zu einem Erkennungsmerkmal von Widerstand und sozialistischer Untergrundarbeit. Methoden waren das „Auslüften“ von roten Gegenständen am 8. März aus Fenstern oder an Wäscheleinen oder das Auslegen illegaler Flugblätter.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wirkte sich die Teilung Europas auch auf den Frauentag aus. Während er für den Ostblock und die Kommunisten ein Hochamt war, nahm die Bedeutung im Westen ab. Erst mit dem Engagement der neuen Frauenbewegung Ende der 1960er Jahre rückte der 8. März wieder ins Bewusstsein. Am 8. März 1975 richtete die UNO im Rahmen des „Internationalen Jahrs der Frau“ erstmals eine Feier aus. 1977 forderte die UN-Generalversammlung mit einer Resolution alle Staaten dazu auf, einen Tag im Jahr zum „Tag für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“ zu erklären.

Für jeden Weltfrauentag wurde ein Schwerpunkt-Thema festgelegt. Die Themen-Auswahl ist groß, denn nach wie vor sind Frauen auf der ganzen Welt in vielen Lebensbereichen benachteiligt. In den letzten Jahren lag der Fokus des Frauentags auf besserer Bildung für Mädchen, mehr Beteiligung von Frauen an politischen Entscheidungsprozessen oder besseren Lebensverhältnissen für Frauen in ländlichen Regionen. Heuer ist das Motto eben „Each for Equal“, auf Deutsch „Jeder für Gleichberechtigung“.

Der Internationale Frauentag ist gesetzlicher Feiertag in Angola, Armenien, Aserbaidschan, Berlin, Burkina Faso, Eritrea, Georgien, Guinea-Bissau, Kasachstan, Kambodscha, Kirgisistan, Kuba, Laos, Madagaskar, Moldau, in der Mongolei, in Nordkorea, Nepal, Russland, Sambia, Tadschikistan, Turkmenistan, Uganda, in der Ukraine, in Usbekistan, Vietnam und Weißrussland. In der Volksrepublik China ist der Nachmittag für Frauen arbeitsfrei. Das Land Berlin führte den Frauentag als gesetzlichen Feiertag 2019 ein und ist damit das erste deutsche Land mit einem „Frauenkampftag“.

In der Autonomen Region Kurdistan (Irak) beschloss die Regierung im Jahr 2012, am 8. März einen „Tag des traditionellen kurdischen Kleides“ als alternatives Angebot zum Frauentag zu veranstalten.

Weitere Gedenktage

Der internationale Frauentag ist aber bei weitem nicht der einzige Tag, an dem Frauenpolitik sichtbar wird. Mehrere Gedenk- und Aktionstage weisen auf das Problem der Gewalt gegen Frauen hin. Der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen findet jährlich am 25. November statt, die Protestaktion „One Billion Rising“ ruft am 14. Februar auf, auf die Straße zu gehen und grenzübergreifende Solidarität zu zeigen.

Außerdem gibt es gleich mehrere Pay Days – je nach Berechnungsart und Vergleichsgruppe. Üblicherweise kennzeichnet er in den verschiedenen Ländern rechnerisch den Tag, bis zu dem oder ab dem Frauen unentgeltlich arbeiten würden, wenn sie ab oder bis zu dem Tag den gleichen Lohn wie Männer bekämen. In Österreich findet der Tag, an dem der Gender Pay Gap offensichtlich wird, sowohl im Frühjahr als auch im Herbst statt.
Der Equal Care Day ist ein Aktionstag, der auf die mangelnde Wertschätzung und unfaire Verteilung von Fürsorgearbeit aufmerksam macht.

Die Festlegung auf den 29. Februar, der als Schalttag nur alle vier Jahre stattfindet und in den Jahren dazwischen übergangen wird, weist darauf hin, dass Care-Arbeit als weitgehend „unsichtbare Arbeit“ gilt, die oft nicht wahrgenommen und nicht bezahlt wird und außerdem symbolisiert er das Verhältnis von 4:1 bei der Verteilung von Care-Arbeit.

Der Internationale Mädchentag ist ein von den Vereinten Nationen (UNO) initiierter Aktionstag und soll in jedem Jahr am 11. Oktober einen Anlass geben, um auf die weltweit vorhandenen Benachteiligungen von Mädchen hinzuweisen.


Kein Grund zum Feiern

Frauenministerin Susanne Raab ©BKA/Wenzel

Von Frauenministerin Susanne Raab

Die brutalen Fälle von Gewalt gegen Frauen in den vergangenen Wochen – ob in der Steiermark, in Niederösterreich, Tirol oder Wien – machen ebenso betroffen wie wütend. Sie zeigen einmal mehr, wie wichtig konsequente Arbeit hinsichtlich Prävention und Gewaltschutz ist. Wenn in Österreich innerhalb von nicht einmal zwei Monaten sechs Frauen ermordet werden, müssen alle Alarmglocken schrillen.

Diese Geschehnisse sind aber auch ein Auftrag an uns alle, rasch weitere Maßnahmen zu etablieren, um Hass und Gewalt an Frauen und Mädchen zu bekämpfen. Denn Gewalt gegen Frauen hat viele Facetten, sie beginnt mit Beschimpfungen, Beleidigungen sowie Erniedrigungen und endet bei körperlicher Gewalt bis hin zu schweren Verletzungen und Morden: Jede fünfte Frau ab ihrem 15. Lebensjahr ist in Österreich mit körperlicher und/oder sexueller Gewalt konfrontiert, am häufigsten durch den eigenen Partner.

Opfer und Gewaltschutz

Als Frauenministerin gehört es daher zu meinen wichtigsten Aufgaben, den Opfer- und Gewaltschutz zu stärken. Unser gemeinsames Ziel über alle Parteigrenzen hinweg muss es sein, dass in Österreich jede bedrohte Frau, jedes bedrohte Mädchen einen Zufluchtsort hat, an dem sie verlässlichen Schutz findet.

Im Vorfeld des Weltfrauentags will ich nicht nur besonders starke, beeindruckende Frauen als Vorbilder für junge Mädchen vor den Vorhang holen, sondern auch wichtige frauenpolitische Herausforderungen ansprechen. Denn der 8. März zeigt einmal mehr die nach wie vor bestehenden Benachteiligungen von Frauen gegenüber Männern auf. Wir dürfen keinen Millimeter zurückweichen und akzeptieren, dass Frauen benachteiligt, herabgewürdigt und diskriminiert werden. Und obwohl wir in Österreich bereits große Schritte in Richtung Gleichstellung geschafft haben, gibt es noch immer viele Bereiche, in denen wir Aufholbedarf haben: Das hat nicht zuletzt der Equal Pay Day am 25. Februar gezeigt.

Denn solange Frauen und Männer nicht in allen Bereichen gleichgestellt sind, so lange ist der Weltfrauentag ein wichtiges Signal – und auch nach beinahe 100 Jahren noch immer kein Grund zum Feiern.


Frauenland Oberösterreich

LH-Stv. Christine Haberlander ©Land OÖ/Weihbold

Von LH-Stv. Christine Haberlander

Vor zwei Jahren wurde die Frauenstrategie „Frauen.Leben 2030“ einstimmig von der Oberösterreichischen Landesregierung beschlossen. Frauenpolitik ist keine Frage des Ressorts, denn sie betrifft alle Lebensbereiche. Seit dem Beschluss der Frauenstrategie wurden bereits zahlreiche Maßnahmen zur Gleichstellung von Mann und Frau umgesetzt. Jedes Regierungsmitglied hat sich dazu bekannt, die Strategie im eigenen Ressort umzusetzen. Oberösterreich befindet sich also auf dem richtigen Weg zur Gleichstellung von Mann und Frau.

„Frauen.Leben 2030“ wurde zu einem regelrechten Motor für die Frauenpolitik in Oberösterreich. Das erklärte Ziel der Strategie ist die tatsächliche Gleichstellung von Mann und Frau. Positive Entwicklungen zeigen sich etwa bei der, sich langsam aber dennoch schließenden Einkommensschere und bei den geringer werdenden Pensionsunterschieden. Positiv ist auch, dass in Oberösterreich das Pensionssplitting, welches auch im Regierungsübereinkommen auf Bundesebene festgehalten ist, immer häufiger in Anspruch genommen wird.

Mädchen in die Technik

Weiters haben sich 2019 mehr Mädchen für einen technischen Lehrberuf als Ausbildungsweg entschieden. Aber nicht nur hier konnte ein Anstieg verzeichnet werden, sondern auch bei den Schülerinnen in technischen Schulen und Studieneinrichtungen. Grund hierfür ist der „Girls Day“, der etwa zur Forcierung von Frauen im technischen Bereich beitragen soll. Im Rahmen dieses Projekts wurden zuletzt auch die Eltern über die Vorteile einer technischen Ausbildung für Mädchen informiert. Wir können es uns nicht leisten, aufgrund falscher Rollenbilder das ungeheure Potenzial von Frauen im technischen Bereich zu verlieren.

Zudem werden die Kinderbetreuung für unter Dreijährige, die Ferienbetreuung und das Angebot bei Tageseltern weiter ausgebaut. Dies ermöglicht den Familien – besonders aber den Frauen – Familie und Beruf besser zu vereinen. Hinzu kommen noch Maßnahmen, die etwa Sport im Familienleben verankern sollen. Aber auch auf die Gesundheit der Frauen in Oberösterreich wird ein besonderes Augenmerk gelegt. Hier gibt es ein breit gefächertes Angebot zu den Themen Gesundheitsförderung, Prävention, Frauen- und Mädchengesundheit, Selbstwert sowie Selbst- und Körperbild.

Dies sind nur ein paar Beispiele dafür, wie gut sich das Frauenland Oberösterreich entwickelt. Natürlich ist es unmöglich, binnen kurzer Zeit ein ganzes System grundlegend zu ändern oder alles umzusetzen, was wir uns vorgenommen haben. Doch mit jeder einzelnen Maßnahme, die bereits gestartet wurde oder in konkreter Planung ist, kommen wir unserem Ziel einen Schritt näher. Auch wenn die Anzeichen für die Gleichstellung von Mann und Frau in Oberösterreich gegeben sind, so muss dennoch viel Arbeit investiert werden, um dieses Ziel letzten Endes auch tatsächlich erreichen zu können.

In naher Zukunft müssen Dinge wie die gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit eine Selbstverständlichkeit sein und ebenso die finanzielle Absicherung von Frauen, auch in der Pension. Ein besonderes Anliegen ist mir zudem, dass Frauen und Kinder in Oberösterreich ein gewaltfreies Leben führen können. Deshalb hat das Frauenland Oberösterreich vor kurzem eine Bewusstseinsbildungs-Kampagne gegen #Hass im Netz und Cybermobbing gestartet.


Arbeitswelt für Familien

Cornelia Pöttinger © OÖVP Frauen

Von Cornelia Pöttinger

Die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf beschäftigt mich nicht nur am Internationalen Frauentag, sie ist Teil meiner tagtäglichen Arbeit. Wichtige Schritte konnten – vielfach auf Initiative aus der Volkspartei – bereits gesetzt werden. Stichwort Eltern- und Pflegekarenzregelungen, Ausbau der Kinderbetreuungsangebote, Familienbonus oder Einführung und Flexibilisierung des Kinderbetreuungsgeldes.

Für mich steht die Wahlfreiheit der einzelnen Familien im Vordergrund. Es gibt nicht die EINE wichtigste Maßnahme zur Verbesserung der Situation berufstätiger Eltern. Es braucht unterschiedliche Ansatzpunkte wie weiteren Ausbau der Kinderbetreuung, das Nutzen der Chancen durch die Digitalisierung, Aus- und Weiterbildung oder bessere Rahmenbedingungen im Arbeitsrecht und in den Betrieben.

Bedarfsgerechter Ausbau

Dass Oberösterreich intensiv in den bedarfsgerechten Ausbau der verschiedenen Kinderbetreuungseinrichtungen investiert, begrüße ich daher sehr. Dabei gilt aus meiner Sicht: den Bedarf in Gemeinden und Regionen bestmöglich decken, aber nicht – wie es manch politischer Mitbewerber gerne hätte – durch verpflichtende Zwangsbetreuung zusätzlich Bedarf wecken!

Ein maßgeblicher Faktor hinsichtlich Chancengleichheit und berufliche Entwicklung von Frauen mit Kindern ist Aus- und Weiterbildung. Frauen mit Kinderbetreuungs- oder Pflegeverpflichtungen sollen die Möglichkeit haben, eine Lehre oder ein Studium in Teilzeitform absolvieren zu können. Für einen leichteren Wiedereinstieg und mehr Chancengerechtigkeit sieht das aktuelle Regierungsprogramm unter anderem die gerechtere Mittelverteilung zwischen Männern und Frauen beim AMS und auch die Attraktivierung technischer Berufe für Frauen vor.

Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf leistet auch einen hohen Beitrag zur Vermeidung von Altersarmut bei Frauen. Teilzeitarbeit und fehlende Beitragsjahre in der Pensionsversicherung sind Gründe dafür, dass die Durchschnittspension von Frauen nur etwa halb so hoch wie bei Männern ist. Die mittlerweile gute Bemessung der Kindererziehungszeiten wirkt dem zwar schon entgegen, als weiteren Schritt wird es aber die rasche Umsetzung des sogenannten automatischen Pensionssplittings brauchen. Dieses Teilen von Pensionsbeiträgen zwischen Elternteilen, eine langjährige Forderung der ÖVP-Frauen, ist erfreulicherweise im aktuellen Regierungsprogramm verankert worden.
Viele weitere sozial- und arbeitsrechtspolitische Detailbereiche haben Verbesserungspotenzial. So gilt es, die Rückkehr von Teilzeit- in Vollzeitarbeit generell zu erleichtern und den arbeitsrechtlichen Kündigungsschutz an die längstmögliche Bezugsvariante des Kinderbetreuungsgeldes anzupassen.

Abschließend ist festzuhalten, dass es in der Frage der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer noch um Bewusstseinsbildung geht – bei den Frauen selbst, den Männern und den Unternehmen. Denn antiquierte Rollenbilder müssen endgültig der Vergangenheit angehören, Gleichberechtigung und Partnerschaftlichkeit in allen Lebensbereichen Einzug halten.

Cornelia Pöttinger ist Betriebsratsvorsitzende im OÖ. Hilfswerk, Fraktionsvorsitzende des Team ÖAAB-FCG in der AK OÖ und designierte Landesleiterin der OÖVP-Frauen

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